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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Gestatten, mein Name ist …″
Zwischenüberschrift:
Evangelisch und doch nach einer Heiligen benannt
Zur Namensgebung der Osnabrücker Marienkirche
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Stolz und erhaben steht die Marienkirche bis heute neben dem Rathaus und der Stadtwaage. Vor etwa 1000 Jahren entstand sie als Kirche der Bürger Osnabrücks im Zentrum der Altstadt. Als Gegenüber zum Dom wollten die Osnabrücker damals eine eigene Kirche, einen eigenen Pfarrer unabhängig von Dom und Bischof. Der älteste Vorgängerbau aus dem 10. Jahrhundert wurde über die Zeiten vergrößert und erweitert und prägt als eine der vier großen mittelalterlichen Kirchen bis heute unverwechselbar das Stadtbild.
Ihr Selbstbewusstsein behielten die Bürger und ihre Kirche, als sie im Jahre 1543 entschieden, in Osnabrück die Reformation einzuführen. Die Marienkirche wurde gemeinsam mit der Katharinenkirche evangelisch, der Dom und St. Johann blieben katholisch. Zwei Konfessionen nebeneinander, das war zu damaliger Zeit eine große Besonderheit.
Noch eine Besonderheit ist es gerade für mich als evangelisch-reformierte Christin dass die Kirche ihren Namen behielt. Denn die Evangelischen lehnten schon damals jegliche Form von Heiligenverehrung ab. Und dann ausgerechnet Maria? Heiliger geht es wohl kaum, als eine Kirche nach der Mutter Jesu zu benennen. Im Laufe der Zeit ist sie wohl zur bekanntesten Frau der Bibel und der Geschichte der Kirche geworden. Bis heute wird sie in orthodoxen, aber vor allem auch katholischen Kirchen verehrt. Sie gilt als rein, als sündenfrei, als heilige Mutter Gottes. Sie wird auf Ikonen mit dem Jesuskind im Arm abgebildet, steht auf Kreuzigungsdarstellungen treu unter dem Kreuz ihres Sohnes, und an der Marienkirche selbst ist am Brauteingang ihre Krönung als Himmelskönigin zu sehen. Die Feiertage der Empfängnis Jesu und ihrer Himmelfahrt werden in katholischen Regionen mit treuer Selbstverständlichkeit und romantischer Frömmigkeit begangen, ihr zu Ehren werden Altäre gebaut, Wallfahrten ausgerichtet und Gebete gesprochen. Als Fürbitterin an der Seite ihres Sohnes im Himmel wird sie angefleht.
Doch als aufgeklärte evangelische Frau suche ich auch nach anderen Seiten der Maria. Mich fasziniert die junge Frau aus einfachen Verhältnissen, die kaum älter als unsere Konfirmandinnen ihr erstes Kind zur Welt bringt. Es beeindruckt mich, dass sie kaum gebildet und doch auserwählt ist, die Welt zu verändern. Gott begegnet ihr in der Gestalt eines Engels, um sich doch erst ihre Zustimmung zu seinem Plan zu holen. Durch seinen Geist wird sie zur Prophetin, die eine soziale Revolution ankündigt.
Sag, Maria, was hast du erlebt? Sie hätte uns sicher viel zu erzählen.

Bildtext:

Als Kirche der Bürger, und nicht etwa des Bischofs, wurde die Marienkirche im Zentrum der Altstadt erbaut. Foto: Ebener

Katrin Koelmann ist Vikarin der evangelisch-reformierten Gemeinde Osnabrück.

Foto: Jens Frickenhelm

Sommerkirche

Um die Namen der alten Osnabrücker Innenstadtkirchen und der beiden evangelisch-reformierten Gotteshäuser im Stadtgebiet geht es in der diesjährigen Sommerkirche″-Reihe der evangelisch-reformierten Gemeinde Osnabrück. Unter dem Motto Gestatten, mein Name ist …″ predigen bis 31. Juli jeweils sonntags um 10 Uhr Osnabrücker Geistliche in der Bergkirche. In dieser Woche befasst sich Katrin Koelmann mit der Namensgebung Marienkirche.
Autor:
Katrin Koelmann


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