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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Verkehrsclub: Elektrobusse sind zu anfällig
Zwischenüberschrift:
Systemwechsel der Stadtwerke von Dieselmotor auf Batteriebetrieb bringt Probleme
Artikel:
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Originaltext:
2018 soll in Osnabrück Deutschlands längste Elektrobus-Linie rollen. Die Stadtwerke geben Millionen dafür aus. Doch ist die Technik überhaupt so weit? Der Verkehrsclub VCD hat Zweifel und fürchtet große Nachteile für Fahrgäste vom Zwangsumstieg bis zum Totalausfall.
Osnabrück. Jüngste Meldungen aus Schleswig-Holstein und Berlin haben den Osnabrücker VCD-Kreisverband alarmiert. In Pinneberg erwies sich ein Elektrobus als lahme Ente, weil er in den 15 Monaten nach seinem Kauf nur sieben Tage lang im öffentlichen Nahverkehr fuhr und den Rest der Zeit kaputt war. Die Berliner Verkehrsbetriebe wiederum resümieren für ihre Elektrobus-Testlinie zwischen Zoo und Südkreuz: Nur an 21 von 134 Tagen seit Ende August waren alle vier Stromfahrzeuge im Einsatz. An den übrigen Tagen waren es weniger, davon 57-mal gar keins. Dann mussten Dieselbusse sämtliche Fahrten übernehmen.
Hersteller in der Pflicht
Der Verkehrsclub fordert deshalb: " Die technischen Probleme der Elektrobusse müssen behoben werden!" Und zwar bevor die Stadtwerke Osnabrück wie angekündigt 9, 1 Millionen Euro (davon gut ein Drittel Landeszuschüsse) ausgeben, um in zwei Jahren die ersten 13 von geplanten 40 batteriebetriebenen Gelenkbussen auf die Strecke zu bringen.
Unsere Redaktion fragte nach: Ist die Zuverlässigkeit bei großen E-Bussen gewährleistet? Die Stadtwerke wissen es nicht. Aber sie wollen die Hersteller in die Pflicht nehmen. Künftige Anbieter hätten klare Bedingungen zu erfüllen, die sich aus jahrelangen Feldversuchen mit neuen Antriebstechniken in Osnabrück und anderswo ergeben würden.
" In der Tat ist die Einsatz- und Betriebsstabilität ein entscheidendes Kriterium für den grundlegenden Systemwechsel von einem dieselbetriebenen zu einem elektrifizierten Nahverkehr", sagt Sprecher Marco Hörmeyer. Für die Dieselbusse der Osnabrücker Stadtwerke liege die Verfügbarkeit bei etwa 95 Prozent. Das bedeutet: Von 100 geplanten Fahrten finden etwa 95 statt. " Kennzahlen unterhalb von 95 Prozent bei der Verfügbarkeit von E-Bussen würden unweigerlich zu einer Beeinträchtigung der Servicequalität und somit auch der Akzeptanz führen."
Mit den beiden Elektrobussen, die bereits seit einigen Jahren in Osnabrück auf der Linie 94 im Einsatz sind, haben Stadtwerke und Fahrgäste diesbezüglich oft leidvolle Erfahrungen gemacht: Gerade zu Beginn, aber auch in der Folge kam es immer wieder zu Ausfällen aufgrund technischer Mängel auch im Moment befinden sich beide Wagen mal wieder in der Werkstatt. Wie die Stadtwerke auf Nachfrage mitteilen, hatte der Minibus (20 Plätze) in der Fahrplanperiode 2014/ 2015 gleichwohl eine Verfügbarkeit von 97 Prozent, der Midibus (45 Plätze) jedoch nur von 83 Prozent. Aktuellere Daten gebe es nicht, heißt es.
Ursächlich für die teils hohe Ausfallrate seien allerdings nicht Probleme mit der Elektro- und Batterietechnik – " die arbeiten zuverlässig", stellt Hörmeyer fest. " Der Grund sind vielmehr Defekte an mechanischen Aggregaten." So hätten die Stadtwerke 60 Tage auf ein Original ersatzteil warten müssen, nachdem beim Midibus der Druckluftkompressor den Geist aufgegeben hatte.
Zudem führe " das weniger gute Service- und Vertriebsnetz" zu teilweise sehr langen Wartezeiten auf einfachste Bauteile wie zum Beispiel Scheibenwischerarme, so der Stadtwerke-Sprecher weiter. Der in Osnabrück eingesetzte Minibus vom Typ Zeus wird in Italien gebaut, der Midibus " Oreos" ist ein französisches Fabrikat. Batteriebetriebene Gelenkbusse mit mindestens 100 Plätzen, wie sie auf der stark genutzten Stadtbus-Linie 41 gebraucht werden, haben bislang nur sehr wenige Hersteller serienreif im Angebot Erfahrungswerte mit Wagen dieser Größenordnung sind folglich knapp.
Umstieg an der Grenze
Offene Fragen beim Thema Reichweite und Akku-Ladestationen geben dem VCD Osnabrück überdies Anlass zur Sorge, dass die Umstellung auf Elektrobusse im großen Stil auch zu mehr Umstiegen führen könnte was Fahrgäste eher abschrecken als anlocken würde. So fährt die Buslinie 41/ 541 bislang kombiniert als Stadt- und Regionalbus die Strecke Düs trup–Neumarkt–Haste–Rulle. Kommt mit dem E-Bus an der Stadtgrenze der Umstieg in Dieselbusse?
Die Stadtwerke antworten ausweichend. Es gebe noch keine endgültigen Entscheidungen hinsichtlich künftiger Linienführungen, erklärt Marco Hörmeyer. Grundsätzlich solle die Linie 41 unverändert bleiben. " Lediglich für die Anbindung von und nach Rulle arbeiten wir derzeit an einer komfortablen Lösung für die Fahrgäste."

