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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
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Überschrift:
Vom Provisorium zur stolzen Stiftung
Zwischenüberschrift:
Vor 25 Jahren bezog die Deutsche Bundesstiftung Umwelt ihr erstes Büro
Artikel:
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Originaltext:
Denkmalschutz in der DDR, neue Umwelttechnologien und nachhaltige Produktion: Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) nahm heute vor 25 Jahren in Osnabrück ihre Arbeit auf.
Osnabrück. " Das müsste Herr Dittrich wissen." Wer nach den Details in der 25-jährigen Geschichte der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Osnabrück fragt, landet in jedem Gespräch früher oder später bei Michael Dittrich. Der heutige Verwaltungsleiter war der erste Mitarbeiter, den der langjährige Chef der Umweltstiftung, Fritz Brickwedde, einstellte. Der Chef, 22 Jahre lang das Gesicht der DBU, ist mittlerweile altersbedingt ausgeschieden. Michael Dittrich ist heute 54 Jahre alt und immer noch da. Er war dabei, als sich am 1. März 1991 im ersten Büro der DBU an der Mindener Straße der Schüssel im Schloss drehte. Er war sogar schon einen Tag vor Dienstbeginn da zum Gespräch mit einem Bauunternehmer über eine Villa, in die die junge Stiftung später umziehen sollte.
Während die Villa restauriert wurde, bauten Brickwedde und sein persönlicher Referent das Büro auf. " Am dritten Tag hatten wir schon einen Computer und einen Drucker", erinnert sich Dittrich. Übers Arbeitsamt fand der Referent eine Aushilfssekretärin. Für das weitere Personal schaltete die Stiftung Stellenanzeigen. " Da gab es dann einen Stapel mit Bewerbungen von Biologen, einen für Chemiker und einen für Sekretärinnen."
2, 5 Milliarden Mark
Das Stiftungskapital stammte aus dem Privatisierungserlös des bundeseigenen Stahlkonzerns Salzgitter AG: 2, 5 Milliarden D-Mark. 67 Projekte hat die DBU im ersten Jahr gefördert. Der erste Jahresbericht von 1991 listet ausschließlich Städte in Ostdeutschland auf. Ein Beispiel: der Dom in Meißen. Vom Turm fielen Steine; Risse durchzogen die Fassade. Darin hatten sich Ruß, Gips und Kohlenwasserstoffe abgelagert. Spuren der Braunkohle-Industrie in der DDR und ein Ergebnis niedriger Umweltstandards. Mit einem Soforthilfe-Programm restaurierte die DBU nach der Wende viele Kulturdenkmäler.
" Wir hatten auch ganz kleine Projekte", erinnert sich Dittrich. Eines Tages sei eine Dame aus dem winzigen Örtchen Vockerode in Sachsen-Anhalt mit ihrem Trabi den weiten Weg nach Osnabrück gefahren und bat um Unterstützung bei der Sanierung der heimischen Pfarrkirche. Sie wurde ihr gewährt. Mit neuen Aufgaben und 82 Mitarbeitern zog die Stiftung 1995 schließlich in den Norden der Stadt um. " Das ist mein altes Büro", sagt Dittrich. Er steht vor der strahlend weißen Villa, deren Fenster von Westerberger Sandstein eingerahmt sind. Hier sitzt heute DBU-Generalsekretär Heinrich Bottermann mit seinem Stab und koordiniert Förderprojekte vor allem in mittelständischen Unternehmen. Dabei geht es zum Beispiel um umweltschonendes Bauen, Projekte zur Verminderung von CO2-Emissionen in Betrieben oder innovative Werkstoffe.
Das Büro von Verwaltungschef Michael Dittrich liegt mittlerweile im Neubau, ein paar Schritte von der Villa entfernt. Die runde Fassade des Komplexes aus Glas und Aluminium schlängelt sich um jahrhundertealte Schwarzkiefern, unter denen Schneeglöckchen sprießen. ? Die tragenden Wände sind aus Recyclingbeton. Dem ersten seiner Art in einem Hochbau, erklärt Dittrich.
Die Glasfassade war im Jahr 1995 ein ökologisches Highlight. Dreifachverglasung mit Metalloxydbeschichtung und Argon-Gas dazwischen. Maximal wärmedämmend. Heute sei eine solche Verglasung nahezu normal. " Wenn jemand das einmal erfunden hat und es kommt gut an, dann fällt der Preis ins Unendliche", sagt Dittrich und lächelt. So komme das Haus auf einen Energiebedarf von 50 Kilowattstunden an Heizkosten pro Quadratmeter und Jahr. Zum Vergleich: Ein durchschnittliches Gebäude in der Bundesrepublik alte Gemäuer einbezogen liege derzeit etwa bei 150 Kilowattstunden.
Im Verwaltungsbau arbeiten auch die Mitarbeiter, die es geschafft haben, das ursprüngliche Stiftungskapital von 1, 28 Milliarden Euro auf 2, 1 Milliarden zu steigern. Plus 1, 6 Milliarden für Projekte.?" Wir haben davon profitiert, dass die Zinsen sehr hoch waren", erklärt Dittrich.
Staatsanleihen brachten in den 90ern noch stolze 9, 375 Prozent bei einer Laufzeit von zehn Jahren. In Wirtschaftskrisen habe die DBU die Nerven behalten, sagt Dittrich, der zugleich Finanzchef ist. Unterm Strich habe die Stiftung jedoch nur ein Plus von etwa 100 Millionen gemacht. Der Rest sei Kapitalerhalt.
? Durch den Park führt der Weg zu einer großen Halle mit Wänden aus Glas. Baujahr 2002. Rote Holzpfeiler tragen das Dach. " Das ist unser zweites Werk", sagt Dittrich. Durch das Glasdach scheint die Sonne in den Konferenzraum des Zentrums für Umweltkommunikation. Geschützt wird es durch eine Art riesigen Regenschirm aus Hightechkunststoff. " Mit Eiskugeln haben sie darauf geschossen, um zu testen, ob er auch Hagel aushält." Der Schirm hielt. Der Energiebedarf pro Quadratmeter und Jahr sank von 50 Kilowattstunden auf 30.
Dämmung mit Hanf
Gegenüber eröffnete die DBU 2015 ein drittes Gebäude. " Das war das letzte Baugrundstück, das wir auf dem Areal noch hatten", sagt Dittrich. Im Inneren dominieren die Farben Schwarz und Weiß auf großen, aufgeräumten Flächen, hier und da unterbrochen von einem sandfarbenen Holzrahmen. Die Wände sind mit Hanf gedämmt. Gekühlt wird über die Heizungsanlage. Deren Wasser wird im Sommer unter dem Gebäude an Brunnenwasser vorbeigeführt und so abgekühlt. Pro Quadratmeter und Jahr braucht das Haus nur noch 15 Kilowattstunden, eine Halbierung des Wertes im Tagungszentrum.
Unten sehen sich regelmäßig Schüler eine Umweltausstellung an. Im ersten Stock arbeiten 19 Angestellte der jüngsten DBU-Tochter, der Naturerbe GmbH. Sie verwalten 60 000 Hektar Land, auf denen heimische Tier- und Pflanzenarten erhalten werden sollen, vor allem alte Militärplätze in Ostdeutschland.
Über der Ausstellungshalle scheint ein Konferenzraum auf einer Brücke zu schweben. Von hier schweift der Blick über alle Gebäude auf dem Gelände. Wo würde Michael Dittrich arbeiten, wenn er es sich aussuchen könnte? " Ich würde mein Büro in diesem Raum haben wollen. Das ist der schönste", sagt er.

