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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Sturmlauf der Bürgervereine gegen Hochhäuser
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Sturmlauf der Bürgervereine gegen geplante Hochhäuser am Westerberg - gegen ein Hochhaus als Studentenwohnheim und gegen Hochhausprojekt des Heimstättenvereins an der Rheiner Landstraße - Gegenvorschläge: Dreigeschossige Trakte - Vorwürfe gegen die Planung: Landschaftsbild wird verschandelt und das Vertrauen in die Raumordnung erschüttert - Ist die Innere Mission mit einem anderen Grundstück einverstanden? "... damit eine harmonische Bebauung erreicht wird"
Die Osnabrücker Bürgervereine wollen sie nicht haben - die geplanten Hochhäuser auf dem Westerberg. Die Osnabrücker Bürgervereine sind dagegen - entschieden sogar. Mit welchem Ernst sie sich in dieser Frage engagiert haben, mag allein daraus zu ersehen sein, daß sie die Osnabrücker Presse am Rosenmontag, abends um 20 Uhr, im Ratskeller über den Standpunkt der Osnabrücker Bürgervereine unterrichteten. Zu einem Zeitpunkt also, da es zweifellos annehmlichere Beschäftigungen als eine Diskussionüber Hochhäuser gab. Aber zur Sache: Die Osnabrücker Bürgervereine machen der Stadt Osnabrück zum Vorwurf, daß die geplanten Hochhäuser auf dem Westerberg das Landschaftsbild verschandeln und zerstören, da der Rat der Stadt mit der Planung der Hochhäuser seine ursprüngliche Konzeption für die Bebauung des Westerberg-Gebietes verläßt, daß mit dem Bau von Hochhäusern am Stadtrand die Grundstückspreise in diesem Raum in die Höhe getrieben werden und daß schließlich das Vertrauen in die Raumordnung zerstört wird.
Zum besseren Verständnis für den " Sturmlauf der Osnabrücker Bürgervereine gegen den Bau von Hochhäusern am Westerberg" zunächst eine kurze Skizzierung der Situation: Es geht um zwei Projekte, einmal um den Bebauungsplan Nr. 14, der die Errichtung von drei 15geschossigen Hochhäusern im Winkel zwischen dem Lotter Kirchweg und der Mozartstraße vorsieht, zum anderen um den Bebauungsplan Nr. 69, der den Bau eines sechs- bis achtgeschossigen Studentenwohnheimes neben den Steinbrüchen am Westerberg ausweist. Beide Bebauungspläne wurden, wie es das Bundesbaugesetz vorsieht, von der Stadt Osnabrück vier Wochen lang öffentlich ausgelegt. Innerhalb der vier Wochen betragenden Frist gingen zu beiden Bebauungsplänen etwa je 100 Einsprüche ein. In einer der nächsten (nichtöffentlichen) Sitzungen wird sich nun der Rat der Stadt mit den beiden Bebauungsplänen und den Einsprüchen zu befassen haben. Sollte der Rat die Bebauungspläne bejahen, liegt die letzte Entscheidung beim Regierungspräsidenten als Aufsichtsbehörde. Wesentlich ist in diesem Zusammenhang noch der Hinweis, daß - hinsichtlich des Studentenwohnheimes - die Stadt Grundstückseigentümer, Bauherr die Innere Mission ist und daß - hinsichtlich der drei Hochhäuser an der Rheiner Landstraße - die Grundstücke meist in privater Hand sind, während als Bauträger der Heimstättenverein auftritt. Wie es heißt, ist ein großer Teil des für den Bau der drei 50 m hohen 15geschossigen Häuser erforderlichen Areals zwischen Mozartstraße und Lotter Kirchweg bereits vom Heimstättenverein angekauft worden.
Auf der Pressekonferenz im Ratskeller erklärten nun die beiden Vorsitzenden des Bürgervereins von 1880, Architekt Seemann, und des Bürgervereins Nordwest, Dr. Brans, daß die Arbeitsgemeinschaft der Osnabrücker Bürgervereine alles tun wolle, um den Hochhausbau am Westerberg zu verhindern. Die Arbeitsgemeinschaft der Osnabrücker Bürgervereine, die 3000 Bürger der Stadt vertrete, habe den Bürgerverein von 1880 und den Bürgerverein Nordwest beauftragt, sowohl dem Rat und der Verwaltung der Stadt als auch der Öffentlichkeit die Argument gegen den Hochhausbau an den geplanten Punkten zu unterbreiten.
