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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Faun-Lkw gegen Buckel-Taunus
Zwischenüberschrift:
Die Hasebrücke neben der Vitischanze war 1954 nur ein schmaler Durchlass
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Das Nachkriegs-Straßennetz Osnabrücks war das Vorkriegs-Straßennetz. Einspurig ging es 1954 über die Hasebrücke an der Vitischanze. Vier Jahre später wurde die Brücke verbreitert, um den Inneren Ring an dieser Stelle mit sechs Fahrstreifen ausstatten zu können.
Osnabrück. Ähnlich wie die älteren Lichtenberg-Fotos ist auch dieses Bild mit einer bestimmten dokumentarischen Absicht angefertigt worden. Dahinter steckte allerdings nicht das Stadtbauamt, sondern das Gymnasium Carolinum. Das hatte seinen Oberprimanern 1954 aufgegeben, eine Hausarbeit zum Thema " Straßenverkehrsentwicklung und - planung in Osnabrück" anzufertigen. Unser Leser Heinz Lepand aus Bad Iburg hat uns seine damals entstandene Arbeit zur Verfügung gestellt. Manches darin lässt uns heute schmunzeln, vieles erscheint erstaunlich weitsichtig das Wertvollste aber sind wohl die Fotos des Verkehrsgeschehens anno 1954, mit denen er seine Analysen untermauerte. Der heute 81-jährige Doktor der Hüttenkunde nutzte eine Faltbalgen-Klappkamera Agfa-Isolette mit dem Filmformat 6x6.
Lepand nimmt uns mit auf eine Zeitreise zur Hasebrücke, die seit den euphorischen Anfangszeiten der Städtepartnerschaften 1966 " Haarlemer Brücke" heißt, obwohl sie kaum jemand unter diesem Namen kennt. Rechts steht der Barenturm der Vitischanze, in der Bildmitte erkennen wir die Bahnüberführung Hasetor mit der darüber hinausragenden Gründerzeit-Villa Westerkamp (später Laborarzt-Praxis Dr. Enzenauer). Über dem Silo-Lastzug krümmt sich eine alte Gaslaterne, die den Krieg überdauert hat.
Lepand wollte die unzureichende Fahrbahnbreite auf der Brücke dokumentieren. Der vom Rißmüllerplatz kommende Verkehr konnte sich aussuchen, ob er die Straße Hasemauer oder die parallel verlaufende Straße Am Bürgergehorsam (bis 1918: Kaiserwall, bis 1948: Kärntner Wall, seit 1958: Hasetorwall) nutzte, musste sich dann aber durch den Flaschenhals der Hasebrücke quälen, der nur sechs Meter breit war. " Ich habe mit dem Druck auf den Auslöser extra gewartet, bis mir von der Brücke der schwere Faun-Lkw entgegenkam, um zu zeigen, dass dann in der Gegenrichtung kein Pkw mehr an den Radfahrern vorbeikommt, so wie hier der Buckel-Taunus", erinnert sich Lepand.
Im Text seiner Hausarbeit schlug er vor, die Bürgersteige aufzuheben und die Fahrbahn entsprechend zu verbreitern, damit sie " einer Ringstraße genügen" würde. " Für die Fußgänger lassen sich zu beiden Seiten der Haseüberführung Stahlbrücken anbringen, die in ihren Kosten billiger ausfallen würden als eine Gesamtverbreiterung der Brücke", schrieb der verkehrsplanende Pennäler vor 62 Jahren. Er zog zur Begründung die Zahl der in der Stadt angemeldeten Fahrzeuge heran: Sie hatte sich 1954 mit 8029 bereits gegenüber 1937 verdoppelt. Lepand mutmaßte, dass damit noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht sei. Wie recht er hatte heute sind es 93 000.
Den amtlichen Verkehrsplanern der Stadt entgingen die wachsende Fahrzeugdichte und die damit einhergehende Überforderung des Straßennetzes natürlich auch nicht. 1958 verbreiterten sie die alte, 1890 aus Stampfbeton hergestellte Bogenbrücke in zwei Abschnitten, wie der oberste städtische Brückenbauer Lutz Vorreyer den Akten entnehmen kann. Allen Brückenkonstrukteuren unter unseren Lesern wird dies etwas sagen: Zur Vitischanze hin geschah die Verbreiterung mit Spannbetonträgern und auf der Seite des Haseklosters als Trägerrost. Seitdem stehen dem Verkehr sechs Fahrstreifen plus Fahrradspuren und Gehwege zur Verfügung viel mehr noch, als Heinz Lepand 1954 zu träumen und zu fordern wagte.
Dafür ging er damals aber noch in anderen Punkten hart mit den Stadtvätern ins Gericht: Der " Verkehrssammelpunkt für die nördlichen Stadtteile", der Platz am Hasetor, bestehe aus einem " krankhaften Kreisverkehr", aus dem der Abfluss durch falsch angelegte Mittelinseln als Straßenbahn-Haltestellen verstopft werde. Und endlich sei es auch an der Zeit, dass die Stadt die Fußgängerüberwege als " Zebrastreifen" deutlich heraushebe und dadurch sicherer mache, so wie es uns das Ausland vorführe. Auch die Fahrbahnmarkierungen, die in Osnabrück fast nur aus " Silberköpfen" im Kopfsteinpflaster bestünden, müssten durch weiße Striche gekennzeichnet werden wie in Belgien oder den Niederlanden. Am besten male man die Streifen nicht nur auf, sondern lege sie aus weißem Beton in die Fahrbahn ein. Dann würden die Striche nicht schon " nach wenigen Tagen durch die radierende Wirkung der Autoreifen entfernt werden".

Bildtext:

Ganz schön eng ging es noch 1954 auf der Hasebrücke neben der Vitischanze zu. Im Hintergrund ist die ebenfalls noch sehr schmale Bahnüberführung Hasetor zu erkennen. Foto: Heinz Lepanc

Nach der Verbreiterung sind die Fahrspuren näher an die Vitischanze herangerückt. Foto: Joachim Dierks

Das schmiedeeiserne Ziergitter war bis zum Brückenumbau 1958 noch vorhanden und verschwand danach in unbekannten Kanälen. Der kleine Dötz auf diesem Foto von 1932 ist übrigens heute 89 Jahre alt und der Onkel des Autors. Foto: Hans Dierks.
Autor:
Joachim Dierks


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