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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Weniger Hilfe für Reisende am Bahnhof
 
Bahnhofsmission dampft Angebot ein
Zwischenüberschrift:
Es fehlt an Geld und Personal, und nach nur einem Jahr wechselt erneut die Leitung
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Es kriselt bei der Bahnhofsmission: Die Leitung wechselt erneut, und es fehlt an Ehrenamtlichen. Erst 2015 hatte Christoph Wegmann die Leitung übernommen. Aber er will die Stelle aus persönlichen Gründen nicht weiterführen. Die Bahnhofsmission ist eine Einrichtung von Diakonie und Caritas. Sie hilft beispielsweise Reisenden beim Aus- und Einsteigen und begleitet allein reisende Kinder. Doch auch für Obdachlose, Alkoholkranke und Drogenabhängige ist sie eine beliebte Anlaufstelle. Viel Kraft sei durch die Verpflegung dieser Personen gebunden, sagt Wegmann. Sie fehle dann bei Reisenden. Was die personelle Aufstellung betrifft, herrscht nach Wegmanns Angaben akuter Mangel bei der Osnabrücker Bahnhofsmission. Ihre Öffnungszeiten hat die Bahnhofsmission bereits eingeschränkt.

Es kriselt bei der Osnabrücker Bahnhofsmission: Nach nur einem Jahr wechselt die Leitung erneut, es fehlt an Ehrenamtlichen, Spenden werden weniger. Auch die Öffnungszeiten sind stark eingeschränkt worden.

Osnabrück. Erst im August 2015 hatte Christoph Wegmann die Leitung der Bahnhofsmission am Hauptbahnhof von Heike Becker übernommen, die mit 67 in den Ruhestand ging. Aber der Sozialpädagoge will die zunächst auf ein Jahr befristete Stelle nicht weiterführen – „ aus persönlichen Gründen″, wie Wegmann sagt. Sein Nachfolger wird zum 1. September Marcel Bohnenkamp, der bis zuletzt elf Jahre lang die Bahnhofsmission in Bielefeld leitete.

Die Bahnhofsmission ist eine ökumenische Einrichtung in Trägerschaft von Diakonie und Caritas. Sie hilft Reisenden beim Aus- und Einsteigen, vor allem älteren Menschen, Müttern mit Kindern und Gehbehinderten, aber auch Radfahrern sowie zunehmend Flüchtlingen, die durch den Bahnhof irren. Ehrenamtliche Mitarbeiter der Bahnhofsmission begleiten Kinder freitags und sonntags im Intercity nach Hamburg und Köln. Am Neumarkt bieten sie Busfahrgästen Hilfe und Orientierung an. Ungefähr 20 000 Kontakte mit Reisenden zählte Wegmann im vergangenen Jahr.

Hinzu kommen täglich bis zu 40 Begegnungen mit Menschen am Rande der Gesellschaft, für die der Sitz der Bahnhofsmission der alte kaiserliche Wartesaal an Gleis 1 eine beliebte Anlaufstelle ist: Wohnungslose, Alkoholkranke, Drogenabhängige, mittellose Rentner und Zuwanderer. Sie können hier in einem Gastraum verweilen. Auch einen kostenlosen Pott Kaffee gibt es oder eine Tasse Tee und bei Hunger zwei Scheiben Butterbrot.

Pädagogisch wertlos?

Sehr viel Kraft sei durch die Verpflegung und Umsorgung dieser Personen gebunden, sagt Wegmann. Sie fehle dann bei Reisenden, die ebenfalls Unterstützung nötig hätten. Zwar sei es wichtig, dass es eine Anlaufstelle wie den Gastraum gebe, aber aus pädagogischer Sicht sieht ihn Wegmann kritisch: Er ist ja nicht als Dauertreffpunkt für die Armen und Drogensüchtigen gedacht, sondern soll allen Reisenden temporär Hilfe bieten.″ Um Berührungsängste abzubauen und eine angenehmere Atmosphäre zu schaffen, seien Gastraum, Flur und Büro der Bahnhofsmission vor Kurzem renoviert worden.

Was allerdings die personelle Aufstellung betrifft, herrscht nach Angaben des scheidenden Leiters akuter Mangel bei der Osnabrücker Bahnhofsmission. Im Juni 2015 hätten der damaligen Leiterin neben einem Stamm von 14 bis 16 Ehrenamtlichen noch vier bezahlte Mitarbeiter in Teilzeit zur Verfügung gestanden. Wegmann habe dann im Herbst nur noch mit zwei Hauptamtlichen zusammengearbeitet, von denen einer zum Jahresende gegangen und nicht ersetzt worden sei. Nun werde es im August besonders eng, wenn Wegmanns Stellvertreterin die Bahnhofsmission übergangsweise alleine managt.

