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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Circus Probst kommt mit Tigern und Bisons
Zwischenüberschrift:
Gastspiel an der Halle Gartlage beginnt heute – Diskussion um Wildtiere in der Manege
Artikel:
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Originaltext:
Von Mittwoch bis einschließlich Montag gastiert Circus Probst an der Halle Gartlage. Das Traditionsunternehmen hat außer Artistik und Clowns auch Nummern mit Wildtieren im Programm. Für die Eigentümerfamilie Probst sind Tiere Bestandteil der europäischen Zirkuskultur.
Osnabrück. Lamas, Emus, Kamele, Zebras und Pferde gehören zu den zirkuseigenen Tieren. Für die Saison engagiert wurden außerdem Marcel Krämer mit seinen Bisons und Tom Dieck mit zwei weißen Löwen, vier Tigern und zwei Ligern, der Kreuzung zwischen Löwen und Tigern. Der Tierlehrer war im vergangenen Jahr mit dem Zirkus Charles Knie zu Gast in Osnabrück.
Die Diskussion um ein Wildtierverbot in Zirkussen kann Dieck nicht nachvollziehen: Kein Tier wird so oft und gründlich kontrolliert wie ein Zirkustier.″ An jedem Auftrittsort überzeuge sich der zuständige Veterinär vom Zustand der Tiere. Auf ihrer Internetseite veröffentlicht Familie Probst einige Prüfberichte amtlicher Tierärzte aus dem Jahr 2014. Insgesamt gut″ ist noch zurückhaltend, oft heißt es vorbildlich″, die Tiere seien sehr entspannt″ mit sehr gutem Pflegezustand″.
Die beiden weißen Löwen seien bereits in der 20. Generation unter Menschen geboren, betont Dieck, selbst Tierlehrer in der dritten Generation. Tigerdame Delhi genießt seine Streicheleinheiten vor der Kamera und lässt etwas hören, was sich wohl als Schnurren einer Großkatze beschreiben lässt.
Marcel Krämer, der aus einer Artistenfamilie stammt, die sich auf Westerngeschichten spezialisiert hat, bringt Bisons in die Manege. Die beiden großen Tiere habe er aus einer Bisonzucht gekauft. Die Tiere würden dort zur Schlachtung gezüchtet. So nah kommen Menschen diesen Tieren nicht mal im Zoo″, sagt Krämer. Zuschauer in der ersten Reihe dürften die stattlichen Tiere auch mit Leckerlis füttern. Vorstellungen mit Wildtieren seien beim Publikum beliebt, sagt Pressesprecher Simon Hörmeyer. Der gebürtige Borgloher ging nach seinem Abitur an der Ursulaschule 2013 für ein gutes Jahr mit dem Circus Probst auf Reisen und hat an der Zirkuskasse immer wieder mit Besuchern gesprochen Natürlich gibt es auch an allen Gastspielorten Demonstrationen″, sagt Hörmeyer. Das sei in Ordnung, solange durch den Protest nicht der Zirkus und seine Plakate beschädigt würden.
Natürlich weiß Hörmeyer, der inzwischen hier eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann macht, dass auch die Stadt Osnabrück einen Anlauf zum Wildtier-Verbot im Zirkus unternommen hat. Auf Empfehlung des Rechtsamtes nahm der Rat im Dezember vergangenen Jahres aber von einem Verbot Abstand und beschloss stattdessen, den Gesetzgeber aufzufordern, ein Verbot der Haltung und Zurschaustellung von Wildtieren zu beschließen, hilfsweise auf Landes- beziehungsweise Bundesebene eine gesetzliche Regelung zu schaffen, wonach künftig öffentliche Flächen nicht mehr an Zirkusbetriebe mit Wildtieren vergeben werden können″.
Da das Tierschutzgesetz die Haltung und Zurschaustellung von Wildtieren gestatte, fehle den Kommunen die Rechtsgrundlage für ein Verbot. Das bestätigte auch Probst-Pressesprecher Hörmeyer. Zirkusse könnten erfolgreich gegen Auftrittsverbote klagen. In anderen Ländern wie den Niederlanden gebe es inzwischen Bestrebungen, Wildtier-Verbote wieder rückgängig zu machen. Politiker sollten sich vor Ort in Zirkussen mit Wildtieren informieren, ehe sie Verbotsentscheidungen treffen.
Circus Probst gastiert vom 4. bis 9. Mai in Osnabrück. Tickets zum Preis von 14 bis 30 Euro online im Reservis-Ticketshop, in allen NOZ-Geschäftsstellen, für OS-Card-Inhaber 5 Euro Rabatt. Vorstellungen täglich 16 und 19.30 Uhr, Sonntag 11 und 16 Uhr, Familientag Montag nur 17 Uhr mit Einheitspreis 10 Euro. Karten sind am Montag nur an der Zirkuskasse erhältlich.

Bildtext:

Raubtierlehrer Tom Dieck schmust während der Aufbauarbeiten des Circus Probst auf dem Gelände Halle Gartlage mit Bengaltigerdame Delhi. Dieck präsentiert zwei weiße Löwen, vier Tiger und zwei Liger.

Foto: David Ebener

Kommentar:

Wildtierzirkusse in Osnabrück Kein Verbot durch die Bundesregierung
In den vergangenen Jahren schlugen regelmäßig Wildtierzirkusse an der Halle Gartlage in Osnabrück ihre Zelte auf. 2010, 2012 und 2015 kam der Zirkus Charles Knie mit über 100 Tieren, darunter Seelöwen, Elefanten sowie die angeblich größte gemischte Raubtiergruppe Europas″, die aus Tigern, Löwen und Ligern (Kreuzung aus Löwe und Tiger) besteht.
2011 machte der Circus Universal Renz Station in Osnabrück. Es war nach eigenen Angaben der Zirkus mit den meisten exotischen Tieren″: Renz reiste unter anderem mit Tigern, Elefanten und Braunbären durchs Land, in den 1990er-Jahren sogar mit Orang-Utan und Nilkrokodil. 2013 meldete das Unternehmen Insolvenz an.
Im Jahr 2014 erlebte Osnabrück ein Gastspiel des Circus Krone. Der von dem gebürtigen Osnabrücker Carl Crone (1870–1943) gegründete Zirkus wirbt damit, der größte Zirkus Europas″ zu sein. Gezeigt werden etwa Dressuren mit Löwen, Elefanten, Nashorn und Flusspferd.
Circus Probst, der vom 4. bis 9. Mai in Osnabrück gastiert, kommt als drittgrößter Zirkus Deutschlands mit 70 Tieren. Dazu gehört inzwischen die eingangs erwähnte Raubkatzengruppe, die zuletzt im Zirkus Charles Knie auftrat.
2003, 2001 und zuletzt im März dieses Jahres haben Städte und Bundesländer auf ein Wildtierverbot im Zirkus gedrängt. Die Bundesregierung zeigt sich zögerlich bei der Gesetzgebung. Ein Verbot sei nur dann möglich, wenn die Tiere an wechselnden Orten nur unter erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden gehalten oder transportiert werden″, heißt es dazu.
Das Europaparlament, das sich 2005 noch mit großer Mehrheit für Tiere im Zirkus ausgesprochen hat, überlässt es inzwischen den Mitgliedsländern, über ein Verbot speziell von Wildtieren zu entscheiden. (sst, S.)
Autor:
Ulrike Schmidt


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