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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Neumarkt-Baustelle wird wohl doch autofrei
Zwischenüberschrift:
Stadt sieht Sicherheitsrisiken: Sperrung von August bis November erwogen – CDU äußert Verständnis
Artikel:
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Originaltext:
Am Neumarkt bahnt sich jetzt doch eine baustellenbedingte Sperrung an: Ab August wollen die Kanalbauer auch vor dem ehemaligen Wöhrl-Gebäude buddeln, und dann wird es so eng, dass für die Sicherheit der schwächeren Verkehrsteilnehmer nicht mehr garantiert werden kann.
Osnabrück. Zu Beginn der aktuellen Bauarbeiten im April hatten die Planer noch erklärt, dass eine erneute Sperrung des Neumarkts nicht notwendig sei. Nach den Beobachtungen der vergangenen Wochen änderten sie ihre Meinung jedoch. Im nächsten Bauabschnitt, der von August bis November terminiert ist, sei ein geordnetes Miteinander auf den verbleibenden Fahrstreifen infrage gestellt, erklärte Jürgen Schmidt, der Leiter des Fachdienstes Straßenbau, vor dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt. Die Situation werde sich verschärfen, sobald die Baustelle vom Neuen Graben weiter nach Osten wandert. Dann müssten die Busse teilweise in den Gegenverkehr ausweichen, um an der Ausfahrt vor dem VGH-Gebäude die Kurve zu bekommen, warnte der Fachdienstleiter. Auch auf der Fußgängerquerung am Neumarkt komme es zu kritischen Situationen, weil immer wieder Autos auf der Kreuzung stehen blieben.
Für die Fahrgäste der Busse werde es zudem beim Ein- und Aussteigen noch gefährlicher. Und der jetzt noch bestehende Fahrradstreifen falle komplett weg, weil die verbliebene Fahrbahnbreite nicht ausreiche. Aus Sicherheitsgründen erwäge die Verwaltung deshalb, den Neumarkt zu sperren, kündigte Schmidt an.
Otto Wetzig, Ratsherr der Grünen und hinzugewähltes Mitglied ohne Stimmrecht, setzte den vorsichtigen Worten ein klares Statement entgegen: Hören Sie doch auf mit dem Irrsinn und sperren Sie den Platz für die Zeit!″, rief er, sonst gefährde die Stadt Leben und Gesundheit. Andere Ratsmitglieder von SPD, Grünen und UWG sprachen sich ebenfalls dafür aus, den motorisierten Individualverkehr für die Dauer der Bauarbeiten vom Neumarkt fernzuhalten.
Auch aus der CDU, die sich bislang gegen einen autofreien Neumarkt ausgesprochen hat, wurde Verständnis geäußert. Wenn es jetzt neue Fakten gebe, könne man darüber reden, erklärte Ratsfrau Katharina Pötter. Allerdings werde ihre Fraktion nicht aus der hohlen Hand″ zustimmen, sondern die Angelegenheit erst einmal beraten. CDU-Ratsfrau Anette Meyer zu Strohen lud Fachdienstleiter Schmidt deshalb ein, die Sicherheitserwägungen in der Fraktion vorzutragen.
Eine Entscheidung wird dann voraussichtlich der Verwaltungsausschuss treffen, das wichtigste Gremium unterhalb der Ratsebene. Falls Gefahr droht, müsste die Verwaltung aber auch ohne ein solches Votum handeln. Die Stadt sei als Verkehrsbehörde für die Sicherheit zuständig, erklärte Fachdienstleiter Schmidt in der Ausschusssitzung. Es zeichne sich ab, dass wir eines Tages die Sperrung einleiten müssen″.
Von Mai 2014 bis zum Februar 2016 war der Neumarkt bereits für Autos gesperrt, weil sich die Stadt auf die Baustelle berufen hatte. Auf Antrag eines Handwerkers entschied das Verwaltungsgericht jedoch, dass die Sperrung aufzuheben sei, weil zu dem Zeitpunkt keine Bauarbeiten stattfanden. Seitdem wird heftig gestritten, ob der Neumarkt der Zukunft autofrei werden soll oder nicht.
Eine Ratsmehrheit aus SPD, Grünen, FDP, Linken und UWG/ Piraten hat inzwischen versucht, die Weichen für eine dauerhafte Sperrung zu stellen, wurde aber von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert mit einem Einspruch ausgebremst. Jetzt wird die Kommunalwahl am 11. September als Richtungsentscheidung für die Zukunft des Neumarkts angesehen.

Bildtext:

Es wird immer enger auf der Neumarkt-Baustelle. Die Stadt erwägt eine Sperrung aus Sicherheitsgründen. Foto: Jörn Martens

Kommentar:

Viel zu eng

Es ist eng geworden am Neumarkt, seit die Kanalbauer am Werk sind. Schon jetzt kommt es täglich zu gefährlichen Situationen für Radler und Fußgänger. In der zweiten Bauphase wird es noch kritischer. Gesundheit und Leben sind um ein Vielfaches wichtiger als eine Abkürzung von wenigen Minuten. Deshalb wird die Stadt den Neumarkt für ein paar Monate sperren müssen, auch wenn der Oberbürgermeister das nicht gerne zulässt.

Es war absehbar, dass diese Baustelle Menschen in Gefahr bringen würde. Aber die Verantwortlichen verkündeten trotzig, dieses Mal sei eine Sperrung nicht nötig. Vor drei Wochen wurde eine 85-jährige Frau direkt am Neumarkt in einer unübersichtlichen Situation angefahren und schwer verletzt. Traurig, dass dieser Unfall erst passieren musste, um die Einsicht zu beflügeln.

Ganz sicher hat das Urteil des Verwaltungsgerichts zur Unsicherheit beigetragen. Aber das bezog sich auf eine ruhende Baustelle. Es liefert keine Rechtfertigung, Menschen an einer aktiven Baustelle zu gefährden.
Autor:
R. Lahmann-Lammert


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