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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Traditionsstandort für soziale Dienste
Zwischenüberschrift:
Vor 60 Jahren entstand südöstlich von St. Katharinen das Pflegeheim „Haus Ledenhof″
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Der Bereich südöstlich von St. Katharinen hat als Ort der tätigen Nächstenfürsorge eine lange Tradition. Diese wird seit 1956 vom evangelischen Senioren- und Pflegeheim Haus Ledenhof″ aufrechterhalten, das am Freitag sein 60-jähriges Bestehen begeht mit Festakt und Sommerfest.
Osnabrück. Im ausgehenden Mittelalter hatten die Franziskanerinnen und zeitweise die Beginen hier ihre Konvente. Seit dem 15. Jahrhundert gehört das Gelände nördlich des Ledenhofs den Evangelischen Stiftungen. In den Armenhäusern″ wurden alleinstehende alte Frauen betreut. Später bezogen die Diakonissen von St. Katharinen Quartier. Auch eine Kleinkinder-Bewahranstalt war hier untergebracht. Beim Bombenangriff vom 12. Oktober 1944 wurde die Häuserzeile ausgelöscht.
1947 fasste der Stiftungsvorstand den Beschluss, die historische Zweckbestimmung wieder aufzunehmen und ein Altenheim zu errichten. Das Projekt verzögerte sich durch die Währungsreform, es fehlte an neuem Geld. Erst mit dem Verkauf eines Schulgebäudes am Schölerberg 1954 wurde der finanzielle Grundstock gelegt, sodass 1955 mit dem Bau begonnen werden konnte.
Bei der Einweihung 1956 standen 90 Betten überwiegend in Zwei- und Dreibettzimmern zur Verfügung. In der Stadt herrschte ein eklatanter Mangel an Heimplätzen für Senioren, der schnell gemildert werden musste.
Im Altersheim der Evangelischen Stiftungen″, wie man es zunächst nannte, konnten nur Altersschwache, nicht aber Pflegebedürftige aufgenommen werden. Eine weitere Bedingung war das Bekenntnis zum evangelisch-lutherischen Glauben. 30 Betten waren für Sozialrentner reserviert, die den Heimaufenthalt nicht selbst bezahlen konnten. Bevorzugt aufgenommen wurden außerdem Kriegsevakuierte und Ost-Vertriebene, die ihre Nachkommen im Krieg verloren hatten. Die Ausstattung des Hauses galt damals als modern, erscheint aus heutiger Sicht allerdings eher dürftig: Gemeinschaftstoiletten befanden sich auf dem Flur, Badeeinrichtungen im Keller. Das Eintrittsalter lag bei durchschnittlich 65 Jahren.
Der Stadtverband der Inneren Mission, der später im Diakonischen Werk aufging, bekam von den Evangelischen Stiftungen die Bewirtschaftung des Hauses übertragen. Heimleiter Diakon Reinberger stattete vor der Eröffnung im Juli 1956 allen Bewerbern um einen Heimplatz einen Hausbesuch ab. Dadurch wollte er sicherstellen, dass sich keine Pflegefälle ins Heim mogelten, denn dafür war es nicht ausgestattet.
Das Haus war stark nachgefragt und sehr beliebt. Dies nicht zuletzt wegen seiner zentralen Lage, die den Alten eine Teilnahme am städtischen Leben ermöglichte, auch wenn sie nicht mehr gut zu Fuß waren. Der Wochenmarkt spielte sich direkt vor der Tür ab, Katharinenkirche, Schloss und Schlossgarten lagen in unmittelbarer Nähe.
Die Warteliste wurde lang und länger. So beschloss man schon 1967 einen Erweiterungsbau, der Platz für 25 weitere Betten bot. Der Anbau folgte dem Knick der Straße Am Ledenhof und verlängerte das Gebäude in Richtung St. Katharinen. Erstmals erhielt das Haus auch eine Pflegestation.
Weitere Umbauten und Modernisierungen folgten 1979 und 1991/ 1994, wobei Letztere mit einem Volumen von elf Millionen DM die einschneidenderen waren. Fortan gab es nur noch Einzelzimmer. Alle wurden so eingerichtet, dass die Bewohner auch im Pflegefall darin wohnen bleiben können.
Bei der Neueinweihung sprach Superintendent Joachim Maßner von der Pflege bis zur letzten Minute im eigenen Zimmer″. Damit wurde dem demografischen Wandel Rechnung getragen das Durchschnittsalter der Bewohner war mittlerweile auf 85 Jahre angestiegen. Das neue Konzept sah eine Gliederung in neun Wohngruppen mit je acht bis zwölf Bewohnern und eigenen familienartigen Speise- und Aufenthaltsräumen vor. Der eine zentrale Speiseraum gehörte der Vergangenheit an. Für die Zeit des Umbaus wurde jeweils ein Teil der Bewohner in die ehemalige Frauenklinik an der Caprivistraße verlegt. Die war gerade durch den Umzug der Entbindungsstation ins Klinikum am Finkenhügel frei geworden.
In den Folgejahren kamen Tagespflegeplätze für demenziell Erkrankte hinzu. Das Heim stellte sich immer mehr auf die Bedürfnisse dieser Zielgruppe ein. 22 Jahre sind seit der letzten Modernisierung vergangen ein Zeitraum, in dem Pflegekonzepte und - technik große Sprünge gemacht haben. Die Evangelischen Stiftungen denken über eine Grundsanierung nach, wie Geschäftsführer Johannes Andrews im März bekannt gab. Die Überlegungen reichen demnach von Sanierung bis Komplettabriss und Neubau. Wegen der unmittelbaren Nachbarschaft zur städtischen Freifläche Ledenhof möchten die Stiftungen aber gern wissen, was die Stadt mit ihrem Sanierungsfall Ledenhof vorhat, bevor sie in konkrete eigene Planungen einsteigen. Nur hat man im Rathaus derzeit andere Sorgen. Deshalb wird wohl noch eine Weile ins Land gehen, bevor sich über dem Haus am Ledenhof wieder Baukräne drehen.

Bildtext:

Aus der Luft wird die raumplanerische Verflechtung des Alten- und Pflegeheims (Gebäuderiegel am rechten Bildrand) mit dem Ledenhof-Platz und dem historischen Ledenhof-Bauwerk deutlich. Foto: David Ebener

Etwas krampfhaft modernisiert wirkt der Vorbau aus der Umgestaltung 1979. Im Hintergrund: der Giebel der Provinzial-Taubstummenanstalt (heute Unibibliothek). Foto: J. Dierks

Die Armenhäuser″ (später Diakonissen-Wohnungen und Kleinkinder-Bewahranstalt) standen bis zur Kriegszerstörung an der Stelle des heutigen Altenheims. Das Foto aus dem Archiv Peter Berning entstand vermutlich vor dem Ersten Weltkrieg.

Im Juli 1956 präsentierte sich der Neubau mit einer schlichten fassade (Architekt Werner Künsemüller).
Foto: Löckmann
Autor:
Joachim Dierks


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