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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Ein Ort zum Ausspannen
Zwischenüberschrift:
Hotel Westerkamp im Wandel: Von der Fuhrhalterei zum modernen 96-Betten-Haus
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Fahrzeuge mit ein oder zwei Pferdestärken hatten früher Mühe, den Schinkelberg als steilsten Anstieg auf Osnabrücks Ausfallstraßen zu bezwingen. Da war es eine kluge Standortentscheidung des Fuhrmannes Bernhard Westerkamp, einen Ausspann″ am Fuße der Steigung einzurichten.
Osnabrück. Hieraus entwickelte sich das heute in sechster Generation betriebene Hotel Westerkamp an der Bremer Straße 120/ 122. Beladene Fuhrwerke, die zurück ins Wittlagische″ mussten, nahmen gern die Dienste einer Pferdewechselstation in Anspruch, wo ihre Zugtiere noch einmal Kraft tanken konnten. Westerkamp unterhielt auch Leihpferde, die für die Steigungsstrecke als Vorspann″ mit ins Geschirr genommen wurden.
Die häufige Kombination von Fuhrbetrieb und Gastwirtschaft in alten Zeiten lag auf der Hand: Der Ausspann″ wurde zum Gasthaus an einer Handelsstraße, das die Möglichkeit bot, die Pferde aus den Kutschen auszuspannen und im Stall übernachten zu lassen, während der Reisende in der Gaststube versorgt wurde und eben auch eine Schlafkammer zum Ausspannen″ fand. Im heutigen Sprachgebrauch ist das Verb ausspannen im Sinne von sich erholen oder entspannen noch gebräuchlich, obwohl sein wörtlicher Sinn verloren gegangen ist.
Das heutige Hotel Westerkamp zeigt sich dieser Tradition verbunden, indem es seine Bierstube im steinsichtigen Gewölbekeller ton outspan′n″ nennt. Das hauseigene Restaurant Heinrich′s″ knüpft ebenfalls an die Vergangenheit an, nämlich an Hotelier Heinrich Westerkamp, der den Betrieb in dritter Generation durch beide Weltkriege führte und den Wiederaufbau nach der Totalzerstörung 1944 in die Wege leitete. Er bestimmte in den 1930er-Jahren auch die Neuausrichtung des Betriebs auf ausschließlich Gastronomie und Hotellerie.
Zuvor war Westerkamp ein Gemischtwarenladen″ in jeder Hinsicht. Neben Fuhrhalterei, Pferdeversorgung und Schankgaststätte betrieb Bernhard Westerkamp (2. Generation) auch Bäckerei, Brauerei und Kolonialwarenhandel und gründete 1887 den Osnabrücker Wirteverein. Die Wahrung berufsständischer Interessen ist der Familie bis heute ein Anliegen geblieben. Dieter Westerkamp (5. Generation) ist Geschäftsführer des Bezirksverbands Osnabrück im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), der seine Geschäftsstelle in der Weberstraße in Nachbarschaft des Hotels Westerkamp hat. Dessen Mutter Irmgard ist nach wie vor in der Geschäftsstelle tätig und ist so etwas wie das wandelnde Gedächtnis der Osnabrücker Gastronomie.
Heinz Westerkamp (4. Generation) kehrt erst 1950 aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. Mit seiner Frau Irmgard führt er den Betrieb zu neuer Blüte. Ein Frühstücks- und Tagungsraum sowie neue Hotelzimmer vergrößern 1960 das Angebot. 1978 übernimmt mit Heinz-Bernhard Westerkamp die fünfte Generation das Ruder. Er lässt 1983 eine vollautomatische Kegelbahn einbauen, gestaltet das Gartenlokal neu und investiert 1988 in eine komplette Neumöblierung des Hotels. Die Zukunft schien gesichert.
Doch dann kam es im November 1990 zu einem Großbrand. Wahrscheinlich war es fahrlässiger Umgang mit Feuer durch eine Gästegruppe im ersten Obergeschoss, der das Hotel ausbrennen ließ. Mehrere Gäste konnten über die Drehleiter der Feuerwehr gerettet werden. Der Sachschaden war erheblich, das Wort von der Unterversicherung machte die Runde. Doch Familie Westerkamp gab nicht auf. Nach gut einem Jahr war das Haus schöner und größer wiederhergestellt.
Der nächste Schicksalsschlag ließ nicht lange auf sich warten. Am 16. Januar 1997 stand der Dachstuhl in hellen Flammen. Das Feuer war in der Sauna des Wellnessbereichs in der dritten Etage ausgebrochen. Zum Glück gab es wiederum keine Personenschäden.
Der Sachschaden wurde mit 3, 5 Millionen DM beziffert. Abermals war Heinz-Bernhard Westerkamp entschlossen, das Beste aus der Situation zu machen und umzugestalten und zu vergrößern. Im November 1997 feierte er mit seinem 40-köpfigen Team und zahlreichen Stammgästen die Neueröffnung.
Vielleicht waren es finanzielle Überanstrengungen nach den beiden Schadensfällen, auslösend aber wohl Streit mit dem Finanzamt über Steuernachzahlungen, die im November 2006 in die Insolvenz führten. Wie in der Neuen OZ zu lesen stand, waren sowohl der Hotelbetrieb als auch die Privatperson Heinz-Bernhard Westerkamp vom Insolvenzverfahren betroffen.
Da das Hotel gut ausgelastet war, ermöglichte der Insolvenzverwalter in Zusammenarbeit mit der Familie die Fortführung, die schließlich im Mai 2007 in eine dauerhafte Neuordnung mündete. Seitdem ist David Westerkamp (6. Generation) Inhaber und Geschäftsführer. Ihm ist es gelungen, das Hotel in ruhigeres Fahrwasser zu lenken und erfolgreich weiterzuentwickeln.

Bildtext:

Das waren die Anfänge eines Vier-Sterne-Hotels. Bernhard Westerkamp betrieb neben der Schänkwirtschaft″ auch eine Bäckerei und einen Kolonialwarenhandel an der Bremer Straße 120. Foto: Archiv Hans-Joachim Grabowski

Eine stattliche Erscheinung ist heute das Hotel Westerkamp mit 96 Betten, zwei Restaurants, einer Bierstube, sechs Tagungsräumen, Kegelbahn und Wellnessbereich. Foto: Ebener

Die Schankwirtschaft Zum Schinkelberg″ vermutlich in den 1920er-Jahren. In der Garage links stand der Bäckerwagen. Ansichtskarte aus dem Archiv des Hotels Westerkamp
Autor:
Joachim Dierks


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