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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
„Auf Vordermann bringen″
 
Drei Häuser, sechs Probleme
Zwischenüberschrift:
Was soll der neue Leiter können? Kulturpolitiker formulieren große Erwartungen
 
Osnabrücker Museumszentrum: Agenda der dringenden Themen für einen Neustart
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück sucht die neue Leitung für das Felix-Nussbaum-Haus und das Kulturgeschichtliche Museum. Die Erwartungen der Kulturpolitik sind jedenfalls immens.

Osnabrück. Die neue Leitung soll die Museen zu einem Kunstquartier entwickeln″, formuliert Patricia Mersinger, Leiterin des Fachbereiches Kultur der Stadt Osnabrück, eine zentrale Anforderung an die Person, die das aus mehreren Häusern bestehende Museumsensemble möglichst ab September 2016 leiten soll.

Anfang Juli stellen sich jene von insgesamt 46 Kandidatinnen und Kandidaten in Einzelgesprächen vor, die in die engere Auswahl für die Stelle genommen worden sind. Die neue Leitung folgt auf Eva Berger, Leiterin des Kulturgeschichtlichen Museums, die im August 2016 in den Ruhestand geht, und auf Inge Jaehner, Direktorin des Felix-Nussbaum-Hauses, die nach ihrem Ausscheiden im März 2016 verstorben ist.

Wie Mersinger wünschen sich auch die Vertreter der im Kulturausschuss vertretenen Ratsfraktionen einen konzeptionellen Neustart für die Museen, zu denen als Standorte auch die Villa Schlikker und das Akzisehaus gehören. Die Museen sollten als dialogischer Ort verstanden werden″, fordert Ausschussvorsitzender Sebastian Bracke (Bündnis 90/ Die Grünen), während Dirk Koentopp (SPD) die bessere Verzahnung der Museen″ einfordert und Brigitte Neumann (CDU) erwartet, dass die neue Leitung nach Schwerpunkten neu entscheidet″. Maria-Theresia Sliwka (FDP) bemängelt die schwachen Besucherzahlen.

Mehr Betrieb auf der von Brigitte Neumann so genannten Museumsinsel″ das fordern alle Vertreter der Osnabrücker Kulturpolitik. Mit 30 093, davon 15 366 zahlenden Besuchern im Jahr 2015 erscheinen die Zahlen in der Tat ausbaufähig. Mersinger: Wir wünschen uns, dass die Besucherzahlen deutlich gesteigert werden.″ In Münster gibt es Schlangen vor den Museen, in Osnabrück passiert nichts″, kritisiert Maria-Theresia Sliwka und erwartet von der neuen Museumsleitung, etwas Großes anzufassen″. Etwas Neues erlebbar machen″ (Brigitte Neumann), „ eine Marke kreieren″ (Dirk Koentopp), „ die Museen wieder spannend machen″ (Sebastian Bracke) alle Kulturpolitiker fordern einen spürbaren Neustart auf dem Museumsterrain.

Ob die Voraussetzungen dafür bestens stehen, darf hingegen bezweifelt werden. Insbesondere Inge Jaehner war in die Kritik geraten, weil die von ihr initiierten Großausstellungen im Felix-Nussbaum-Haus hinter erwarteten Besucherzahlen zurückgeblieben waren. Zudem ist bei den Kürzungen, die der Rat im Dezember 2015 am Kulturbudget vorgenommen hat, die Stelle von Eva Berger gestrichen worden. Die neue Leitung der Häuser muss zum Dienstantritt eine Schwächung der Personalstärke hinnehmen und neuen Mut für jene größeren Ausstellungsprojekte aufbringen, die zuletzt nicht mehr unterstützt worden waren.

Wir wünschen uns eine neue Leitung, die uns wieder herausfordert″, sagt gleichwohl Sebastian Bracke. Die Kritik der Kulturpolitiker konzentriert sich dabei auf die stadtgeschichtliche Ausstellung. Die Stadtgeschichte muss auf Vordermann gebracht werden″, meint Sliwka trocken, während Bracke anregt, nicht einfach nur Objekte auszustellen, sondern Geschichten von Menschen zu erzählen und Stadtgeschichte so neu darzustellen. Brigitte Neumann verlangt, den Fundus der Museumssammlung neu ans Licht zu bringen″, während Dirk Koentopp erwartet, dass wechselnde Ausstellungsschwerpunkte Lust auf mehrmaligen Besuch machen.

