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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Überlebt, um ihre Geschichte zu erzählen
Zwischenüberschrift:
Erna de Vries zu Gast im Gymnasium "In der Wüste" – 20 Monate in den Händen der Nationalsozialisten
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
1943 wurde sie mit ihrer Mutter in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Im Gegensatz zu vielen anderen, die ermordet wurden, überlebte Erna de Vries. Nun war die fast 93-jährige Zeitzeugin zu Gast im Gymnasium " In der Wüste".
Osnabrück. " Frau de Vries sitzt heute vor Ihnen und erzählt eine Geschichte, die, wie Sie aus Ihrem Unterricht oder anderen Medien wissen, über sechs Millionen Menschen nicht erzählen können", betonte Michael Gander, der Geschäftsführer der Gedenkstätten Gestapokeller und Augustaschacht, die in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Osnabrück, dem Kulturgeschichtlichen Museum sowie dem Felix-Nussbaum-Haus die Zeitzeugengespräche organisieren. Immer wieder ermöglichen sie es jungen Menschen in der Region, mit den Zeitzeugen Erna de Vries und Sally Perel (" Hitlerjunge Salomon") ins Gespräch zu kommen. " Wir sind alle der Meinung", so Gander weiter, " dass solche Begegnungen sehr wichtige Chancen des Lernens sind".
" Als meine Mutter und ich 1943 uns trennen mussten", begann de Vries, " gab sie mir mit auf den Weg: Du wirst überleben und erzählen, was man mit uns gemacht hat". In ihrem ergreifenden und zugleich zutiefst erschütternden Vortrag schilderte die 1923 in Kaiserslautern zur Welt gekommene de Vries, geborene Korn, wie sie die schleichende Umwälzung der gesellschaftlichen Verhältnisse durch die Nationalsozialisten, die unausstehliche Judenhetze und die Zeit im Konzentrationslager Auschwitz erlebte.
" Ich hatte eine schöne, unbeschwerte Kindheit", so de Vries. Nach dem plötzlichen Tod des Vaters im Jahre 1930 sowie der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 verschlechterte sich die Lebenssituation der Korns allerdings rapide. Das Familiengeschäft, ein Speditionsbetrieb, wurde boykottiert. Jüdische Bürger wurden massiv angefeindet und immer weiter ausgegrenzt. ", Alle Juden sind Mörder, kauft nicht bei Juden′, hieß es." Im Zuge der Pogromnacht im November 1938 wurde die Wohnung der Korns völlig verwüstet. " Alles war zerschlagen, die Federbetten waren aufgeschlitzt." Zudem habe man Wasserschläuche ins Haus gelegt und alles unter Wasser gesetzt.
Alsbald gingen Mutter und Tochter nach Köln, wobei die Mutter bereits nach wenigen Monaten wieder nach Kaiserslautern zurückreiste. Als dann die Deportationen losgingen, kehrte auch Erna, die inzwischen eine Lehre zur Krankenschwester angetreten hatte, nach Kaiserslautern zurück, um bei ihrer Mutter zu sein. Am 6. Juli 1943 schließlich sah sie den Gestapo-Wagen vor ihrer Haustür stehen: " Ich wusste, es konnte nichts Gutes heißen. Alle Türen waren offen, und ich hörte schon im Nebenzimmer, wie der SS-Mann mit meiner Mutter sprach, und ich hörte , Deportation′." ", Nein, Sie nicht, nur Ihre Mutter′, sagte der Hauptmann. Das war ein heftiger Schlag für mich."
Die junge Frau aber weigerte sich, alleine zurückzubleiben, und bestand darauf, ihre Mutter begleiten zu wollen, was ihr nach längerem Bitten und Flehen auch zugestanden wurde. Beide kamen nach Saarbrücken ins Staatsgefängnis und wurden anschließend von dort aus nach Auschwitz deportiert, wo die Mutter ermordet wurde. Erna de Vries kam später ins Konzentrationslager Ravensbrück. Nach 20-monatiger Haft erlebte sie am 30. April 1945 auf einem Todesmarsch die Befreiung durch amerikanische Soldaten.

Bildtext:

Volles Haus: Zeitzeugengespräch im Gymnasium " In der Wüste". Fotos: Michael Gründel

Die Auschwitz-Überlebende Erna de Vries bei ihrem Vortrag.
Autor:
Roman Felde


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