Bildtext:

Ein mittelgroßer Elektrobus (Midbus) rollt seit knapp drei Jahren durch Osnabrück - wenn er denn fährt. Denn nicht selten lässt das batteriebetriebene Fahrzeug die Stadtwerke und ihre Kunden technischer Mängel im Regen stehen. Besser läuft es anscheinend mit dem kleinen Elektrobus (Minibus), der bereits 2011 angeschafft wurde. Unser Bild zeigt den Midibus bei einer Schaufahrt für Mitglieder der SPD-Landtagsfraktion im Herbst 2015.

Foto: Jörn Martens

Kommentartext:

Teures Wagnis

Einer muss den Anfang machen. Beim Thema Elektrobusse im ÖPNV haben die Stadtwerke Osnabrück beschlossen, national eine Vorreiterrolle einzunehmen und ab 2020 eine komplette, wichtige Linie mit batteriebetriebenen Fahrzeugen zu betreiben. Es ist ein teures Wagnis. Und natürlich kann es schiefgehen.

Doch das Vertagen des Systemwechsels weg vom Diesel, hin zum Strom würde die Probleme im Stadtverkehr auch nicht lösen. Der Verzicht darauf erst recht nicht. Im Gegenteil: Nur abgasfreie Antriebstechnik, die im großen Stil eingesetzt wird, kann dazu beitragen, krank machende und stinkende Schadstoffe in der Luft (wie sie gerade in der Osnabrücker City nachweislich in viel zu hoher Konzentration vorhanden sind) zu verringern. Und nur lautlose Elektromotoren helfen, Verkehrslärm zu reduzieren, über den sich viele Bürger zu Recht beklagen.

Das viele Fördergeld, welches die Stadtwerke beim Land und anderswo für den Kauf von 40 Gelenk-E-Bussen einsammeln, federt das finanzielle Risiko ab. Und die Fahrzeughersteller werden auch nur bei entsprechender Nachfrage ein passendes Angebot machen und es fortlaufend verbessern.
Autor:
Sebastian Stricker


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