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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Rekord: Kulturnacht lockt 35 000 Besucher
Zwischenüberschrift:
Großveranstaltung in der Osnabrücker Innenstadt zog mehr Gäste als je zuvor an
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Deutlich mehr Besucher als in den letzten Jahren zog die 16. Kulturnacht in Osnabrücks Innenstadt an. Die Stadt als Veranstalter geht von über 35 000 Besuchern aus.
Osnabrück. Wer hätte gedacht, dass schmelzende Eiswürfel ein Highlight sein können. Die in der Hitze dahinschwindene Installation No more time?! – Eiskalt-brandheiß″ auf dem Markt war ein Anziehungspunkt, um den sich die Kulturnachtsbesucher scharrten und die eine Art Selfie-Tourismus auslöste. Viele wollten ein Foto mit den bunt beleuchteten Eisblöcken im Hintergrund haben. Da ging die Klimabotschaft der eiskalten Installation ein wenig unter. Oder deutet sich da schon an, dass die letzten Eisberge eines Tages zum begehrten Selfiemotiv werden können?
Wie auch immer. Eine andere Frage beschäftigte in der Kulturnacht mehr: Schmelzen sie oder schmelzen sie nicht? Denn dass die eisige Installation mehrerer Osnabrücker Künstler unter der Leitung von York Wegener an einem so heißen Tag bestehen müsste, damit hatten die Veranstalter nicht gerechnet. Aber irgendwie passt das auch zu der Botschaft dieses Kunstwerks, dass der Mensch die Natur am Ende eben nicht beherrscht.
Welche Auswirkungen es hat, dass Menschen sich für die Herrscher der Natur halten, zeigte das Klimahaus des Osnabrücker Künstlers Werner Kavermann. Seine Installation High Time″ öffnete einen Blick in ein aus Spanplatten bestehendes Haus, in dem unter anderem ein mit Fabrikschloten gekrönter Erdball zu sehen war. Ein Symbol dafür, dass die Erde verheizt wird. Im oberen Stock sang der koreanische Sänger Kyodong ein klassisches Lied, in dem es um Natur, aber auch um Heimat und Entfremdung geht.
Zeit″ war das Thema der diesjährigen Kulturnacht. Die Highlights auf dem Markt griffen es mit dem Hinweis auf die knapper werdende Zeit zur Rettung der Natur auf. Andere der rund 120 Programmpunkte bezogen sich mal mehr, mal weniger oder auch gar nicht auf das Thema. Sicher ist, es gab wieder viel mehr zu erleben, als ein einzelner Besucher in einer Nacht bewältigen kann. Seit ihrer ersten Ausgabe 2001 ist die Kulturnacht deutlich gewachsen. Damals kamen rund 15 000 Besucher in die Innenstadt. Inzwischen rechnet die Stadt mit jährlich 30 000 Besuchern. Am Samstag waren es aber noch mehr, die Veranstalter gehen von 35 000 Besuchern aus.
Vor der Kunsthalle etwa bildete sich eine lange Schlange. Viele nutzen die Chance, einmal kostenlos die Rieseninstallation Forma Forma″ von David Rauer und Joshua Sassmannshausen zu begehen. Auch das Theater am Domhof wurde mit Kostümverkäufen und - versteigerungen zum Anziehungspunkt. Begehrt waren auch die Führungen durchs Haus, bei denen unter anderem ein Ausschnitt aus Der dicke Sternschnuppe″ zu sehen war. Mit dem Stück, das demnächst uraufgeführt wird, stellen sich auch die neuen Schauspieler des Kinder- und Jugendtheaters Oskar vor.
Alle Altersklassen
Museen, Theater, Galerien, Kultureinrichtungen wie das Haus der Jugend und die Lagerhalle und viele mehr öffneten ihre Türen für Besucher. Freier Eintritt ist dabei in der Kulturnacht eine Selbstverständlichkeit. Aber auch in den Straßen wurde viel Kultur geboten. Fokus etwa hatte Musiker aller Stile und Genres auf die Straßen geholt. Ein Hingucker waren auch die gestrickten Frisuren der Maschengilde unter dem Motto Bad Hair Days″. Bad″, also schlecht, waren sie keineswegs. Da lief etwa Ingrid Görtz von der Maschengilde mit aufwendiger Geisha-Frisur durch die Altstadt. Neben ihr flanierte Mannequin″ Josef Overmann mit Dreadlocks aus bunter Wolle.
Die Kulturnacht ist zu einer Attraktion für alle Altersklassen geworden. So zog die Musik-Lounge vor dem Theater am Domhof viele junge Besucher an, während auf den Bänken drumherum eher Menschen im Alter ihrer Eltern saßen. Ganze Familien zogen durch die Straßen, und bei der Party in der Lagerhalle nach dem Ende der Kulturnacht war auch manch ein Rentnerpaar unter den Feiernden zu entdecken.
So bekommt die Kulturnacht schon Volksfestcharakter, was durch die vielen Stände mit Essen und Trinken in der Krahnstraße noch verstärkt wird. Da geht der Kulturgedanke fast unter. Aber wer weiß, vielleicht findet die eine oder andere Kultureinrichtung neue Gäste.
Klimahaus bleibt noch
Bei so vielen Angeboten war es unmöglich, die Übersicht zu behalten. Überblick gab da eher der traditionelle Flyer als die App mit dem Programm der Kulturnacht. Denn wer sie nutzt, muss mühevoll zwischen Titeln, Zeiten, Orten und Inhaltsangabe hin- und herklicken und bekommt für viele Programmpunkte nicht mal eine Information, worum es eigentlich geht. Oder sogar eine falsche Adresse. Der Kunstraum Hase29″ etwa wird mal eben in die Hafen- statt in die Hasestraße verlegt. Das ist vor allem für Besucher von außerhalb wenig hilfreich. Denn die reisen inzwischen aus dem ganzen Bundesgebiet an. Wie soll ein Besucher aus Stuttgart etwa so seinen Weg finden?
Nachhaltiger ist da Werner Kavermanns Klimahaus, das vier Wochen auf dem Markt stehen bleibt. In dieser Zeit wird der Künstler jeden Abend um acht eine Tonaufnahme des Auftritts von Kyodong abspielen. So schmilzt der Appell, die Natur zu retten, nicht so schnell wie die Eiswürfel. Die dienten am Ende immerhin noch als Projektionsfläche für ein Video mit dem Pianisten Ludovico Einaudi, der in der Arktis ein Klagelied auf die schmelzenden Eisschollen spielt.

Bildtext:

Ein Highlight der Kulturnacht war die Eis-Installation No more time?!″ auf dem Markt. Die schmolz allerdings bei den warmen Temperaturen schneller als geplant. Fotos: Swaantje Hehmann

Ausstellung im Kunstraum Hase29″.

Die Osnabrücker Maschengilde setzte mit den selbst gestrickten Frisuren Akzente.
Autor:
Anne Reinert


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