Für die neue Leitung gibt es viel Entwicklungsraum″, resümiert jedenfalls Patricia Mersinger. Mit dem 20. Jahrestag der Eröffnung des Felix-Nussbaum-Hauses 2018 stellt sich eine große Aufgabe in naher Zukunft ohnehin schon von selbst. Nach den Angaben von Patricia Mersinger hat der Fachbereich Kultur für dieses Jahr das Thema Raum″ ausgegeben. Mersinger wünscht sich eine besondere Ausstellung″ zum Thema Architektur.
Bildtext:
Für diese drei Häuser des Osnabrücker Museumszentrums wird eine neue Leitung gesucht: das Felix-Nussbaum-Haus, (links), das Kulturgeschichtliche Museum (oben) und die Villa Schlikker.
Fotos:
Jörn Martens

Osnabrück. Welche Aufgaben stellen sich für die künftige Leitung der drei Häuser des Museumszentrums? Hier die Agenda der dringenden Themen.

Die drei Häuser integrieren: Den verbindenden Eingangsbereich gibt es seit 2011, aber der Trias aus Kulturgeschichtlichem Museum, Felix-Nussbaum-Haus und Villa Schlikker fehlt bis heute der einheitliche Auftritt.

Das Museumszentrum bedarf der verbindenden Idee ebenso wie genauer profilierten Einzelhäusern. Vor allem aber fehlt die Botschaft an den Besucher. Der kann kaum erkennen, was das Museumszentrum bietet. Ein griffiges Leitsystem gibt es bis heute nicht.

Die starken Themen setzen: Felix Nussbaum und sein Lehrer an der Akademie, der Leinenstoff in Osnabrück: Das mag wissenswert sein, starke Themen für zugkräftige Ausstellungen sehen aber anders aus. Nach Kontroversen um Ausstellungsbudgets wirkt das Museumsteam entmutigt.

Große Projekte werden nicht mehr in Angriff genommen. Damit sinken aber die Ausstrahlung der Häuser und folgerichtig auch ihre Relevanz innerhalb und außerhalb der Stadt.

Die Stadtgeschichte neu erzählen: Was ist heute Stadtgeschichte? Im Kulturgeschichtlichen Museum wird das nicht überzeugend dargestellt. Statt der auf Jahre arretierten Dauerausstellung bedarf es Präsentationskonzepten, die die Stadt aus verschiedenen Blickwinkeln thematisieren und zugleich die Menschen selbst einbeziehen. Im Kulturgeschichtlichen Museum müsste Stadtgeschichte ein faszinierendes Anliegen sein. Die Realität sieht anders aus. Was ist Stadtidentität in der Migrationsgesellschaft? Diese Frage gilt es zu beantworten.

Die Erinnerung zum Thema machen: Das Felix-Nussbaum-Haus bietet dem Besucher mit den Bildern von Felix Nussbaum und der Mahnmal-Architektur von Daniel Libeskind eine einmalige Symbiose. Das Thema: Erinnerung an den Holocaust. Doch jetzt steht gerade bei diesem Thema der Generationenwechsel an.

Wie funktioniert Erinnerung an Exil und Völkermord in der Ära nach den überlebenden Zeitzeugen? Höchste Zeit, Erinnerung und Gedenken im Felix-Nussbaum-Haus selbst zum Thema zu machen.

Die Museen für Menschen öffnen: Die Museen in der Osnabrücker Stadtmitte mögen beeindrucken. Wirkliche In-Orte sind sie nicht. Selbst Osnabrücker tun sich schwer damit, die Häuser als Orte der Begegnung, des Erlebens, der überraschenden Einsichten wahrzunehmen. Man weiß, was man an diesen Museen hat. Mehr aber auch nicht. Und genau das muss sich ändern.

Dem Museumszentrum fehlt es an Lebendigkeit und spürbarer Ausstrahlung. Der neue Aufbruch in diese Richtung ist überfällig.

Die Ausstrahlung verbessern: 30 000 Besucher im Jahr, davon nur rund 15 000, die für ihre Karte gezahlt haben: Zahlen sind nicht alles, aber bisweilen sprechen sie eine deutliche Sprache.

Das Osnabrücker Museumszentrum begeistert das heimische Publikum ebenso wenig wie die auswärtigen Besucher. Viel zu oft sind die Säle leer.

Kein Wunder. Die Einheimischen finden keine neuen Angebote, die sie zum neuerlichen Besuch bewegen, auswärtige Besucher entscheiden sich lieber für andere Museumsstädte, weil die Ausstellungen dort spannender sind. Die Ausstrahlung stimmt nach innen wie nach außen einfach nicht. Fazit: dringender Handlungsbedarf.

Mehr Bilder zum Osnabrücker Museumszentrum auf noz.de
Autor:
Stefan Lüddemann


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