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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Vorsicht, Steinschlag!
Zwischenüberschrift:
150 Jahre alte Kapelle auf dem Hasefriedhof braucht dringend eine Fassadensanierung
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Vor 150 Jahren wurde die Kapelle auf dem Hase friedhof eingeweiht. Seit dem Stopp für Neubelegungen des Friedhofs 1995 finden hier keine Aussegnungsfeiern mehr statt. Initiativen bemühen sich um neue Nutzungen und vor allen Dingen die Bauunterhaltung des Denkmals.
Osnabrück. Mit Napoleon fing alles an. Als er vor gut 200 Jahren in unserer Stadt das Sagen hatte, verfügte er, dass Bestattungen künftig nur noch außerhalb der Stadtmauern erfolgen dürfen. Durch Überbelegung waren die hygienischen Verhältnisse auf den Kirchhöfen, also den Grabfeldern unmittelbar an den Stadtkirchen, unhaltbar geworden. Auf diese Weise entstanden 1808 der Johannisfriedhof für die Bewohner der Neustadt und der Hasefriedhof für die Altstädter.
Die seit 1983 als Gesamtanlagen denkmalgeschützten Friedhöfe wurden nacheinander Abteilung für Abteilung erschlossen. Das ist an den Friedhofsmauern abzulesen, die jede Abteilung ganz umschließen und für eine je eigene Atmosphäre sorgen.
Auf dem Hasefriedhof ist die I. Abteilung die älteste, südlichste und innenstadtnächste. Mit den Erweiterungsschritten schlossen sich nach Norden hin die Abteilungen II. bis VI. an. Die II. Abteilung wurde ab 1833 mit 142 Erbbegräbnisstätten angelegt, die in kurzer Zeit restlos verkauft waren. Zentral in der II. Abteilung entstand 1865/ 66 die Hasefriedhofskapelle.
Osnabrücks erster Stadtbaumeister Wilhelm Richard (1816–1900) entwarf den achteckigen Zentralbau. Er orientierte sich an mittelalterlichen Pfalzkapellen wie in Aachen und Essen und lieferte einen perfekt durchkomponierten Entwurf im angesagten Stil der Zeit, der Neoromanik. Wesentliches Gestaltungselement sind Gebäudeöffnungen mit aufgesetzten Rundbögen.
In Richards Osnabrücker Schaffenszeit von 1839 bis 1870 entstanden zahlreiche Gebäude mit den für Osnabrück geradezu typischen Rundbögen. Viele davon hat er selbst entworfen, andere öffentliche wie private Bauherren folgten seinem Geschmacksmuster. Bis heute erhalten sind etwa das frühere Realgymnasium an der Lotter Straße, das frühere Hauptgebäude des Stadtkrankenhauses (heute Volkshochschule) und der Hannoversche Bahnhof.
Die Hasefriedhofskapelle teilt das Schicksal des Hase friedhofs: Beide haben ihre ursprüngliche Funktion verloren. Durch den Wandel der Bestattungskultur weniger Platzbedarf durch Urnen- statt Sargbestattungen, Konkurrenz durch Friedwälder, Seebestattungen und vieles mehr gelten etwa ein Drittel aller Friedhofsflächen in Deutschland als Überhangflächen″, die Kosten verursachen, ohne dass ihnen Einnahmen durch Grabnutzungsrechte gegenüberstehen.
Viele Friedhöfe oder Friedshofsteile lassen sich aber nicht einfach roden und überbauen, da sie stadtgeschichtlich und kulturhistorisch von großer Bedeutung sind. Das gilt in Osnabrück in herausragender Weise für Johannis- und Hasefriedhof. Verschiedene Initiativen bemühen sich um den Erhalt und die Zukunft der Kulturdenkmale: So gründete sich 2005 der Förderkreis Hase friedhof–Johannisfriedhof, der sich um Spenden für Restaurierungsmaßnahmen und Öffentlichkeitsarbeit kümmert. Die Treuhandstiftung Historisches Bewahren denkmalgeschützter Friedhofskultur in Osnabrück″ wurde 2013 mit einer Ersteinlage der Stadt Osnabrück und der Bürgerstiftung als Treuhänderin gegründet. Ein von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördertes Projekt untersuchte, wie die beiden Friedhöfe dauerhaft gepflegt werden können. Zum anderen erforscht die Hochschule Osnabrück zukünftige Nutzungen.
Der zuständigen Abteilungsleiterin des mit dem Unterhalt betrauten Osnabrücker Servicebetriebs (OSB), Eva Güse, brennt ein Problem derzeit besonders unter den Nägeln: Nach der gründlichen Innensanierung 2007 hat jetzt die Außenfassade der Kapelle einen kritischen Zustand erreicht. Zahlreiche Stein- und Mörtelstücke haben sich bereits gelöst. Güse appelliert an die Osnabrücker, der Kapelle zum 150. ein Geburtstagsgeschenk″ etwa in Form einer Profilkonsole (ab 235 Euro) oder eines Quadratmeters Fugensanierung (90 Euro) gegen Spendenquittung zu machen. Nur dann kann die Kapelle als Kulturstätte wie für Konzerte in der Veranstaltungsreihe Neues Leben zwischen alten Gräbern″ zugänglich bleiben (Näheres im Internet unter www.hasefriedhof-johannisfriedhof.de).
An diesem Sonntag, 24. April, findet ab 15 Uhr in der Kapelle aus Anlass ihres 150-jährigen Bestehens ein Violinenkonzert von Studierenden des Instituts für Musik der Hochschule Osnabrück statt. Anschließend hält Kunsthistorikerin Silke Grade den Festvortrag zum Thema Der Osnabrücker Rundbogenstil, sein Architekt und sein kleinstes Beispiel″.

Bildtext:

Aus der Distanz sieht alles noch prima aus. Wenn man näher herantritt, erkennt man, dass zahlreiche Zierkonsolen zerbröseln. Ein Holzbaldachin schützt Besucher der Kapelle vor Steinschlag. Foto: Joachim Dierks

Die Kapelle auf dem Hasefriedhof wird in diesem Jahr 150 Jahre alt. Der neuromanische Rundbogenstil verrät die Handschrift des Stadtbaumeisters Wilhelm Richard.

Foto: Archiv Medienzentrum Osnabrück
Autor:
Joachim Dierks


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