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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
EM-Public-Viewing auf dem Markt?
Zwischenüberschrift:
CDU will mit Ratsantrag Weg zum Rudelgucken frei machen
Artikel:
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Originaltext:
Vor historischer Kulisse ein historischer Sieg? Warum nicht. Geht es nach der CDU, gibt es im Juni zur Fußball-Europameisterschaft ein Public Vie wing auf dem Markt. Einen entsprechenden Antrag werden die Christdemokraten in der kommenden Ratssitzung stellen.
Osnabrück. Das Public Viewing oder auch Rudelgucken hat mittlerweile Tradition. Der Fußballfan schaut halt nicht gern allein vor dem TV die großen Momente sportlichen Geschehens. Er liebt es, in Gesellschaft mit der Löw-Truppe zu jubeln und zu leiden. Und so haben sich bundesweit Veranstalter aufgemacht, die sportlichen Groß-Events einem ebenso großen Publikum auf überdimensionalen Leinwänden zu präsentieren. Auch in Osnabrück ist das Public Viewing mittlerweile Kernbestandteil der Fußballwelt.
Die Christdemokraten im Rat wollen sich nun die Begeisterung für das Runde, das ins Eckige muss, zu eigen machen und dem Osnabrücker-Fußballfan die EM in Frankreich vom 10. Juni bis zum 10. Juli auf dem Markt präsentieren. " Die Verwaltung sowie die Osnabrück-Marketing und Tourismus GmbH (OMT) werden beauftragt, zeitnah Rahmenbedingungen zu schaffen, sodass ein privater Unternehmer die Möglichkeit erhält, auf dem Markt ein Public Viewing bei den Spielen der deutschen Nationalmannschaft während der Fußball-Europameisterschaft durchzuführen", heißt es in der Beschlussvorlage, über die der Rat in seiner Sitzung am Dienstag, 1. März, ab 17 Uhr im Rathaus befinden soll.
Es wäre nicht das erste Mal, dass die Stadt via OMT sich bei einem Pubilc Vie wing engagiert. