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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Mountainbike fahren will gelernt sein
Zwischenüberschrift:
Schnupperkurs der Bergschule Osnabrück vermittelt die Grundlagen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zum Mountainbikefahren wird kein Führerschein benötigt. Jeder kann sich im Prinzip aufs Rad setzen und losfahren. Dennoch will das richtige Fahren gelernt sein. Ein Besuch im Schnupperkurs der Bergschule Osnabrück.
Osnabrück. Der letzten Wagen erreicht den Parkplatz Bramheide. Die Gruppe ist nun komplett. Jetzt müssen nur noch schnell die Mountainbikes aus den Fahrradhaltern der Autos geholt werden. Dann kann es sofort losgehen.
Na ja, so schnell dann doch wieder nicht. Denn bevor die frohe Runde in die Pedale treten will und darf, möchte Kursleiter Niels Auer seine Mitfahrer noch in die Geheimnisse des Radfahrens im Gelände einweihen. Noch einmal die Schulbank drücken? Zum Radfahren lernen? Das sollte doch fast jeder können, oder? Matthias Guder von der Bergschule Osnabrück nickt zustimmend. Die meisten Menschen können es schon, sicher.″ Doch dieses Wissen reiche nicht immer aus, um mit einem Mountainbike über Stock und Stein zu kommen. Wir bringen unseren Kursteilnehmern die wichtigen Techniken und Verhaltensregeln bei, um kräftesparend und sicher über die Wege zu fahren.″
Doch Matthias Guder und sein Team sehen sich auch ein wenig als Botschafter für das Osnabrücker Land. Und weil sich die Schulbank im Terra-Vita-Park befindet, darf auch der Umweltschutzaspekt nicht fehlen. Unsere Gegend ist doch so schön, dass wir hier unseren Sport in einer Gemeinschaft gut ausüben können, wir uns aber gleichzeitig so verhalten, dass Natur, Waldbewohner und Mitmenschen nicht gestört werden.″
Egal mit welcher Intension die Schüler auf Tour gehen wollen, der Bedarf an derlei Unterricht ist durchaus vorhanden und steigt stetig. Daher bietet die Bergschule regelmäßig in drei Technikstufen Kurse zum Mountainbikefahren an. Doch nicht nur hier in der Friedensstadt schätzen die Radler die Vorzüge einer schönen Landschaft und einen profunden Schulunterricht. Über die Landesgrenze hinweg bis weit ins südliche Münsterland reicht inzwischen der gute Ruf des heimischen Nettetals.
Was das Sauerland kann…
Die hiesigen Wälder lassen sich nicht nur im Fahrradsattel, sondern auch in Wanderschuhen erkunden. So stehen neben Radfahren auch Kurse zum richtigen Bergwandern mit auf dem Lehrplan. Bergwandern im platten Norddeutschland? Da muss Matthias Guder schmunzeln. Wir Osnabrücker wissen natürlich, dass wir zwischen Wiehengebirge und Teutoburger Wald leben und schon etwas kräftiger in die Pedale treten müssen oder uns beim Wandern ein klein wenig mehr anstrengen müssen, wenn es wieder bergauf geht″. Doch wissen es auch die anderen? Gerade in den Tiefen des südlicher gelegenen Bundeslandes zieht es die Nachbarn aus NRW lieber ins Sauerland als ins Osnabrücker Land.
Dabei können bereits im Nettetal bis zu 800 Höhenmeter erklommen werden. Heute werden es allerdings nur″ 500 Höhenmeter sein, verrät Niels Auer vorab. Schließlich ist es ja der Schnupperkurs″, in dem knapp ein halbes Dutzend Männer und Frauen an ihrem fahrerischen Können feilen wollen. Bevor nur alle in die Pedale treten dürfen, erklärt Fahrlehrer Niels zunächst Funktionen und Aufbau einer modernen Kettenschaltung und noch wichtiger –, was beim sicheren Bremsen alles zu beachten ist.
Vorsicht, Fußgänger!
Doch dann startet das dreistündige Naturerleben. Zum Kennenlernen des Gefährts rollt die Gruppe zunächst über asphaltierte Wege. Als Erstes rauscht ein Straßenschild vorbei („ Höchstgeschwindigkeit: 50 Kilometer pro Stunde″ und Vorsicht, Fußgänger″). Das mit den Fußgängern ist vernünftig, die 50 km/ h scheinen hingegen doch arg ambitioniert. Noch. Die Fahrt beginnt ja gerade erst.
