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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Schwere Geburt, gutes Ergebnis
Zwischenüberschrift:
Aus dem wenig attraktiven „Hinterhof der Großen Straße″ wurde die Kamp-Promenade
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Parkplätze auf abgeräumten Trümmergrundstücken gehörten auch noch 50 Jahre nach dem Ende des Bombenkriegs zum vertrauten Anblick von Innenstadtquartieren. Die Fläche zwischen Kamp und Großer Hamkenstraße erhielt erst 2004 in Gestalt der Kamp-Promenade ein neues Gesicht.
Osnabrück. Noch 1989 war die Parkfläche aus Mitteln des Städtebau-Förderungsprogramms aufgehübscht worden. Vorher: Flicken-Asphalt, krumme Begrenzungspfähle, rostige Ketten. Danach: Ansprechendes Kleinpflaster, gerade weiße Striche zur Abgrenzung der 116 Parkbuchten, Pflanzbeete dazwischen, vier Platanen, 29 Linden und Hainbuchen.
Die Hinterhof-Atmosphäre war beim Blick auf die wenig erhebenden Haus-Rückseiten der Großen Straße damit allerdings nicht beseitigt. Aufenthaltsqualität? Fehlanzeige. Wesentliche Funktion der Großen Hamkenstraße war es, eine Anlieferungs- und Entsorgungsgasse für die Geschäfts- und Bürohäuser des Fußgängerbereichs Große Straße abzugeben. Das Parkdeck hinter dem Gebäude des Deutschen Rings, ein hässlicher Betonklotz aus den 1960er-Jahren, verhinderte eine vernünftige Raumkante″, wie die Stadtplaner sagten es lag allen Bemühungen um eine optische Aufwertung der Randbebauung im Wege.
Im Mai 1989 fiel das letzte Haus auf der Westseite der Großen Hamkenstraße, das bis zuletzt ein Blumengeschäft beherbergt hatte. Die Fläche wurde fürs Erste dem Parkplatz zugeschlagen. Im Rathaus herrschte jedoch Einigkeit darüber, dass ein Parkplatz auf diesem Filetstück″ im Zentrum nur eine Zwischenlösung sein könne. 1991 tauchten Pläne für ein Kulturelles Zentrum Alte Münze″ auf. In Nachbarschaft der bereits fertiggestellten Universitätsbibliothek sollten die Stadtbibliothek und die Volkshochschule ein neues Zuhause bekommen. Dass man dafür 500 000 DM an kassierten Zuschüssen für die Sanierung des Parkplatzes hätte an Land und Bund zurückzahlen müssen, erschien noch als die geringste Hürde. Insgesamt gerieten die Kostenanschläge aber so hoch, dass die Stadt das Investitionsprogramm angesichts der Haushaltslage rasch zu den Akten legen musste.
1997 brachte die CDU-Stadtratsfraktion eine Neugestaltung des Bereichs am Kamp″ mit einem Einkaufszentrum auf die Tagesordnung. Ihr schwebte eine Fortführung der Passagen aus der Großen Straße″ vor, die mit einem gläsernen Witterungsschutz überdacht werden sollten. Eine Tiefgarage sollte Ersatz schaffen für die entfallenden ebenerdigen Parkflächen. Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip gehörte zu den Befürwortern der ersten Stunde. Seine SPD war ebenfalls nicht abgeneigt, wollte aber zunächst geprüft haben, ob sich der Bereich als neuer zentraler Busbahnhof eigne. In die gleiche Kerbe schlug der Osnabrücker Immobilienkaufmann Theodor Bergmann, der als Nebeneffekt große Entwicklungsmöglichkeiten für einen Neumarkt ohne Busbahnhof entdeckte. Von einem Einkaufszentrum an dieser Stelle hielt er hingegen nicht so viel: Man dürfe die Entwicklung der Einzelhandelsflächen nicht isoliert betrachten, sondern müsse den Neumarkt einbeziehen. Sonst drohe die Johannisstraße völlig abgehängt zu werden.
Für Stadtbaurat Jörg Ellinghaus war klar: Die Lage ist für einen Busbahnhof viel zu schade.″ Auch die Stadtwerke schüttelten den Kopf, die Verkehrsführung sei nicht darstellbar. So wurde die Busbahnhof-Alternative verworfen, ebenso ein ins Gespräch gebrachter großer Kino komplex. Am Ende waren alle politischen Kräfte wie auch IHK und Einzelhandelsverband für ein Einkaufszentrum. Allerdings unter zahlreichen Nebenbedingungen: 15 Millionen DM seien für das städtische Grundstück hinzulegen, Erweiterungsflächen für die Uni-Bibliothek zu integrieren, das Altlasten-Risiko zu übernehmen und ein enger Bauzeitenplan trotz Vorrangs für archäologische Untersuchungen zu garantieren.
Die Auflagen erwiesen sich als überspitzt: Von 15 Investoren, die die Ausschreibungsunterlagen abgerufen hatten, stieg einer nach dem anderen aus, beim Submissionstermin im Mai 1998 lag kein einziges unterschriebenes Angebot vor. Es gingen vier weitere Jahre ins Land, in denen um die Anzahl der Tiefgaragenplätze gerungen wurde, um eine dritte Geschossebene mit Verkaufsflächen, um den Abriss des Parkdecks, um den Durchstich zur Großen Straße, um eine breitere Einflugschneise″ vom Jürgensort, um Fassadendetails.
Im Juni 2002 war schließlich der Vertrag mit der niederländischen Multi Development Corporation (MDC) unter Dach und Fach, deren Plan 11 000 Quadratmeter für Einzelhandel und Gastronomie sowie 2000 Quadratmeter Büroflächen bei einer Bausumme von 60 Millionen Euro vorsah. Bei der Einweihung im September 2004 gab es viel Lob für die ansprechende Architektur. Im Mai 2005 zeichnete eine internationale Organisation die Kamp-Promenade in der Kategorie Kleine Center″ als bestes europäisches Einkaufszentrum″ aus.

Bildtext:

Seit zwölf Jahren ist Osnabrück mit der Kamp-Promenade um ein Einkaufszentrum reicher. Foto: Joachim Dierks

Das Eiscafé Toscani an der Großen Hamkenstraße war 1966 ein beliebter Schülertreff, wozu auch der benachbarte Flipper-Salon Trix″ und eine Pommes-Bude beitrugen. Wer eine Velosolex (Bildmitte) besaß, hatte leichtes Glück bei den Frauen. Dieser Toscani-Altbau wurde 1984 durch einen Holz-Pavillon ersetzt, der wegen seiner Ähnlichkeit mit der Disco auch als Mini-Hyde-Park″ bezeichnet wurde. Foto: J. Dierks

Der Parkplatz zwischen Kamp und großer Hamkenstraße war über Jahrzenhnte ein städtebaulicher Schandfleck. Unser Leser Joachim Behrens hielt im Februar 1988 diesen Zustand fotografisch fest, nachdem der Neubau der Uni-Bibliothek (am rechten Bildrand) fertiggestellt, der Parkplatz aber noch nicht saniert war. Das geschah im Folgejahr. Bis September 2002 betrieb die OPG den Parkplatz weiter, dann wurde er für den Bau der Kamp-Promenade aufgegeben.
Autor:
Joachim Dierks


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