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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Rennen um Krötenweibchen im Nettetal
Zwischenüberschrift:
Seit 25 Jahren wird der Bereich während der Amphibienwanderung für Autos gesperrt
Artikel:
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Originaltext:
Wenn die Nacht sich über das Nettetal senkt, kriechen sie hervor: Kröten, Grasfrösche und Molche auf dem Weg zu ihren Laichgewässern. Seit 25 Jahren werden Teile des Nettetals in diesen Stunden für Autos gesperrt. Aber lohnt sich das überhaupt? Die Antwort auf diese Frage soll Amphibienforscher Karl-Robert Wolf geben.
Osnabrück/ Wallenhorst. Es nieselt, es ist dunkel und kühl, aber nicht eisig. Aus Krötensicht perfektes Wetter. 7, 8 Grad Celsius beträgt die Temperatur am Boden Wolf hat noch einmal gemessen. Mit Stirnlampe, Karte und Bleistift zieht er los, um für die Gemeinde Wallenhorst und die Stadt Osnabrück in den Bereichen Garthauser Reihe und Forellenzucht festzustellen, welche und wie viele Tiere da seit so vielen Jahren überhaupt vor dem Überfahren bewahrt werden.
Schon auf dem letzten Straßenstück zwischen Sperrankündigung und Vollsperrung an der Straße Anne Wiewellen ist Slalomfahren angesagt. Die Kröten auf dem Asphalt kümmert das Auto nicht sie halten still. Es sind Männchen, die schon die typische Spähstellung eingenommen haben, erläutert Wolf. Sie warten auf die Weibchen und kommen erst wieder zu sich, wenn sie deren typische Bewegungen wahrnehmen. " Es könnte ein Zug direkt vorbeifahren, und er würde sich nicht bewegen", erläutert Wolf und hebt einen Krötenmann hoch auf die Handfläche. Er wehrt sich nicht, genießt vielmehr die Wärme, die von Wolfs Hand ausgeht. Unter Todesgefahr könnte er sich durchaus wehren, denn Kröten sind giftig. Doch nur bei größter Bedrohung lassen sie das giftige Sekret aus ihren Drüsen am Rücken.
Der innere Wecker der Kröten hat schon Mitte, Ende Januar geklingelt. Seitdem ist langsam ihr Stoffwechsel hochgefahren, und sie sind aus ihren Erd- und Wurzellöchern gekrochen, aber noch sind die wechselwarmen Tiere träge. " Zum Verdauen brauchen sie 15 Grad Celsius", erläutert Wolf. Er hat über das Wanderverhalten der Erdkröten im Stadtgebiet von Osnabrück promoviert. Wenn einer etwas über sie weiß, dann er. Von " Bufo bufo", so der lateinische Name der Erdkröte, ist der Biologe seit den 1990er-Jahren fasziniert und wer ihn eine Weile begleitet, versteht warum.
Wolf notiert " EM" für " Erdkrötenmännchen" auf der Karte. Still ist es im Nettetal. Nur das Rauschen der Nette an Knollmeyers Mühle ist von Ferne zu hören, ab und zu ruft ein Kauz. Und hin und wieder ertönt der Abwehrruf der männlichen Kröten und das Grunzen der Grasfrösche in den umliegenden Gewässern. " Eins, zwei, drei, vier", zählt Wolf und macht irgendwann nur noch Striche. Es sind überwiegend Erdkrötenmännchen, die er an diesem Abend zählt, für die Weibchen notiert er " EW". Die Männchen sind kleiner als die Weibchen, haben kräftige Unterarme und tragen dunkel gefärbte Brunftschwielen an den Fingern, um sich an den Weibchen festzukrallen und den Rest des Weges tragen zu lassen. Bereits auf dem Weg zu den Gewässern warten sie auf die Krötendamen, um sich eine zu sichern. Auf ein Weibchen kommen im Schnitt drei Männchen.
Einige Meter weiter Richtung Wassermühle sitzt der erste " Doppeldecker". Wolf notiert " DD" für das Weibchen, das ein Männchen auf dem Rücken trägt. Berührt er das Männchen am Rücken, streckt es ihm ein Bein entgegen und brummt. Die Kröte glaubt, Wolf sei ein Rivale, und will ihr Weibchen verteidigen, das die noch unbefruchteten Eier bereits in sich trägt 1500 sind es im Schnitt. Die Tiere orientieren sich bei ihrer Wanderung mithilfe des Erdmagnetfelds. Als Jungtiere wandern sie von ihren Geburtsgewässern fort. Mit der Geschlechtsreife bei Männchen nach drei Jahren und bei Weibchen nach vier Jahren drehen sie sich um 180 Grad und kehren zurück. Männchen lassen sich von den Weibchen aber auch in ganz andere Richtungen tragen und fallen in Trance, damit ihr innerer Kompass sie nicht stört.
Auch wenn Bufo bufo eine der am häufigsten vorkommenden Amphibienarten Europas ist, genießt die Erdkröte den Status " besonders geschützt". Bei der Sperrung im Nettetal geht es nicht so sehr um den Arterhalt, sondern vielmehr um Tierschutz. " Es ist eine sehr sinnvolle Maßnahme und einfach durchzuführen", sagt Wolf, der an mehreren Abenden zählt.
" Eins, zwei, drei, vier", geht es weiter. Zwischendurch verzeichnet Wolf noch zwei Grasfrösche, und dann, kaum auf dem grauen Asphalt zu erkennen, taucht ein Bergmolch im Schein von Wolfs Stirnlampe auf. Es ist ein Männchen, gut zu erkennen an dem Kamm auf seinem Rücken, der einer Perlschnur ähnelt. Sein Bauch ist leuchtend rot-orange. Die Molche finden ihre Partner erst im Wasser, wo die Männchen eine blaue Färbung annehmen.
Noch während der Datenerhebung kann Karl-Robert Wolf feststellen: " Die Artenvielfalt ist gegeben." Die Umgebung sei ideal für die verschiedenen Amphibien, nicht zuletzt für den Feuersalamander, der sich an diesem Abend allerdings nicht blicken lässt: " Schön hügelig, Hochbuchenwälder, Quellen, Bachbereiche, zerklüftetes Gestein das ist ein wunderbares Revier."

Weitere Bilder unter www.noz.de/ wallenhorst
Bildtexte:
Die Krötenmännchen (oben) sind deutlich kleiner als die Weibchen, die bereits die Eier in sich tragen.
Dr. Karl-Robert Wolf notiert für dieses Krötenpaar " DD" (" Doppeldecker") auf seiner Karte.
Original (unten) und Fälschung: Der Bergmolch ist auf dem Asphalt kaum zu erkennen. Die Kunststoffnachbildung trägt schon das hellere Blau, das der Molchmann annimmt, wenn er sein Laichgewässer erreicht hat.
Auch Grasfrösche sind im Nettetal unterwegs. Ihre Haut ist glatter als die der Erdkröten.
In der Zeit der Amphibienwanderung ist das Nettetal nachts großzügig abgesperrt.
Leuchtend orangefarben ist der Bauch des Bergmolchs.
" DD" für Doppeldecker notiert Wolf auf seiner Karte. Der Krötenmann hat sich bereits ein Weibchen geschnappt und lässt sich fortan tragen.
Die Funde trägt Karl-Robert Wolf auf der Karte ein.
Dieses Krötenmännchen wartet in einer Pfütze am Straßenrand.
Fotos:
Elvira Parton
Autor:
Sandra Dorn


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