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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Nachkomme geflüchteter Juden besucht die Stadt
Zwischenüberschrift:
Emotionaler Austausch und spontaner Empfang im Rathaus – Gast aus Israel: „Das erzähle ich meiner Familie″
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Der Ur-Enkel eines vor den Nazis geflohenen jüdischen Osnabrückers hat die Stadt Osnabrück besucht. Für den in Israel lebenden Ronny Reinberg war es eine emotionale Begegnung mit der eigenen Familien-Vergangenheit.
Der 38-Jährige ist der Ur-Enkel von Carl Meyer, einem Osnabrücker Juden, der 1936 vor dem Nazi-Terror nach Argentinien geflüchtet ist. Den Spuren der emigrierten Familie Meyer ist der Bramscher Dieter Przyogde mit akribischen Recherchen nachgegangen, die in seinem kürzlich erschienenen Buch Von Bramsche nach Buenos Aires″ mündeten.
Der Buchautor, der bei der Stadt Osnabrück beschäftigt ist, hält auch nach den Recherchen für sein Buch weiter Kontakt zu den Nachfahren der Geflüchteten. Da sind richtige Freundschaften entstanden″, sagt er. Als er gehört habe, dass Ronny Reinberg geschäftlich in Deutschland zu tun habe, hätten sie sich kurzerhand für ein Treffen in Osnabrück verabredet.
Gemeinsam mit Przygode machte sich Reinberg in Stadt und Landkreis Osnabrück auf, um Stationen seiner Vorfahren zu besuchen.
Zunächst hatte Familie Meyer in der Artilleriestraße 15 gewohnt, einem Gebäude, das damals der Stadt Osnabrück gehörte.
1933 aus Haus vertrieben
1933 wurde die Familie aus diesem Haus herausgedrängt. Bis 1936 wohnten sie dann in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rathaus: in einer kleinen Wohnung im Obergeschoss des Hauses Krahnstraße/ Ecke Heger Straße, in dem sich damals das jüdische Kaufhaus von Samson David befand. Heute beherbergt das Haus das Gourmet-Restaurant La Vie. Gemeinsam mit Przygode besichtigte Reinberg auch das Memorial am Standort der ehemaligen Synagoge in der Alte-Synagogen-Straße.
Zu den Höhepunkten des Osnabrück-Besuchs zählte der spontan organisierte Empfang durch Oberbürgermeister Wolfgang Griesert im Rathaus der Friedensstadt. Es erfüllt mich mit großer Freude, dass wir den Nachkommen jüdischer Osnabrücker, deren Familien vielfach unter dem Nationalsozialismus zu leiden hatten, heute das neue, weltoffene Osnabrück zeigen dürfen″, sagte Griesert bei einem Empfang im Rathaus.
Es war nicht der erste Empfang von Nachkommen der Familie Meyer im Osnabrücker Rathaus. Reinberg hatte Fotos von einem Empfang Anfang der 1990er-Jahre mitgebracht, die seinen Vater Paul Reinberg und seine Großmutter Helga Reinberg (geborene Meyer) zeigen.
Damals waren die ehemaligen Osnabrücker von der Stadt eingeladen und von der damaligen Oberbürgermeisterin Ursula Flick empfangen worden.
Begleitet von Dieter Przygode, besuchte Ronny Reinberg außerdem die Gemeinde Badbergen im Osnabrücker Nordkreis. Aus diesem Ort stammte sein Urgroßvater. Eine der zehn kleinen Gedenktafeln (sogenannte Stolpersteine) erinnert vor dem Badberger Heimathaus an Reinbergs Urgroßvater.
Dort den Namen Carl Meyer eingraviert zu sehen habe Reinberg sehr berührt, berichtet Przygode. Während sonst die Unterhaltung nie abriss, wurde er hier auf einmal sehr still und wirkte in sich gekehrt, so als versuchte er, sich seinen Urahn, den er nie persönlich kennengelernt hatte, gerade an diesem Ort in Gedanken vorzustellen″, erzählt Przygode.
Stolperstein fotografiert
Reinberg habe den Stolperstein fotografiert und angekündigt, es in Israel seiner Familie zu zeigen. Sein Vater, der Badbergen auch schon besucht habe, werde begeistert sein. Er sei sicher, dass seine Brüder und Cousins ebenfalls Osnabrück und Badbergen besuchen wollten.
Ein Besuch des jüdischen Friedhofs in Badbergen, wo die Mutter von Carl Meyer begraben ist, rundete Reinbergs Reise in die Vergangenheit seiner Familie ab.
Ein verwitterter Stein kündet dort von den Lebensdaten Sophie Meyers, geboren 1865, gestorben 1935 in Badbergen, der Ur-Ur-Großmutter des 38-Jährigen, der tief beeindruckt vom Besuch in Stadt und Landkreis Osnabrück war: von der Gastfreundschaft sowie von dem Respekt, den die Menschen hier seinen vor dem Nazi-Terror geflohenen Familienmitgliedern erweisen.
Amazing! Beeindruckend, unglaublich! Nicht weniger beeindruckt fällt Dieter Przygodes Fazit nach dem Besuch aus: Zu erleben, wie emotional selbst junge Menschen wie Ronny Reinberg reagieren, wenn sie bei solchen Begegnungen etwas Licht in das Dunkel ihrer Familiengeschichte bekommen, erfüllt mich nicht nur mit Genugtuung, sondern es bestärkt mich auch in der Auffassung, dass unter dieses dunkle Kapitel unserer lokalen Geschichte noch lange kein Schlussstrich gezogen werden darf.″

Bildtext:

Herzlich empfangen wurde Ronny Reinberg, Gast aus Israel und Nachkomme geflüchteter Juden aus Osnabrück, von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (von links). Darüber freute sich ganz besonders Dieter Przygode, der den Besuch initiiert und begleitet hat. Foto: Przygode
Autor:
juk


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