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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Alles in Ordnung am Haus Willmann
Zwischenüberschrift:
Monumentendienst inspiziert Osnabrücks ältestes Fachwerkhaus
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Der Monumentendienst, ein gemeinnütziger Beratungsdienst für die Sub stanzerhaltung historischer Gebäude, hat die Fassade von Osnabrücks ältestem Fachwerkhaus, dem Haus Willmann in der Krahnstraße, eingehend untersucht. Zwischenergebnis: alles in Ordnung.
Osnabrück. Im Giebel steht die Zahl 1586. Das Haus hat mehrere Stadtbrände und einen Bombenangriff überstanden. Es gehört wegen seines reich verzierten Fachwerks zu den meistfotografierten Gebäuden in Osnabrück. Blickfang zu ebener Erde sind natürlich die Schaufensterauslagen der Weinhandlung Fohs. Aber sobald man nach oben schaut, fasziniert die Fassade: Im Zentrum einer Reihe von Sonnenrad-Dekoren ist der Sündenfall von Adam und Eva im Paradies dargestellt. Dieses Motiv schmückte üblicherweise die Aussteuer einer jungen Braut. Viel spricht deshalb dafür, dass das Haus vor 430 Jahren als Heim für ein neuvermähltes Paar errichtet wurde. Die Verzierungen wurden direkt in die Balken geschnitzt, was im 16. Jahrhundert ein kostspieliges Verfahren war.
Die Handwerker vom Monumentendienst haben sich nun den Sündenfall und seine Umgebung mittels Hubsteiger genau angeschaut. Sven Rathjen und Martin Schiebe, ihres Zeichens " Techniker der Baudenkmalpflege und Altbauerhaltung", steuern den Arbeitskorb wieder auf den Erdboden zurück, um dem Auftraggeber Ludwig Willmann und den Monumentendienst-Projektleiterinnen Bente Juhl und Kerstin Stölken einen ersten Eindruck zu vermitteln. Auch Ansgar Westermeyer von der städtischen Denkmalpflege hört aufmerksam zu. Schiebe: " Wie wir bis jetzt festgestellt haben, ist die Fassade in Ordnung. Keine Fäulnis, keine Hohlstellen und kein Wasser dort, wo es nicht hingehört." Auch die einfach verglasten Fenster sie dürften seit 1889, als Familie Willmann Eigentümer wurde, nicht erneuert worden sein machen noch einen tadellosen Eindruck auf die Experten. " Man hat damals alt geschlagenes Nadelholz genommen, das geht praktisch nie kaputt", weiß Westermeyer.
Ludwig Willmann geht es darum, eine gründliche Bestandsaufnahme des Vorderhauses wie auch des rückwärtigen Steinwerks zu bekommen, um gegebenenfalls präventiv eingreifen zu können, bevor sich größere Schäden ausgebreitet haben je älter das Haus, umso wichtiger und letztlich kostensparender ist die vorausschauende Inspektion.
Genau dafür ist der Monumentendienst da. Der Informations- und Wartungsdienst mit Sitz im Museumsdorf Cloppenburg ist ein Projekt der gemeinnützigen Stiftung " Kulturschatz Bauernhof". Er wird vom Land Niedersachsen, von der EU und von zahlreichen Kommunen in Nordwestdeutschland, darunter auch Stadt und Landkreis Osnabrück, unterstützt. " Dadurch sind unsere Dienste recht preisgünstig", erklärt Bente Juhl. Die zweitägige Inspektion durch zwei Fachleute einschließlich einer schriftlichen, reich bebilderten Dokumentation dürfte kaum mehr als 1000 Euro kosten.
" Wir reparieren allerdings nicht, wir gucken nur und bewerten anschließend", gibt Projektleiterin Kerstin Stölken Auskunft. Handlungsempfehlungen werden nach Priorität sortiert: " S" in Rot bedeutet Sofortmaßnahme, " M" ist eine Mittelfristmaßnahme, die in ein bis fünf Jahren angegangen werden sollte, und " L" wie Langfristmaßnahme kann noch fünf bis zehn Jahre warten. " Vorteil für den Eigentümer ist, dass wir ohne jeden wirtschaftlichen Eigennutz beraten und Gewerke übergreifend begutachten", so Stölken.
Die Monumentendienst-Techniker sind universell in allen wichtigen Gewerken ausgebildet, besonders sattelfest in Materialkunde und mit den Wechselwirkungen von Eingriffen vertraut. Da sie jeden Tag historische Gebäude inspizieren mittlerweile sind 1460 Gebäude objektbezogene Mitglieder im Monumentendienst –, haben sie schon so ziemlich alles gesehen, was vorkommen und auch was man falsch machen kann. Ausdrücklich nicht hier bei Willmann, sondern allgemein gesprochen, lautet eine Erfahrungstatsache der Experten: " Die meisten Schäden an alten Gebäuden entstehen nicht durch den Zahn der Zeit, der an ihnen nagt, sondern durch gut gemeinte, aber schlecht gemachte Sanierungen."

Bildtext:

Schwindelfreiheit gehört neben Expertenwissen zu den Fähigkeiten, die ein Monumentendienst-Mitarbeiter mitbringen muss.

Die reichen Verzierungen wurden im 16. Jahrhundert direkt in die Balken geschnitzt der Bauherr von Osnabrücks ältestem Fachwerkhaus muss sehr wohlhabend gewesen sein.

Eines der meistfotografierten Häuser in Osnabrück ist das Haus Willmann in der Krahnstraße. Nun wurde es per Hubsteiger vom Monumentendienst inspiziert. Fotos: David Ebener

Sven Rathjen (links) und Martin Schiebe sind Experten für alte Gebäude. An der Fassade des 1586 errichteten Gebäudes achten sie auf jedes Detail.

Foto: David Ebener
Autor:
Joachim Dierks


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