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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Thunderflash am Kasernentor
Zwischenüberschrift:
Die Wiedervereinigung besiegelte das Ende der Osnabrücker Luftwaffen-Regimenter
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Vor 25 Jahren gab Bundesverteidigungsminister Stoltenberg bekannt, dass Osnabrück kein Bundeswehrstandort bleibt. Das Ende des Kalten Krieges und die Verschmelzung der Bundeswehr mit der NVA hatten umfangreiche Umstellungen und Truppenreduzierungen zur Folge.
Osnabrück. In Osnabrück war man davon nicht begeistert. Immerhin sorgte die Bundeswehr mit den beiden Fernmelde-Regimentern am Hauswörmannsweg, den Sanitätern an der Artilleriestraße und dem Bundeswehrkrankenhaus am Natruper Holz für einen jährlichen Kaufkraftzufluss von 80 Millionen DM. 880 Soldaten und 584 Zivilbeschäftigte waren ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in einer Zeit, als die Arbeitslosigkeit zu den größten innenpolitischen Problemen gehörte. Die Sorgen wurden nicht kleiner durch den Umstand, dass auch die Zukunft der britischen Truppen in Osnabrück an einem seidenen Faden hing. Tatsächlich sollte deren Stationierung 2008 enden.
Die Geschichte der Bundeswehr in Osnabrück begann im Frühjahr 1957. Die Briten räumten einen Teil der Von-Stein-Kaserne am Westerberg, um Voraus-Einheiten der Fernmelder Platz zu machen. Die Fernmelder warteten auf die Fertigstellung ihres eigenen Kasernenareals am Hauswörmannsweg. Hier baute die Luftwaffe um die Keimzelle einer ehemaligen Flak-Kaserne herum einen 26 Hektar großen Standort aus. Ende 1961 bezog das spätere Fernmelde-Regiment 11 den südlichen Teil, im Oktober 1962 folgte das Fernmelde-Regiment 71 in den nördlichen, an Johannisfriedhof und Kreisberufsschule angrenzenden Teil. 1965 erhielt das Gelände den Namen General-Martini-Kaserne. Namensgeber war Dr. Wolfgang Martini (1891 1963), der in den Kaiserlichen Luftstreitkräften, als General der Luftnachrichtentruppe unter Hitler und auch noch nach 1956 wesentliche Erfindungen auf dem Fernmeldesektor in ihrem Wert erkannte und die militärische Nutzung umsetzte. Die Osnabrücker Fernmelder hatten den Auftrag, den gegnerischen Fernmeldeverkehr abzuhören, Flugbewegungen zu verfolgen und Funk- und Radardienste der Warschauer-Pakt-Streitkräfte zu stören.
Flieger ohne Flugzeug?
Ein klein wenig litten die Luftwaffen-Fernmelder darunter, dass sie immer am Boden bleiben mussten und als Flieger″ nicht so ganz ernst genommen wurden. Deshalb beschloss der damalige Regimentskommandeur der 71er″, Oberst Eberhard Skibbe: Ein Luftwaffenverband ohne Mühle′, das gibt es bei mir nicht″, wobei mit Mühle″ im Jargon ein älteres ausgemustertes Fluggerät gemeint war. 1972 wurde er fündig: ein einstrahliger Aufklärungs-Jet vom Typ RF-84 F Thunderflash″, der bis 1967 beim Aufklärungsgeschwader 52 in Erding und später in Eggebek geflogen war, bis er vom Starfighter″ abgelöst wurde. Die Mechaniker befreiten ihn von Elektronik, Cockpit-Ausstattung und Triebwerk, und die Pioniere hievten ihn als Anschauungsobjekt auf den vorbereiteten Sockel gleich links oberhalb der Hauptwache.
Mit der deutschen Einheit und der Auflösung des Warschauer Pakts war der Bundeswehr das Feindbild abhandengekommen. Die Lauschantennen in Richtung DDR wurden arbeitslos. Auf die Osnabrücker Fernmelder kamen neue Aufgaben zu. Die 11er″ bauten eine Funkstrecke bis Strausberg bei Berlin auf, um das DDR-Gebiet in das Kommunikationsnetz der Bundeswehr einzubinden. Der stellvertretende Kommandeur Oberstleutnant Bösenberg und weitere Offiziere wurden in den Osten abkommandiert, um dort ein neues Fernmelderegiment aufzubauen. Auf dem Kalkhügel ging die Sorge um, ob wohl bald weitere Regimentsteile abgezogen werden würden.
Bunkerbau abgebrochen
Im Dezember 1990 verhängte das Verteidigungsministerium einen Baustopp für Osnabrück. Der begonnene Bau eines strahlungssicheren Bunkers bis 1992 sollten 70 Millionen DM verbaut werden wurde abgebrochen. Von der Bonner Hardthöhe war zu vernehmen: Ballungsstandorte, die auch eine Universität haben, sollen entlastet″, das heißt, geschlossen werden. Standortpolitik als Strukturpolitik bedeutete für Osnabrück konkret: Das Regiment 11 kommt nach Visselhövede am Rand der Lüneburger Heide, das Regiment 71 teils nach Dannenberg und Berlin-Gatow, und teils löst es sich auf.
Ziemlich genau vor 25 Jahren, am 24. Mai 1991, wurde die Entscheidung veröffentlicht. Zunächst im Rathaus Bestürzung über die vollendeten Tatsachen, dann die pflichtgemäßen Proteste, aber schon nach einigen Monaten gewann die Einsicht in die unumgänglichen Folgen der weltpolitischen Umwälzungen die Oberhand. Die Planer machten sich an die Arbeit, das zentrumsnahe Areal am Hauswörmannsweg für zivile Nutzungen zu entwickeln. Im Juli 1993 verließen die 11er″ Osnabrück und im September 1994 auch die 71er″. Techniker zerlegten das Osnabrücker Luftwaffensymbol, den Aufklärungsflieger Thunderflash″, und verfrachteten ihn nach Köln, wo er im Luftwaffenmuseum eine Bleibe fand.
Der Weg war frei für Osnabrücks erste große Konversion″ eines Militärgeländes. Wohnhäuser, Bundes- und Landesbehörden, Bildungsstätten, Firmen, Hilfsorganisationen, ein Sportverein und freikirchliche Gemeinden sorgen heute für ein ausgesprochen buntes Bild der Nachnutzung. Das ehemalige Unteroffiziersheim wandelte sich zum griechischen Restaurant Pontos Park″. Hier treffen sich die in Traditionsvereinen organisierten ehemaligen 11er″ und 71er″ regelmäßig zu Stammtischen und Kegelabenden und tauschen Erinnerungen an Osnabrücks Luftwaffen-Vergangenheit aus.

Bildtext:

Dichtes Grün versperrt heute den Durchblick zum Hauswörmannsweg. Foto: Joachim Dierks

Ein Aufklärer vom Typ Republic RF-84 F " Thunderflash" überwachte von 1972 bis 1994 den Haupteingang zur General Martini-Kaserne. Im Hintergrund sind Wohnhäuser am Hauswörmannsweg zu erkennen.

Foto: Archiv/ Walter Friecke
Autor:
Joachim Dierks


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