Allgemeine Seuche"
Dr. Brans kritisierte zunächst das sogenannte Hochhaus-Colloquium des BDA. Das Verhalten dieses Berufsvereins sei sonderbar und eigenartig und lasse die Frage aufwerfen, wer sich hier wessen bedient habe: Der BDA des Bauamtes der Stadt oder das Bauamt der Stadt des BDA? Es sei zumindest seltsam, daß ein Berufsverein in öffentlicher Diskussion dem Bauamt Schützenhilfe leiste, während die Forderung der Osnabrücker Bürgervereine, bei schwebenden Fragen von allgemeinem Interesse hinzugezogen zu werden, noch immer nicht erfüllt sei. Im Gegensatz zum BDA, der keine Einwände gegen die Hochhausplanung erhoben habe, vertrete Professor Wiepking den Standpunkt, daß der Bau von Hochhäusern auf dem Westerberg und am Stadtrand unsinnig sei. Dr. Brans sprach in diesem Zusammenhang von " Hochhäusern als einer allgemeinen Seuche in den Großstädten", der jetzt auch Osnabrück anheimgefallen sei.
Dr. Brans trat nachdrücklich dafür ein, im Rahmen des vieldiskutierten Landschaftsschutzes die Höhen der Osnabrücker Hügel und Berge als unantastbar anzuerkennen. Der Westerberg benötige keine architektonische Dominante in Form eines sechs- oder achtgeschossigen Studentenwohnheimes, die Dominante sei die Natur. Sie aber würde durch das Hochhaus zerrissen. Das Argument der " Abschirmung" der häßlichen Caprivikaserne durch das Hochhaus sei nicht zu akzeptieren, da dieser " Schirm" zu schmal und nichts wert sei. Als weiteren Einwand machte Dr. Brans die Ballung von vielen Menschen im schönsten Erholungsgebiet der Stadt geltend, womit auch eine Verkehrszunahme verbunden sei. Er bedauerte, daß sich der Wiehengebirgsverband noch nicht zu dieser Frage geäußert habe. " Gibt es dafür persönliche Gründe, weil der 1. Vorsitzende städtischer Beamter ist?" fragte Dr. Brans.
Vorschlag: Barbarastraße
Als zweiten wesentlichen Gesichtspunkt führte Dr. Brans gegen das Studentenwohnheim auf dem Westerberg an, daß der Rat mit der Planung dieses Hochhauses seine bisherige Konzeption für die Bebauung des Westerberges verlasse. Schon vor dem Kriege sei festgelget worden, daß die Kuppe des Westerberges von der Bebauung freigehalten werden müsse, und diese Konzeption sei auch nach dem Kriege durch den Bebauungsplan noch einmal bekräftigt worden. Wenn das Studentenwohnheim für die Ingenieurschule unbedingt in der Nähe der Schule gebaut werden müsse - Vorschlag von Dr. Baumeister (Zwischenruf): " Ein Weg von zehn Minuten vom Wohnheim bis zur Schule kann den Studenten nicht schaden. Ich bin dafür, daß das Wohnheim an einer anderen Stelle gebaut wird!" - so empfehle die Arbeitsgemeinschaft der Bürgervereine einen drei- bis viergeschossigen Trakt an der Barbarastraße. Hier werde eine echte Abschirmung der Artilleriekaserne erreicht und eine Störung der Umgebung vermieden. Die präzise Frage von Dr. Brans an die Innere Mission als Bauherrn: " Wird die Innere Mission auch mit einem anderen Grundstück einverstanden sein?"
Die gegen den Vorschlag " Studentenwohnheim an der Barbarastraße" erhobenen Bedenken, daß die Ingenieurschule hier Reserveland für eine mögliche Schulerweiterung benötige, akzeptierte Dr. Brans nicht. Im Anschluß an die für 600 Studenten gebaute Schule seien noch 2 bis 3 ha Erweiterungsgebiet vorhanden. Im übrigen wurde auch noch darauf hingewiesen, daß höchstwahrscheinlich eine Erweiterung der Ingenieurschule auch eine Erweiterung des Studentenwohnheimes zur Folge haben werde. " Auf jeden Fall", so meinte Dr. Brans, " werden sich die heimatbewußten Osnabrücker ihre Stadthügel und ihre Landschaften nicht durch supermoderne Architekten verderben lassen."
