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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Willkommenskultur und etwas Angst
Zwischenüberschrift:
Sondersitzung des Bürgerforums zu Flüchtlingen am Limberg
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Sie wollten sich informieren, ihre Ängste schildern oder ihre Bereitschaft zum ehrenamtlichen Einsatz bekunden: Fast 150 Besucherinnen und Besucher kamen zum Bürgerforum Haste, Dodesheide, Sonnenhügel, das von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert geleitet wurde.
Osnabrück. Auf der Tagesordnung des 250. Bürgerforums stand ein einziges Thema: die Unterbringung von Flüchtlingen auf dem ehemaligen Kasernengelände am Limberg. Nur ein Anwesender protestierte lautstark gegen die Pläne und die Anwesenheit so vieler " fehlgeleiteter Gutmenschen".
Auf dem Gelände der ehemaligen britischen Kaserne entsteht die bislang größte Flüchtlingsunterkunft in Osnabrück. Neun Mannschaftsunterkünfte inmitten der 70 Hektar großen Fläche werden derzeit wieder bewohnbar gemacht. Bis zu 400 Plätze sollen dort entstehen, die ab Frühsommer bezogen werden können, berichtete Dirk König, Leiter des Eigenbetriebes Immobilien. Schon für die Aufnahme von Flüchtlingen fertig sei ein Haus mit 40 Plätzen nahe der Zufahrt zum Gelände.
Der Oberbürgermeister hatte schon bei der Begrüßung in der Aula des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums darauf hingewiesen, dass die Stadt bis 31. März 800 Flüchtlinge aufnehmen müsse. Angesichts der unklaren Situation in Syrien sei mit dem Zuzug weiterer Flüchtlinge zu rechnen. Darauf müsse sich die Stadt vorbereiten.
Eltern äußern Sorgen
Etliche der Osnabrück zugewiesenen Asylbewerber kämen bei Verwandten und Bekannten unter, berichtete Udo Kunze, Leiter des Fachbereiches für Soziales, Integration und Bürgerengagement. Dennoch sei die Stadt weiterhin auf der Suche nach geeigneten Unterkünften. Die neun Häuser am Limberg würden nach und nach belegt. Auch Flüchtlinge, die schon länger in Osnabrück lebten, würden dort einziehen, um den Zugezogenen bei den ersten Schritten in Osnabrück zu helfen. Der Flüchtlingssozialdienst werde dort ebenso tätig wie ein technischer Hausmeister, und bei Bedarf werde " mehr Personal und ein Sicherheitsdienst" installiert.
Ob es denn nicht von vornherein einen Sicherheitsdienst geben könne, meldete sich eine Mutter, deren Kinder die Astrid-Lindgren-Kindertagesstätte auf dem alten Kasernengelände besuchen. Ein Gespräch mit Kunze und der Evangelischen Jugendhilfe vor einigen Tagen haben die " Unsicherheit nicht minimiert". Viele Eltern hielten die Nähe von Flüchtlingsunterkunft und kleinen Kindern für ungünstig.
Kein Generalverdacht
Die Sicherheit sei gewährleistet, unterstrich Heiner Dierks, Geschäftsführer der evangelischen Jugendhilfe, des Kita-Trägers: " Ich halte die Sorge nicht für tragfähig". Polizeirat Thomas Wechsel warnte vor einem Generalverdacht gegen Flüchtlinge. Er verwies auf die wenige Stunden zuvor veröffentlichte Polizeistatistik. Danach waren 4, 7 Prozent der ermittelten Straftäter in der Region Flüchtlinge. In den meisten Fällen habe es sich um Ladendiebstähle gehandelt. Die Unterkünfte für Flüchtlinge seien durchweg " polizeilich unauffällig".
Fehlgeleiteter Gutmensch
Wechsel unterschied zwischen objektiver und subjektiver Sicherheit. Subjektive Ängste würden auch in Osnabrück immer öfter durch Gerüchte geschürt. Der Polizeirat erzählte ein Beispiel: In Eversburg soll ein fahrendes Auto von betrunkenen Flüchtlingen mit Steinen beworfen worden sein. Als die Polizei der Sache nachgegangen sei, habe sich herausgestellt, dass ein Autofahrer seinen Wagen in Eversburg (nicht nahe einer Flüchtlingsunterkunft) abgestellt habe. Bei seiner Rückkehr habe er der Wagen beschädigt vorgefunden. " Das ist ja wohl ein Unterschied, ob ein fahrender Wagen beworfen wird oder ein geparkter beschädigt." Nichts weise auf Flüchtlinge als Verursacher hin.
Hinrich Haake, stellvertretender Leiter der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes am Natruper Holz, schilderte die Flüchtlinge als dankbar für die Aufnahme in einem sicheren Land. Wer ihnen mit Respekt begegne und mit einer Hausordnung klare Regeln festsetze, müsse weder Kriminalität noch Aggressionen fürchten, sagte Haake, der bekannte, " ein fehlgeleiteter Gutmensch" zu sein.
Streit möglich
Aber wo viele Menschen unterschiedlicher Kulturen eng zusammenleben, könne es auch mal zu Streit kommen. Die Ursache könne auf Meinungsverschiedenheiten beruhen, aber auch auf Erfahrungen in ihrer Heimat. Thomas Wechsel berichtete aus der Polizeiarbeit: " Manche der Flüchtlinge sind es nicht gewohnt, dass auch der Letzte in der Schlange noch etwas bekommt." Da könne es passieren, dass ein Familienvater sich bei der Essensausgabe vordrängele und damit eine Auseinandersetzung provoziere.
Im Laufe des Bürgergespräches boten einige Besucher ihre ehrenamtliche Hilfe, etwa mit einer Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge, an. In Zusammenarbeit mit dem Freiwilligenbüro und dem Runden Tisch Dodesheide/ Sonnenhügel sollen Angebote und Pläne konkretisiert werden.

Bildtext:

Auf einer Pinnwand konnten die Bürger ihre Fragen und Sorgen öffentlich machen.
Autor:
Ulrike Schmidt


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