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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Langsames Sterben der Hauptschulen
 
Hauptschulen auf dem Abstellgleis
Zwischenüberschrift:
Binnen zehn Jahren wurden in Niedersachsen rund zwei Drittel der Bildungseinrichtungen geschlossen
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Zwei von drei Hauptschulen wurden im Nordwesten in den vergangenen zehn Jahren geschlossen. Dies hängt nach Angaben des Landes mit sinkenden Schülerzahlen zusammen aber auch damit, dass andere Schulformen bevorzugt werden.

In Niedersachsen sind binnen zehn Jahren zwei von drei Hauptschulen geschlossen worden. Damit liegt das Bundesland sogar über dem bundesweiten Durchschnitt. Das hat eine Anfrage unserer Redaktion beim niedersächsischen Kultusministerium ergeben.
Osnabrück. Zwischen dem Schuljahr 2004/ 2005 und 2014/ 2015 hat sich die Zahl der Hauptschulen in Deutschland um 42 Prozent verringert. Das hat das Statistische Bundesamt am Donnerstag bekannt gegeben. Auf Niedersachsen bezogen, sieht das Hauptschulsterben sogar noch dramatischer aus. Hatte es 2004 im ganzen Bundesland noch 393 Hauptschulen gegeben, so verringerte sich diese Zahl in den darauf folgenden zehn Jahren auf 146. Das entspricht einem Rückgang von rund 62 Prozent.
Auch im Regionalabteilungsbezirk Osnabrück, der unter anderem die Landkreise Emsland, Leer, Oldenburg, Osnabrück, Grafschaft Bentheim und die kreisfreien Städte Delmenhorst und Oldenburg umfasst, ist die Quote der geschlossenen Hauptschulen hoch. Für das Jahr 2004 wurden in diesem Bereich noch 153 Hauptschulen gezählt, zehn Jahre später waren es nur noch 50. Damit existierten 2014 rund 68 Prozent der Hauptschulen nicht mehr, die es wenige Jahre zuvor noch gegeben hatte. Für die anderen Regionalabteilungsbezirke kann eine ähnliche Entwicklung festgestellt werden, wenn auch in etwas abgeschwächter Form. Für Braunschweig verzeichnet das Kultusministerium einen Rückgang von 76 auf 39 Schulen, im Bezirk Hannover sank die Zahl von 77 auf 31 und in Lüneburg von 87 auf 26.
Laut Kultusministerium habe dieser Rückgang neben dem demografischen Wandel, der insgesamt zu sinkenden Schülerzahlen führt, auch mit einem veränderten Auswahlverfahren der Kinder und Eltern zu tun. Wenn sie nach der Grundschule vor der Entscheidung stehen, auf welche Schulform sie nun wechseln sollen, steht die Hauptschule bei den Schülern nicht hoch im Kurs.
2004 wählte rund jeder fünfte Schüler die Hauptschule, zehn Jahre später nicht einmal mehr jeder zwanzigste. Zum Vergleich: 1960 besuchten noch rund 70 Prozent der Siebtklässler in Niedersachsen eine Hauptschule.
Doch nicht nur die Zahl der Hauptschulen ist in den vergangenen Jahren drastisch zurückgegangen. Eine ähnliche Entwicklung kann auch für die Realschulen beobachtet werden. Zwischen 2004 und 2014 sind in Niedersachsen rund 43 Prozent der Realschulen geschlossen worden. Ging 2004 noch rund jeder dritte Schüler auf eine Realschule, so waren es nach Angaben des Kultusministeriums zehn Jahre später nur noch 14, 5 Prozent.
Demgegenüber lässt sich jedoch ein Anstieg bei Integrierten Gesamtschulen verzeichnen binnen zehn Jahren von 33 auf landesweit 91 Schulen. Laut Kultusministerium würden sich Schulträger mittlerweile häufig dazu entschließen, Schulen zu schließen, sie zusammenzufassen oder stattdessen Gesamt- oder Oberschulen anzubieten.
Diese Entwicklung wird von der Bildungsgewerkschaft Erziehung und Bildung (GEW) begrüßt. " Die GEW setzt sich dafür ein, dass immer mehr inklusive Gesamt- und Gemeinschaftsschulen entstehen. Sie sind aus pädagogischen und sozialen Gründen die Schulform der Gegenwart und Zukunft", sagte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe im Gespräch mit unserer Redaktion.
Die Zahl der Gymnasien ist recht stabil geblieben, sie ist sogar leicht gestiegen, von 244 auf 257 Schulen. Beinahe die Hälfte der niedersächsischen Fünftklässler besucht mittlerweile ein Gymnasium (42, 4 Prozent im Jahr 2014). 1960 waren es noch deutlicher weniger, nur 14, 8 Prozent.

Aus den Schulen und der Schulpolitik: Mehr Berichte lesen Sie auf noz.de/ bildung

Kommentar
Fatales Signal

Die Politik hat die Hauptschulen längst zum Auslaufmodell erklärt. Viel zu wenig Geld wurde in den vergangenen Jahren in den Lehrplan gesteckt. Die Qualität des Abschlusses hat dadurch gelitten. Mit schlimmen Folgen: Denn nicht nur die Schulen, auch die Schüler sind nicht mehr gewollt.

Der Zugang zu zahlreichen Ausbildungsberufen, für die sie früher als befähigt galten, wird ihnen verwehrt und das, obwohl in den vergangenen Jahren stets Zehntausende Ausbildungsplätze unbesetzt blieben. In Zeiten des Fachkräftemangels ist dies nichts anderes als eine Verschwendung von Ressourcen. Das Signal, das den Hauptschülern dadurch gegeben wird, ist ein fatales: Ohne Abi, ohne Hochschulstudium ist man angeblich nichts. Aus Angst vor dieser Perspektivlosigkeit wählen sie dann eine höhere Schule, was den eigentlichen Sinn des dreigliedrigen Schulsystems konterkariert. Kommen sie dann nicht mit dem Lernstoff hinterher, führt dies zu Ausgrenzung und Frust.

Auch den schwächeren Schülern muss gezeigt werden, dass sie genauso wichtig für die Gesellschaft sind wie Abiturienten. Eine Abschaffung der Hauptschulen ist kein Allheilmittel. Vielmehr sollte es darum gehen, den Abschluss an sich wieder aufzuwerten.

Hauptschule
Den meisten Eltern ist es wichtig, dass ihre Kinder einen guten Beruf haben, wenn sie erwachsen sind. Die Grundlage dafür ist eine gute Bildung. In Deutschland ist das Abitur der höchste Schulabschluss. Man kann es am Gymnasium machen. Früher konnten diese Schule nur wenige Kinder besuchen. Eltern waren zufrieden, wenn ihr Kind die Hauptschule besuchte. Denn mit dem Hauptschulabschluss fand ein Schüler meist ohne Probleme einen Ausbildungsplatz. Heute ist das anders. Viele Hauptschulen wurden geschlossen, weil es nicht mehr genug Schüler für sie gibt. Dafür besuchen immer mehr das Gymnasium. Hauptschüler hören heutzutage häufig, dass sie nicht viel können. Auch wenn das gar nicht stimmt. Außerdem fordern viele Unternehmen höhere Abschlüsse. Dass jemand mit Abitur und Uniabschluss am Ende mehr Geld verdient, muss übrigens nicht sein. Auch mit einem Hauptschulabschluss und einer Ausbildung kann man in einigen Berufen viel Geld verdienen.
Autor:
Christian Lang


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