Chef mit 30-Stunden-Job

Das alles bleibt nicht ohne Folgen für das Angebot. Ihre Öffnungszeiten hat die Bahnhofsmission Osnabrück bereits stark eingeschränkt: Noch vor wenigen Jahren war täglich geöffnet, werktags von 8 bis 18 Uhr und sogar samstags und sonntags für ein paar Stunden. Seit April steht der Gastraum montags bis freitags nur noch von 8 bis 12.30 Uhr offen. Samstags ist schon länger zu.

Es ist mir leider nicht gelungen, noch mehr Ehrenamtliche für die Bahnhofsmission zu gewinnen. Mehr Werbung in den Kirchengemeinden wäre nötig gewesen″, sagt der scheidende Leiter. Aber dafür fehlte anscheinend die Zeit. Denn anders als bei Wegmanns Vorgängerin, die eine Vollzeitstelle bekleidete, reichte das Budget des Trägers in seinem Fall wegen einer höherwertigen Ausbildung nur für einen 30-Stunden-Job.

Mehr hätten die Träger nicht bezahlen können″, erklärt Burkhard Teschner, Sprecher des Diakonischen Werks in Stadt und Landkreis Osnabrück. Auch der künftige Leiter der Bahnhofsmission, ebenfalls Sozialpädagoge, trete zu diesen Bedingungen seine Aufgabe in Osnabrück an. Doch eine begrenzte finanzielle Grundausstattung ist nicht das einzige Problem der Einrichtung. Was ihr außerdem zu schaffen macht: Es hapert an Spenden. Das Aufkommen sei spürbar zurückgegangen, berichtet Teschner. Normalerweise würden Spenden einen Großteil der Sachkosten decken, die bei der Bahnhofsmission anfallen insgesamt etwa 13 000 Euro im Jahr. Inzwischen dominiere die Flüchtlingshilfe die Spendenakquise in Osnabrück. Heißt im Klartext: Für andere karitative Projekte geben die Menschen weniger Geld.

Mietfreie Räume

Entmutigen lassen wollen sich die Verantwortlichen davon aber nicht. Christoph Wegmann hinterlässt sogar die Idee, den Standort am Hauptbahnhof Osnabrück auszubauen, um besonders für Reisende stärker da zu sein. Das Bahnhofsmanagement teilt dazu auf Nachfrage mit, es werde die Bahnhofsmission weiterhin im Rahmen seiner Möglichkeiten″ unterstützen. Man befinde sich im ständigen Dialog″ miteinander, über möglichen Platzbedarf sei jedoch nicht explizit″ gesprochen worden. Die aktuellen Räume der Bahnhofsmission stellt die Deutsche Bahn mietfrei zur Verfügung.

Warum die Leitung der Bahnhofsmission Osnabrück der schönste Job der Welt″ ist, und wie der scheidende Chef Berührungsängste abbauen wollte, lesen Sie in Interviews mit Heike Becker und Christoph Wegmann auf www.noz.de/ os

Bildtext:
Anlaufstelle für Hilfsbedürftige aller Art: die Bahnhofsmission an Gleis 1 im Osnabrücker Hauptbahnhof.
Foto:
David Ebener

Kommentar
Weg vom Image des Almosenzentrums
Der Osnabrücker Bahnhofsmission macht der Mangel an Personal und Spenden zu schaffen. Doch die Probleme scheinen zum Teil hausgemacht.

Es war absehbar, dass das Angebot eingeschränkt werden würde, wenn der Leiter nur noch Teilzeit arbeitet. In 30 Stunden das zu schaffen, was vorher ein eingespieltes Team mit Vollzeitchefin erledigte, ist gelinde gesagt schwierig. Aber warum muss es eigentlich ein studierter Sozialpädagoge an der Spitze sein, wenn dafür offenbar beim Träger das Geld nicht reicht oder deswegen an anderer Stelle gespart werden muss?

Vorher hatte es doch lange Jahre mit der preiswerteren Quereinsteigerin Heike Becker auch gut funktioniert. Dass jetzt erneut ein Sozialpädagoge verpflichtet wurde, kann darauf hindeuten, dass gerade die Betreuung von Menschen am Rande der Gesellschaft, die zunehmend die Kräfte der Bahnhofsmission binden, konzeptionell überarbeitet werden soll. Die Einrichtung will vor allem für Reisende da sein und nicht als Almosenzentrum missverstanden werden.

Der neue Leiter wird mit den erschwerten Rahmenbedingungen klarkommen müssen, die durch Mangel an Spenden und Ehrenamtlichen entstanden sind. Denn leider geht es der Bahnhofsmission wie vielen anderen karitativen Einrichtungen, die ein bisschen untergehen im ganzen Flüchtlingstrubel. Wem die Bahnhofsmission am Herzen liegt, der sollte sie nicht vergessen, sondern sie nach Kräften unterstützen.
Autor:
Claudia Scholz


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