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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Nabu erwartet schlechteres Grundwasser
Zwischenüberschrift:
Schärfere Düngeauflagen gefordert – Kreisbauernverband sieht Ursache nicht bei Landwirten
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Der Naturschutzbund (Nabu) Osnabrück erwartet weitere Verschlechterungen des Grundwassers im Landkreis und fordert eine Verschärfung der Düngeauflagen. Der Kreisbauernverband Landvolk sieht die Ursache für zu hohe Nitratwerte im Grundwasser nicht bei den Landwirten.
Osnabrück. Der stellvertretende Nabu-Vorsitzende in Osnabrück, Holger Oldekamp, macht die Landwirte dafür verantwortlich, dass nach Angaben des niedersächsischen Umweltministeriums 50 bis 60 Prozent des Grundwassers im Landkreis Osnabrück eine Nitratbelastung über dem gesetzlichen Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter aufweist.
Spitzenerträge können in der Landwirtschaft oft nur mittels massiven Einsatzes von Mineraldünger und daneben organischen Düngern wie Gülle erreicht werden. Letztere wird aufgrund ihres Überschusses in der Masttierhaltung oft in zu großen Mengen und mehrfach hintereinander auf die gleichen Flächen aufgebracht″, betont Oldekamp.
Nach Angaben des Umweltschützers nehmen diese Haltungsformen und die damit verbundenen Landnutzungsformen im Landkreis Osnabrück zu, sodass sich auch hier bereits Probleme ergeben hätten: Nur ein Teil des Nitrats kann als Pflanzennährstoff aufgenommen werden, oft verlagern sich zwei Drittel je nach Bodentyp und Niederschlagsbedingungen in tiefere Bodenschichten.″
Oldekamp fügt hinzu: Durch die Aufbringung der Gülle sind bereits die Ackerrandstreifen und Gewässerränder extrem belastet, was hier zu Nährstoffanreicherung führt.″ Viele eher mäßig nährstoffreiche Graben-, Weg- und Feldränder seien mit Brennnesseln und anderen Pflanzen überzogen, die auf eine hohe Stickstoffkonzentration hinweisen. Sie würden andere Arten überwachsen und diesen den Lebensraum entziehen.
Es tickt eine Zeitbombe″
Langfristig reicherten sich so die Stickstoffverbindungen im Boden und Grundwasser an. Da das Oberflächenwasser aber zum Teil Jahre braucht, bis es ein Grundwasserreservoir erreicht, tickt unter unseren Füßen eine gesundheitliche Zeitbombe″, resümiert Oldekamp. Als ein Beispiel dafür nennt er einen Trinkwasserbrunnen aus Wallenhorst-Rulle, der in den vergangenen Jahren seinen Angaben zufolge aus der Trinkwasserversorgung genommen werden musste, da dieser den Nitrat-Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter weit überstiegen habe. Auch durch Mischen mit Wasser anderer, weniger belasteter Brunnen habe sich das Problem nicht lösen lassen, sodass der Brunnen geschlossen und das Trinkwasserschutzgebiet somit aufgegeben worden sei.
Oldekamp kritisiert: Kurioserweise wurde in den Jahre oder Jahrzehnten zuvor um diesen Brunnen herum trotz des Status Trinkwasserschutzgebiet intensiv und mehrfach im Jahr mit Gülle gedüngt sowie Pestizide versprüht, Randstreifen inklusive. Geschehen ist trotz Trinkwasserschutzgebiet und Ermahnungen nichts.″ Er befürchtet daher, dass zeitverzögert weitere Brunnen zunehmend mit Nitraten und Pestizidrückständen belastet werden und aufgegeben werden müssen. Er rügt: Da offenbar diese Maßnahmen nicht reichen und die Wasserrahmenrichtlinie nicht im Sinne des Boden- und Lebensmittelschutzes vom Landkreis und einigen Kommunen interpretiert wird oder werden kann, erwarte ich weitere Verschlechterungen des Trinkwassers oder zunehmende Kosten für die Bereitstellung dieses Lebensmittels.″
Der stellvertretende Nabu-Vorsitzende fordert: Wo Brunnen zur Trinkwassergewinnung vorhanden sind, müssen diese in ihrer Umgebung vor weiterer Belastung geschützt werden. Das heißt natürlich Auflagen für Landwirte, was für diese als Einschränkung ihrer Arbeit empfunden wird.″ Das sei aber zum Vorteil der Gesundheit eines Großteils der Bevölkerung. Die Landwirte sollten daher für diese Einschränkungen entlohnt werden″, empfiehlt Oldekamp. Entweder für die eingeschränkte Düngung oder für die Umwandlung von Acker- in Grünland um die Brunnen herum, denn dieses sorgt für einen besseren Schutz des Bodens.″
Der Landvolk-Kreisvorsitzende Albert Schulte to Brinke hingegen glaubt nicht, dass die Ursachen für die zu hohen Nitratwerte im Grundwasser in der Landwirtschaft liegen. Er kritisiert, dass den Ursachen für die hohen Nitratwerte im Grundwasser nicht gezielt nachgegangen wird. Er stellt infrage, dass es tatsächlich an der Bewirtschaftung der Landwirte vor Ort liegt, und fragt, ob das mit hohen Nitratwerten belastete Wasser nicht auch aus anderen Bereichen zufließt.
Das kostet Millionen″
Schulte to Brinke kritisiert, dass es zu wenige Untersuchungen gibt, was es sonst noch für Einflüsse auf das Grundwasser geben könnte. Stattdessen überzieht man alle Landwirte mit immer neuen Auflagen, die uns viele Millionen und damit unsere Wettbewerbsfähigkeit kosten″, betont to Brinke.
Er erklärt, dass Landwirte aktuell 170 Kilo Stickstoff pro Hektar und Jahr ausbringen dürfen. Dadurch könnten 35 bis 85 Tonnen Gülle je Hektar ausgebracht werden. Die Landwirte müssten das durch einen jährlich zu berechnenden, einzelbetrieblichen Nährstoffvergleich belegen. Verstöße würden etwa durch Abzüge von den Agrarzahlungen geahndet.
Schulte to Brinke führt weiter aus, dass diese 170 Kilo Stickstoff pro Hektar aber nicht immer ausreichen, um den Nährstoffbedarf zum Beispiel von Grünland zu decken. So habe es gegen Vorlage eines detaillierten Nachweises die Möglichkeit gegeben, bis 230 Kilo Stickstoff aus organischem Dünger auszubringen und so mineralischen Dünger einzusparen. Das konnten Grünlandbetriebe und Biogasbetriebe in Anspruch nehmen. Diese sinnvolle Möglichkeit haben wir im Moment nicht″, wirft Schulte to Brinke der Politik vor.

Bildtext:

Der Nabu Osnabrück erwartet noch schlechteres Grundwasser im Landkreis und fordert eine Verschärfung der Düngeauflagen.

Das Bild zeigt ein Düngerfahrzeug mit Schleppschläuchen auf einem Feld bei Bissendorf.

Foto: Michael Gründel

Düngerfahrzeug mit Schleppschläuchen (Breite 27m) auf einem Feld bei Bissendorf. Foto: Michael Gründel

Düngerfahrzeug mit Schleppschläuchen (Breite 27m) auf einem Feld bei Bissendorf. Foto: Michael Gründel
Autor:
Jean-Charles Fays


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