Kommentartext:

Historie

Die DBU mit ihren 151 Mitarbeitern fördert umweltfreundliche Projekte in mittelständischen Unternehmen. 9000 waren es seit 1991 mit einem Fördervolumen von 1, 6 Milliarden Euro, davon 1173 Projekte in Niedersachsen. Auf Platz eins der meistgeförderten Städte liegt Hannover mit 281 Projekten und 52, 7 Millionen Euro, es folgen Osnabrück (23, 8 Millionen Euro) und Braunschweig (17 Millionen Euro). Außerdem vergibt die Stiftung den Deutschen Umweltpreis, unterstützt Stipendiaten und ist mit ihrer Tochtergesellschaft, der Naturerbe GmbH, Eigentümerin von 60 000 Hektar Land. Im Jahr 2013 übernahm Heinrich Bottermann das Amt als Generalsekretär der DBU von seinem Vorgänger Fritz Brickwedde.swi

Vier Fragen an Fritz Brickwedde

Sie haben die DBU 22 Jahre lang aufgebaut. Welche Vision hatten Sie für die Stiftung?
" Der Umweltschutz in der Vergangenheit war wie ein Sanitätswagen, der hinter der Industrie herfuhr. Immer, wenn ein Problem auftauchte, musste man sagen: Gut, bauen wir hier noch einen Filter ein oder dort noch eine weitere Klärstufe. Der traditionelle Umweltschutz war ein nachsorgender. Ich habe daher von Anfang an die Priorität auf den vorsorgenden und produktionsintegrierten Umweltschutz gelegt. Das heißt: Jeder Unternehmer und jeder Ingenieur sollte sich von vornherein überlegen: Wie kann ich Produkte so konstruieren, dass sie möglichst gut recyclierbar sind? Wie kann ich Produkte rohstoffarm zusammensetzen und so, dass sie möglichst keine oder nur ganz wenige Schadstoffe enthalten?"
Wer arbeitet in der DBU?
" Wir haben drei Fachabteilungen Forschung, Technik und Bildung. Die Wissenschaftler in der DBU decken also ein breites Spektrum ab von Naturwissenschaftlern über Ingenieure bis hin zu Geistes- und Sozialwissenschaftlern. Umweltschutz ist eine Querschnittsaufgabe, die interdisziplinäres Arbeiten erfordert."
Mit einem Füllhorn voll Fördergeld zu arbeiten klingt nach einem fantastischen Job. Hatte der auch Schattenseiten?
" Ja, man muss viele Anträge ablehnen. In der Öffentlichkeit sieht man nur, was gefördert wird. Aber es gab natürlich auch Enttäuschungen oder gar Versuche, über Politik doch noch an Fördergelder zu kommen."
Gab es fehlgeschlagene Projekte?
" Ja. Wer sich als innovationsfördernde Stiftung begreift und sagt, er habe keine Fehlschläge, der hat keine Innovationen gefördert. So etwas ist immer mit einem Risiko verbunden. Das ist der Sinn der Förderung: Wenn ich als Unternehmen oder Forschungseinrichtung wüsste, dass ein Projekt auf jeden Fall klappt und in wenigen Jahren Geld einbringt, dann brauche ich keine Förderung."

Bildtext::

Fritz Brickwedde, ehemaliger DBU-Generalsekretär. Foto: Westdörp
Autor:
Stefanie Witte


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