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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Sind die Höhlen doch zu retten?
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Landesamt empfiehlt: Gertrudenberger Gänge als Naturdenkmal sichern
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Originaltext:
Die Gertrudenberger Höhlen sollten als Naturdenkmal dauerhaft gesichert werden. Dafür spricht sich das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie aus.

Osnabrück. Mit der Stellungnahme des Landesamtes hat die Stadt Osnabrück ein weiteres Argument im Streit mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) in der Hand. Die Bima kümmert sich um das unterirdische Gangsystem und will es so schnell wie möglich loswerden: durch Verfüllung. Die Stadt beharrt aber darauf, diese einzigartige Unterwelt für die Nachwelt zu erhalten.

Dass die von Menschenhand geschaffenen Höhlen ein wertvolles Kulturgut darstellen, ist unbestritten. Sie stehen unter Denkmalschutz. Nun soll der ausgehöhlte Berg zusätzlich zum Naturdenkmal erklärt werden. Auf Drängen der CDU-Fraktion holte die Stadt dazu eine Stellungnahme des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie in Hannover ein. Und dessen Antwort ist eindeutig.

Aus geologischer Sicht ist eine Unterschutzstellung der Gertrudenberger Höhle auch als Naturdenkmal zu empfehlen″, schreibt Dr. Heinz-Gerd Röhling. Das bedeutende Stollensystem″ sollte nach seiner Meinung für Wissenschaft und Heimatkunde dauerhaft erhalten bleiben und auch für geführte Fach- und Laienexkursionen aufbereitet und zugänglich gemacht werden. Für die geotouristische Nutzung″ schlägt der Experte eine Kooperation mit dem Unesco-Geopark Terra-Vita″ vor.

Für die Geologen bieten die Höhlen interessante Erkenntnisse über Karststrukturen. Karstgebirge, wie sie unter anderem im östlichen Mittelmeerraum verbreitet sind, entstehen durch Verwitterung von Kalkstein. In den Gertrudenberger Höhlen sind nach Darstellung des Landesamtes verschiedene Phasen der Verkarstung vor allem in der Frühform deutlich ablesbar. Experten sprechen von Phantomkarst″, der in einigen Höhlen in Frankreich festgestellt wurde und in Deutschland erst ein einziges Mal sichtbar geworden ist: im Gertrudenberg. Deshalb ist der Osnabrücker Phantomkarst für die Geologen zur Typuslokalität″ geworden, also zum Fachbegriff für dieses Phänomen.

CDU-Fraktionschef Fritz Brickwedde begrüßt die Stellungnahme des Landesamtes und sieht die Position der Stadt im Ringen mit der Bima gestärkt. Nach diesem eindeutigen Gutachten darf es auf keinen Fall zu einer Verfüllung der Höhlen kommen. Es ist schon bedenklich, dass ein Stück Osnabrücker Stadtgeschichte zu Teilen von der Bima mit zweifelhaften Stoffen verfüllt worden ist. Die Höhlen dürfen nicht zur Deponie verkommen, sondern müssen zugänglich bleiben″, so Brickwedde. Die CDU reiht die Gertrudenberger Höhlen neben Naturdenkmale wie den Herrenteichswall und die Dinosaurierfährten von Bad Essen ein. Brickwedde: Immer steht der Gedanke im Vordergrund, Natur und Landschaft zu schützen sowie in Jahrhunderten gewachsenen Lebensraum auch der Nachwelt zu erhalten. Das ist bei den Gertrudenberger Höhlen in besonderem Maße der Fall.″

Die Bima prüft die neuen Unterlagen. Eine abschließende Meinungsbildung zur weiteren Vorgehensweise hat daher zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht stattgefunden und wird auf Grund der Komplexität der Angelegenheit noch etwas Zeit in Anspruch nehmen″, teilte die Behörde mit.

Die Höhlen im Gertrudenberg sind vor über 700 Jahren als unterirdischer Kalksteinbruch entstanden. Die Gänge sind rund 900 Meter lang. Etwa 500 Meter davon sind begehbar. Die Temperatur liegt konstant bei acht Grad. Deshalb wurden die Höhlen gern als Bier-Lager genutzt. Während des Weltkriegs dienten Teile als Bunker. Daher fällt die Zuständigkeit heute der Bima zu.

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Kommentar
Wer die Zeche zahlt

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) will die Höhlen loswerden und verfüllen. Doch ihr gehen die Argumente aus. Die von der Anstalt ins Feld geführte Einsturzgefahr, dargelegt in einem mehrseitigen Begehungsprotokoll und widerlegt in einem 60 000 Euro teuren Gutachten der Stadt nimmt keiner außerhalb der Bima wirklich ernst. Unter Denkmalschutz stehen die Höhlen schon, jetzt sprechen sich die Geologen dafür aus, den Status als Naturdenkmal zu verleihen.

Nur ein Argument steht noch im Raum: die Kosten. Es ist nachvollziehbar, dass sich die Bima als Treuhänderin des Bundesvermögens dagegen sträubt, sich auf ewig die Unterhaltungskosten ans Bein zu binden. Sie wird der Stadt die Verantwortung zuzuschieben versuchen: Wenn sie diesen ehemaligen Luftschutzbunker denn unbedingt erhalten und zugänglich machen will, dann soll sie ihn bitte auch mit allen Konsequenzen übernehmen. Darauf kann sich die Stadt aber nicht einlassen. Das Ende vom Lied: Es wird sich nichts bewegen. Wahrscheinlich für lange Zeit, denn einstürzen werden die Höhlen so schnell nicht.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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