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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
"Ein Neumarkt zum Flanieren ist zurzeit kaum realisierbar"
Zwischenüberschrift:
Der Vorsitzende der neuen Wählergruppe "Bund Osnabrücker Bürger" (BOB) Steffen Grüner im Interview
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Am Anfang stand ihr Protest gegen die Neumarkt-Sperrung, jetzt will die parteiunabhängige Wählergruppe " Bund Osnabrücker Bürger" (BOB) in den Rat. Ihr Vorsitzender, der Arzt Steffen Grüner, äußert im Interview, wo der BOB vor der Kommunalwahl am 11. September nach Wählerstimmen fischen will.
Die Stadt hat den Neumarkt wieder für Autos freigegeben. Ist Osnabrück für Sie damit lebenswerter geworden?
Der Verkehr auf dem Wall ist flüssiger geworden, die Fahrzeiten haben sich verkürzt, das kommt den Anwohnern und der Umwelt zugute. Schon die Größe des Wallrings verdeutlicht, dass der Neumarkt heute für den Verkehr erhalten bleiben muss. Allerdings scheint momentan alles darangesetzt zu werden, diese wichtige West-Ost-Achse unattraktiv zu gestalten: unkoordinierte Fußgängerampeln, die Unmöglichkeit, sich zwischen den Bussen am Landgericht in den Kollegienwall einzufädeln usw.
Sehen Sie nicht die Gefahr, dass immer mehr Durchgangsverkehr angezogen wird und die Stadtmitte mit Schadstoffen belastet wird?
Die Hauptverursacher der Stickoxide am Neumarkt sind die Busse. Hier ist dringender Handlungsbedarf gegeben. Die Lösung kann daher nicht sein, einfach nur die Autos auf dem Neumarkt verbieten und auf den überlasteten Wall zu verbannen. Außerdem ist die Fokussierung auf den Messpunkt Neumarkt fragwürdig, es sollte noch mehr Messpunkte am Wall und den Zubringern geben.
Sie setzen sich dafür ein, dass der Neumarkt dauerhaft eine Autostraße bleibt. Wäre es auch in Ihrem Sinne, die Fußgängerzonen wieder für den motorisierten Individualverkehr zu öffnen?
Die Lösung für den Neumarkt kann nur ein Gesamtkonzept sein, das allen Beteiligten, den Bewohnern der Innenstadt, aber auch den Pendlern aus den umliegenden Stadtteilen und Landkreisen gerecht wird. Es gibt einen gültigen Ratsbeschluss, der hier allen Verkehrsteilnehmern, also Bussen, Fahrradfahrern und Autofahrern eine Fahrspur oder eine Fahrmöglichkeit zubilligt. Ich denke, dies gilt es zu respektieren. Ein Neumarkt zum Flanieren ohne Busse und Autos ist zurzeit kaum realisierbar.
Wie stehen Sie denn zum öffentlichen Personen nahverkehr?
Zum ÖPNV lässt sich sagen, dass er in Osnabrück an einigen Stellen gut, an anderen weniger gut angenommen wird. Wie allerdings ein Neumarkt mit über 2000 Busbewegungen pro Tag einen angenehmen Aufenthaltscharakter haben soll, erschließt sich mir nicht. Grundsätzlich ist die positive Wirkung eines gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehrs natürlich zu begrüßen. Ein Zwangsticket oder eine Zwangsabgabe für den ÖPNV lehne ich ab.
Würden Sie den Bau von Radschnellwegen unterstützen?
Es kommt drauf an. Wenn das zu einer Verbesserung der Verkehrssituation führt, warum nicht?
Der Bund Osnabrücker Bürger hat sich die Neumarkt-Freigabe auf seine Fahnen geschrieben. Mit welchen weiteren Forderungen wollen Sie bei der Kommunalwahl punkten?
Wir möchten vor allem die Ausgabe von öffentlichen Geldern auf den Prüfstand stellen. Hier denken wir zum Beispiel an die teuer bezahlten Gutachten zur Neumarkt-Situation, die klar belegen, dass eine Sperrung ohne Alternativen mehr Probleme als Lösungen schafft warum finden diese Ergebnisse nur einen geringen Niederschlag in den Ratsbeschlüssen? Warum gibt man Gutachten über Gutachten in Auftrag, wenn die Ergebnisse kaum beachtet werden? Dies gilt es kritisch zu hinterfragen. Wichtig ist uns vor allem die parteiübergreifende Zusammenarbeit von Osnabrückern für Osnabrücker, die in kein rigides parteipolitisches oder ideologisches Konzept eingezwängt wird. Deswegen laden wir ausdrücklich alle Osnabrücker ein, sich bei uns zu beteiligen. Jede Entscheidung im Rat soll auf den Nutzen für die Mehrheit der Bürger und nicht für die Wähler einer bestimmten Partei überprüft werden.
Die Stadt Osnabrück kämpft mit einem Rekord-Defizit und hat Mühe, ihre Pflichtaufgaben zu finanzieren. Welche Ideen haben Sie für eine Haushaltssanierung?
Wir plädieren dringend dafür, Public-Private-Partner ship in Osnabrück eine größere Chance zu geben. Wenn zum Beispiel Anwohner anbieten, abgefahrene Straßenpiktogramme auf eigene Kosten zu sanieren, sollte dies nicht an ideologischen Bedenken scheitern.
Da haben Politiker befürchtet, die Tempo-30-Aufkleber würden dann nur noch in den Straßen der Wohlhabenden aufgefrischt.
Das damalige Angebot, einen solidarischen Fonds für alle zu bilden, wurde ebenfalls nicht angenommen.
Glauben Sie, dass sich die Stadt ein Dreispartentheater noch leisten kann?
Es wäre zumindest wünschenswert. Auch hier könnten noch mehr Sponsoren sicherlich mithelfen.
Sehen Sie in der Zusammenlegung von Stadt und Landkreis eine Perspektive?
Ich wäre für eine Fusion, aber sie muss natürlich für beide Seiten von Vorteil sein. Ebenso sollte das Wohl der Steuerzahler im Fokus stehen und nicht das der Posteninhaber.
Noch mal zum Neumarkt. Ihre Position wird doch schon von der CDU vertreten. Wenn Sie ihr bei der Wahl die Stimmen wegnehmen, was ist dann für Sie gewonnen?
Jemand, der mit der Neumarkt- und Verkehrspolitik seiner Partei einverstanden ist, wird seine Partei weiter wählen. Wenn man das nicht ist, bieten wir uns als eine formbare Alternative für alle Osnabrücker an, die den Bürgernutzen in den Vordergrund stellen wird. Ebenso wünschen wir uns Stimmen aus der zurzeit größten Partei: der Partei der Nichtwähler und Politikverdrossenen.

Bildtext:

Der Neumarkt soll nicht das einzige Thema für den Bund Osnabrücker Bürger bleiben: Steffen Grüners BOB will in den Rat. Foto: David Ebener
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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