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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wühlen im Abfall der Vorfahren
Zwischenüberschrift:
Archäologen erforschen Boden der Center-Baustelle am Neumarkt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Der Bau des Einkaufszentrums bietet den Archäologen die vermutlich letzte Chance, der Siedlungsgeschichte der Osnabrücker Neustadt auf den Grund zu gehen.
Osnabrück. Seit Anfang Juli wühlen sich die Archäologen durch den Untergrund des früheren Parkplatzes an der Großen Rosenstraße. Bevor hier in einigen Monaten schweres Gerät anrückt, um die Tiefgarage des Einkaufszentrums auszuheben, drehen die Forscher mit Schäufelchen, Pinsel und Zollstock jedes Steinchen um. Wir stehen hier in einem Niemandsland auf der Karte der Stadtentwicklung″, sagte Stadtarchäologe Bodo Zehm am Donnerstag, als sich Oberbürgermeister Wolfgang Griesert auf dem Forschungsfeld umsah. Zehm und sein Team erhoffen sich von den Ausgrabungen Erkenntnisse über die soziotopografischen Verhältnisse″ in der Neustadt. Einfacher gesagt: Wer lebte eigentlich im 13. bis 15. Jahrhundert in diesem Teil der Stadt? War das ein Viertel für arme oder wohlhabende Menschen, und wie lebten sie hier? Ein erster Sondierungsschnitt vor einem Jahr hatte die Hoffnung genährt, an dieser Stelle relativ gut erhaltene Überreste freilegen zu können.
Die Hoffnung hat sich bislang erfüllt, obwohl die Bautätigkeit der vergangenen Jahrzehnte einige Störungen″, wie die Forscher sagen, im Untergrund hinterlassen hat. Rohre und Kabel, Keller und Fundamente zerstörten viele Überreste aus der Frühzeit der Neustadt-Besiedlung. Bodo Zehm sagt, angesichts der dichten Bebauung ringsum sei dies vielleicht die letzte Chance, etwas über das Zusammenwachsen der Altstadt und der Neustadt zu erfahren.
Im 12. Jahrhundert bestand Osnabrück aus der heutigen Innenstadt zwischen Neumarkt, Hasetor und Heger Tor. Ein paar Hundert Meter vor dem Johannistor (heute Neumarkt) erhob sich ein sandiger Rücken aus den sumpfigen Hase-Niederungen mit dem Stift St. Johann mit einigen Häusern drum herum. Bis heute ist unklar, wie das Gebiet zwischen St. Johann und dem heutigen Neumarkt/ Neuen Graben besiedelt wurde. Die Struktur der geraden Straßenlinien lässt immerhin erkennen, dass der Stadtteil planmäßig angelegt worden sein muss.
Öffentliche Führungen
Schon etwa dreißig Zentimeter unter der Asphaltdecke stießen die Archäologen auf Spuren aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Sie legten die aus Westerberger Stein aufgeschichteten Mauern von drei Häusern an der Großen Rosenstraße frei. Besonders interessant in dieser Schicht: die Abfallgrube einer Schlachterei. Hier kippten die Leute im späten Mittelalter allerlei Schachtabfälle und sonstigen Unrat hi nein. Die biologischen Überreste zeichnen sich schwarz im sandig-gelben Untergrund ab. In Eimern sammeln die Archäologen, was sie aus dem Abfall der Vorfahren heraussieben: Scherben und rostige Metallteile. Sie werden später genauer untersucht. Die Lage der Mauern, Steine und Fundstücke wird nicht nur fotografisch festgehalten. Archäologen arbeiten auch im Zeitalter der Digitalisierung weiter mit Bleistift und Millimeterpapier. Friederike Mels, Archäologin von der Uni Münster, misst die Fundstelle mit dem Zollstock aus und überträgt das steinerne Ensemble millimetergenau aufs Papier. Ein Foto speichert auch Unwichtiges″, erklärt Grabungsleiter Dr. Daniel Lau. Das Zeichnen sei schon der erste Schritt der wissenschaftlichen Bewertung und Gewichtung.
Das Grabungsfeld von der Größe zweier Tennisplätze umfasst den früheren Parkplatz vor dem alten Wöhrl-Parkhaus. Bis Ende Oktober haben die Archäologen Zeit, die historischen Bodenschätze zu sichern. Die Kosten trägt der Centerinvestor Unibail Rodamco. Am Donnerstag erkundigte sich Oberbürgermeister Wolfgang Griesert vor Ort nach dem Stand der Grabungen. Auch jeder interessierte Bürger soll diese Möglichkeit bekommen: Bodo Zehm kündigte an, dass er in den kommenden Wochen öffentliche Führungen anbieten will.

Bildtext:

Einen tieferen Einblick in das Leben in der Neustadt am Ende des Mittelalters erhoffen sich die Archäologen von den Grabungen an der Großen Rosenstraße vor dem alten Wöhrl-Parkhaus. Hier soll das Einkaufszentrum enstehen.

Foto: David Ebener

Der 500 Jahre alte Abfall liefert den Archäologen wertvolle Anhaltspunkte. Die alte Grube zeichnet sich dunkel gegen den hellen Sand ab.

Foto: David Ebener

Friederike Mels, Archäologin von der Uni Münster, erfasst die Fundstelle mit Zollstock, Bleistift und Millimeterpapier.

Foto: David Ebener
Autor:
W. Hinrichs


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