Wenige Meter später geht es dann rechts ab. Die erste Geländelektion kann beginnen: Welche Grundhaltung ist bequem und gleichzeitig optimal, um mit seinem Mountainbike zügig und sicher durch den Wald zu kommen? Der Fahrradsattel ist oft überflüssig oder zumindest im Wege. Der Pedaleur steht mehr auf den Pedalen, und die Arme sind leicht eingeknickt. So lassen sich Bodenunebenheiten besser abfedern″, verrät Niels Auer den Mitfahrerinnen und Mitfahrern.
Langsam kreist er auf seinem Drahtesel um seine Schüler. Wichtig sind ebenso Bremsmanöver. Die Krux dabei: Die Geschwindigkeit muss verringert werden, ohne eine Bremsspur im Wald zu hinterlassen. En passant erfahren die Anwesenden auch, dass das schnelle Downhillfahren″, quer durch die freie Natur tabu ist. Tiere können aufgeschreckt werden, Spaziergänger, Wanderer und auch der Sportler selbst verletzt werden. Das ist ein absolutes No-Go″, hat Matthias Guder bereits im Vorfeld erklärt.
Bereits an der nächsten Weggabelung können die Radler ihr erlerntes Wissen anwenden: Ein Pärchen samt Haushund kreuzt den Weg. Alle halten an und lassen dem Trio den Weg nach oben. Selbst der kleine Racker hat trotz Allradantrieb leichte Probleme, den Anstieg überhaupt zu schaffen. Mit leichten Mühen erreichte dann aber auch Bello das Plateau, wo Frauchen und Herrchen schon auf ihn gewartet hatten. Da fahren wir auch gleich hoch!″, meint Niels Auer lakonisch und zeigt auf den oberen Rand des Pfades. Niemand protestiert, niemand widerspricht. Niemand kommt auf den Gedanken, es nicht zu schaffen.
Doch noch sind die Steigungen einfacher. Unterwegs genießen weitere Mountainbiker das hügelige Terrain des Nettetals. Ein freundlicher Gruß, und schon sind die Profis vorbeigeradelt. Ein dicker Zweig am Wegesrand dient nun als Aufgabe. Zunächst gilt es, punktgenau vor dem Hindernis anzuhalten und darum herumzufahren. Hört sich anfangs leichter an als gesagt, doch nachdem alle sich an dieser Aufgabe geübt haben, läuft es wie am Schnürchen.
Bereits sehr professionell sehen die Versuche der nächsten Schwierigkeitsstufe aus: Wie lässt sich der kleine Ast sicher überfahren? Die Grundhaltung einnehmen, stehend, den Schwerpunkt leicht nach hinten verlagern, vorsichtig darüberfahren so lautet die Lösung.
Von Minute zu Minute werden die Frauen und Männer sicherer und das sportliche Zweirad zum Freund. Kaum zu glauben, wie schnell die drei Stunden vorbei sind. Am Ende hat Niels Auer recht behalten: Der Hund mag Probleme gehabt haben, auf dem Zweirad gibt es diese nicht. Die Aussicht von oben entschädigt für alle Anstrengungen.
Frauen und Männer
Gibt es zwischen Männern und Frauen Unterschiede beim Mountainbiking? Sicher″, erklärt Matthias Guder und verrät: Für Frauen stehen mehr der Fahrgenuss und die Gemeinschaft im Vordergrund. Männer sehen mehr das Kräftemessen als wichtigen Antriebsfaktor an.″ Von daher verwundert es nicht, dass die Mädels ihre Männer oft lieber alleine auf die Piste schicken und dann als Damenrunde gemeinsam nach oben radeln.
Wer noch kein eigenes Mountainbike sein Eigen nennt und dennoch in einer Gruppe durch das Nettetal streifen will, für den hält die Bergschule Osnabrück ebenfalls ein Angebot parat: Sie vermietet die geländegängigen Drahtesel auch. Hinzu kommen Fahrkurse in drei Schwierigkeitsstufen sowie der bereits erwähnte Schnupperkurs. Wandern und Klettern stehen ebenfalls auf dem Stunden- und Tourenplan der Schule. Die Angebote finden sich im Internet.

Bildtext:

Das richtige Bremsen ist das A und O, nicht zuletzt, weil Bremsspuren im Wald tabu sind.

Zur Ausrüstung eines Mountainbikers gehört selbstverständlich ein Schutzhelm.

Ein Ast ist eine Herausforderung, die sich mit der richtigen Technik aber leicht meistern lässt.

Durchs wilde Nettetal: Kursleiter Niels Auer zeigt den Anfängern, was alles möglich ist.

Fotos: Helge Holz
Autor:
Helge Holz


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