" Keine Ballungsräume"
Architekt Seemann, Vorsitzender des Bürgervereins von 1880, beschäftigte sich anschließend mit den geplanten Hochhäusern im Winkel zwischen der Mozartstraße und dem Lotter Kirchweg. Nach seinen Angaben sollen hier drei je 15geschossige Hochhäuser von je 50 m Höhe entstehen, daneben 95 Einstellplätze für PKW und ein Spielplatz von etwa 800 qm. In den 150 Wohnungen der drei Hochhäuser werden nach der Schätzung von Architekt Seemann etwa 450 Menschen wohnen auf einer Gesamtfläche von etwa 14 000 qm, die in fast unmittelbarer Nähe des zukünftigen Ringes mit einer Straßenbreite von 30 m liegt. Im Gegensatz zu dieser Planung, so betonte Architekt Seemann, weise der seit zehn Jahren bestehende Baunutzungsplan der Stadt Osnabrück das Baugebiet zwischen Lotter Kirchweg, Mozartstraße, Am Hirtenhaus und Wilhelmstraße bis Max-Reger-Straße jedoch als eingeschossiges reines Wohngebiet aus. Diese rechtsverbindliche Festsetzung für die städtebauliche Ordnung in diesem Gebiet habe die Grundstückseigentümer bisher zum Bau von Einfamilienhäuser verpflichtet, und entsprechend seien in diesem Raum bisher etwa 90 Einfamilienhäuser gebaut worden.
Neue Bauten, vor allem aber Hochhäuser, so forderte Architekt Seemann, müßten sich in das Orts- und Landschaftsbild einfügen. Mit dem Hinweis auf die Nähe des Heger Friedhofes, des Heger Holzes und des zukünftigen Rubbenbruch-Sees begründete er die Ablehnung der geplanten Hochhäuser an der vorgesehenen Stelle. " Wir sind", so erklärt er, " für eine Auflockerung und neuzeitliche Bebauung, wo eine ausreichende Grundstücksfläche zur Verfügung steht, die dem Grundstücksbedarf des gleichen Bauvolumens in der normalen Bauweise des betreffenden Baugebietes entspricht." Das aber ist, wie Architekt Seemann erklärte, hier nicht der Fall. Die Bitte des Bürgervereins von 1880 an Rat und Verwaltung der Stadt geht dahin, daß die baulichen Maßnahmen in diesem Gebiet einer gegliederten und aufgelockerten Struktur nach dem früheren Baunutzungsplan entsprechen, wobei anzustreben sein soll, daß in Verbindung mit dem privaten Eigentum keine Ballungsräume entstehen.
Vorschlag: Rheiner Landstraße
Weitere Einwände gegen die Errichtung der geplanten Hochhäuser im Winkel zwischen Mozartstraße und Lotter Kirchweg waren: Der Bau dieser Hochhäuser treibt den Grundstückspreis am Stadtrand in die Höhe (pro Quadratmeter sollen etwa 30 DM mehr bezahlt werden, als sonst üblich ist). Frage: Warum müssen die höchsten Häuser der Stadt Osnabrück ausgerechnet am Stadtrand und an dieser Stelle gebaut werden? Vorwurf an die Adresse des Bauamtes: Bei den Einfamilienhäusern in diesem Bereich werden die Baupläne nach Zentimetern zusammengestrichen, jetzt aber werden 50 m hohe Häuser gebaut. Zusammenfassende Bemerkung von Rechtsanwalt Dr. Schmitz: " Auf diese Weise wird das Vertrauen in die Raumordnung erschüttert."
Und letztlich der Gegenvorschlag der Osnabrücker Bürgervereine: Höherzonung der Rheiner Landstraße - im Abschnitt zwischen der Mozartstraße und dem Schweizerhaus - auf drei Geschosse, damit eine harmonisch und auch rentable Bebauung erreicht werden kann. Letzte Frage in diesem Zusammenhang: Warum wurden die Pläne des Architekten, der am Schweizerhaus Hochhäuser bauen wollte, abgelehnt, während an zwei anderen Punkten unbedingt Hochhäuser gebaut werden sollen ...


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