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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Medienbriefe ungelesen unterschrieben
Zwischenüberschrift:
Anleger hatten „volles Vertrauen″ zum Ex-Verleger
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Sie waren ahnungslos, naiv, gutgläubig und leichtsinnig: Medienbrief-Inhaber haben im Prozess um die Pleite der Osnabrücker Sonntagszeitung″ berichtet, wie sie ihr Geld verloren.

Eine heute 61-jährige Krankenschwester hat ein Teil ihres Erbes als stille Gesellschafterin der Enorm Verlagsgesellschaft mbH versenkt, ohne zu ahnen, dass sie Teilhaberin des Verlages war. 40000 Euro sind weg. Sie sei der Empfehlung ihres Mannes gefolgt und mit ihm und unserem Hund″ zum etwa viertelstündigen Gespräch bei Verlagsgeschäftsführer Norbert Fuhs gewesen. Selbst als die Filialleiterin ihrer Bank vor der Überweisung skeptisch nachhakte, seien ihr keine Zweifel gekommen, sagte die Krankenschwester am zweiten Prozesstag als Zeugin aus. Sie habe volles Vertrauen zu Herrn Fuhs gehabt, der ihr sehr sympathisch″ erschienen war. Den Vertrag über den Kauf der insgesamt acht Medienbriefe habe sie nicht gelesen. Ich dachte nur, das ist irgendwie eine gute Sache.″ Gut waren auch die versprochenen Zinsen: 5, 25 Prozent pro Jahr.

Der Ex-Verleger Norbert Fuhs muss sich vor dem Landgericht wegen Betruges und Insolvenzverschleppung verantworten. Ihm wird zur Last gelegt, ein sittenwidriges Schneeballsystem mit Medienbriefen betrieben und mindestens 171 Anleger betrogen zu haben. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft konnte Fuhs den Betrieb der defizitären Osnabrücker Sonntagszeitung″ nur aufrechterhalten, indem er die finanziellen Lücken mit der Herausgabe immer neuer Medienbriefe stopfte. Über 500 Anleger haben nach Ermittlungen der Polizei seit 1996 Medienbriefe im Gesamtwert von über acht Millionen Euro gezeichnet. Angeklagt sind 171 Fälle.

Eine der wichtigen Fragen, die das Gericht zu klären hat, ist: Hat Fuhs den Anlegern die ganze Wahrheit über die Art der Beteiligung und die Risiken (bis zum Totalverlust) gesagt oder ihnen vorgegaukelt, es handele sich um eine risikofreie, festverzinsliche Geldanlage?

Die Aussagen der ersten fünf von 130 Zeugen, die bis Ende des Jahres angehört werden sollen, legen den Schluss nahe: Viele haben einen Vertrag unterschrieben, dessen Inhalt sie nicht verstanden oder den sie gar nicht zu Ende gelesen hatten. Erst zu Hause habe er sich den einseitigen Vertrag in Ruhe angesehen, berichtete etwa ein 70-jähriger Rentner aus Tecklenburg. Mit dem Begriff des stillen Gesellschafters habe er nichts anfangen können, aber auch keine weiteren Erkundigungen eingezogen. Der Tecklenburger hatte im April 2013 zwei Medienbriefe für zusammen 10000 Euro gezeichnet. Einen Monat später brach das Unternehmen zusammen.

Ein 50-jähriger Polizeibeamter aus Köln war nach eigenen Angaben nur zehn Minuten drin″ im Büro von Norbert Fuhs, da war der Vertrag unterschrieben. Das Papier habe er nur überflogen″ und ansonsten seinem Vater vertraut, der selbst Medienbriefe besaß.

Der Verkauf der Medienbriefe war offenbar allein Sache von Ex-Verleger Norbert Fuhs. So berichtete es ein früherer Mitarbeiter, der von 2011 bis 2012 als Assisstent der Geschäftsleitung″ für die Enorm Verlagsgesellschaft arbeitete. Dass es sich bei den Medienbriefen um eine Teilhaberschaft gehandelt habe, sei ihm klar gewesen, sagte der Betriebsfachwirt. Es war mir aber schleierhaft, wie man so hohe Zinsen zahlen konnte.″ Das Anzeigengeschäft hatte nach seiner Einschätzung durchaus Geld abgeworfen, aber eine Rendite von über fünf Prozent sei mit dem Geschäft nicht dauerhaft seriös zu erwirtschaften″ gewesen. Seine Erklärung: Ein Loch wurde mit dem nächsten gestopft.″
Autor:
hin


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