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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Angler: Wir sind keine Störenfriede
Zwischenüberschrift:
Neue Naturschutzrichtlinie könnte das Hobby an Flüssen und Bächen in Teilen der Region bald verbieten
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Die Angler in Stadt und Landkreis Osnabrück sind in Aufruhr. Sie befürchten, dass eine neue Naturschutzrichtlinie das Angeln an Flüssen und Bächen in Teilen der Region verbieten könnte.
Osnabrück. Auslöser ist ein Praxisleitfaden für das EU-weite Schutzgebietenetz Natura 2000. Er legt nahe, dass sich Angeln und Artenschutz nicht immer vertragen. Der Leitfaden empfiehlt den Behörden, in besonders naturnahen Bächen und Flüssen das Angeln zu untersagen. Auch für das Angeln während der Nacht und das Anfüttern von Fischen sind Einschränkungen und Verbote vorgesehen. Laut EU müssen bis spätestens 2018 detaillierte Schutzmaßnahmen erlassen werden. Infrage kommen auch Bäche im Artland, im Bereich Else/ Obere Hase und Teile der Düte mit Nebenbächen.
Der Vorsitzende Hans Macke und mit ihm die Niedersächsisch-Westfälische Anglervereinigung (NWA) Osnabrück ahnen Schlimmes. Wir halten ein Zusammenspiel von Schutzgebieten und Fischerei für ohne Weiteres möglich″, sagt der Bramscher. Flora und Fauna hätten sich mit der Angelei über Jahrzehnte hinweg gut entwickelt. Warum soll plötzlich die Hobbyangelei ein Störenfried sein?″, fragt Macke und bekommt von den Behörden bislang noch keine verbindliche Antwort.
Arbeitshilfe umstritten
Der Groll der Angler richtet sich gegen die 22-seitige Arbeitshilfe Natura 2000″. Das Papier wurde von Experten der Naturschutzverwaltungen in den Landkreisen sowie von Fachleuten des Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz erstellt. Diese Behörde ist dem Umweltministerium unterstellt. Herausgegeben hat die Arbeitshilfe der Niedersächsische Landkreistag (NLT) als kommunaler Spitzenverband. Die Musterverordnung ist zwar unverbindlich und hat nur einen empfehlenden Charakter. Die Arbeitshilfe hat es aber in sich: Neben vielen anderen Einschränkungen wie Bade-, Camping- oder Paddelverbot sieht die Musterverordnung auch ein grundsätzliches Angelverbot in ökologisch hochrangigen FFH-Gebieten (Flora, Fauna, Habitat) vor. Selbst das Betreten dieser Areale wäre dann verboten. Ausnahmen davon sollen nur für im Haupt- oder Nebenberuf betriebene Fischerei″ gelten. Für alle übrigen FFH- und Vogelschutzgebiete empfiehlt der Entwurf zudem ein generelles Nachtangel- sowie ein Anfütterungsverbot.
Derweil beschwichtigen die Planer allerdings, und auch das zuständige Umweltministerium betont, dass jeder konkrete Einzelfall geprüft werden müsse. Generell, so heißt es, sei das Engagement von Anglern und ihren Verbänden für den Naturschutz bekannt und werde als wertvoll angesehen. Doch der AVN fürchtet Verrat an den Ergebnissen seines jahrzehntelangen Einsatzes für die Umwelt, der Natura-2000-Pläne oft überhaupt erst ermögliche. Der Verband fühlt sich übergangen und in seiner Rolle missachtet. AVN-Präsident Werner Klasing spricht von einem Schlag ins Gesicht″ der organisierten Angler, die durch aktive Naturschutzarbeit vielerorts erst die Zustände geschaffen oder wiederhergestellt hätten, die heute eine Schutzgebietsausweisung rechtfertigten. Dem pflichtet auch Hans Macke bei. Gerade die Angelvereine waren und sind es, die seit Jahrzehnten Gewässerschutzmaßnahmen betreiben″, betont der Bramscher, ohne gesetzgeberischen Antrieb, sondern schlichtweg, um die Rahmenbedingungen für die Lebewesen am und im Wasser zu verbessern, und das mit erheblichen finanziellen Mitteln. Und dieses Engagement für die Natur werde den organisierten Angelvereinen jetzt möglicherweise zum Verhängnis beziehungsweise zum Bumerang.
Nicht für den Kochtopf
In der Düte habe der Anglerverein beispielsweise für den Besatz mit Bachforellen und Äschen gesorgt, aber auch mit Aalen sowie mit bedrohten Kleinfischarten, wie Mühlkoppe, Gründling, Bachschmerle und Elritze. Dieser Besatz diene lediglich dem Erhalt der Artenvielfalt der Fischfauna. Für die Hobbyangelei also für den Kochtopf sei dieses Engagement ohne Bedeutung, versichert Macke. Aber auch finanziell hat sich der Anglerverein engagiert: 2004 waren es 10 000 Euro Zuschuss für den Umbau der Staustufe in Georgsmarienhütte, vor sechs Jahren wurde der Umbau des Pfeiffenbrink′schen Sohlabsturzes zur Sohlgleite in Atterfelde mit ebenfalls 10 000 Euro unterstützt.
Wir wehren uns nicht gegen die Schutzgebietsausweisungen″, betont Macke, wir möchten gerne bei den Maßnahmen mit einbezogen werden; allein schon aus dem Grund des vertrauensvollen Miteinanders über die Jahre hinweg und als immer wieder gern gesehene Geldgeber oder durch Manpower″-Unterstützung bei vielfältigen Aktionen″. Ein Zusammenspiel von Schutzgebieten und Fischerei″ hält der Vorsitzende des NWA Osnabrück für ohne Weiteres möglich″.
Der Landkreis Osnabrück als zuständige Aufsichtsbehörde verhält sich unterdessen abwartend. Bei der unteren Naturschutzbehörde laufen gerade viele parallele Unterschutzstellungsverfahren zur Sicherung der FFH-Gebiete″, teilt Landkreissprecher Burkhard Riepenhoff mit. In einigen FFH-Gebieten seien Gewässer als Schutzgegenstände″ enthalten, womit auch Belange der Sportfischerei betroffen sein können oder sind″. Die Musterverordnung des Landes decke aber keinesfalls die vielfältigen Einzelfälle aller FFH-Gebiete ab. Lediglich für allgemeingültige Inhalte wie etwa die Gliederung einer Verordnung diene die Arbeitshilfe als eine durchaus hilfreiche Vorgabe″.
Kreis federführend
Zumindest zwischen dem Kreis und der Stadt Osnabrück, durch die sich die Düte ebenfalls schlängelt, drohen keine Meinungsverschiedenheiten. Zur Unterschutzstellung des Gewässers gibt es einen Erlass des Landes, in dem die Zuständigkeit für das Verfahren auf den Landkreis übertragen worden ist. Die Federführung übernimmt damit die Kreisverwaltung. Der Landkreis Osnabrück wird sich ganz individuell mit dem Gebiet Düte und Nebenbäche″ befassen, versichert Riepenhoff, und zwar in einem engen Dialog mit der Stadt Osnabrück″. Was und ob am Ende von den Mustern und Arbeitshilfen etwas übernommen werde, werde sich erst im Laufe des Verfahrens herausstellen.

Bildtext:

Das Angeln an Flüssen und Bächen könnte in Teilen der Region bald verboten werden.

Foto: Archiv/ Lewandowski
Autor:
Franz-Josef Raders


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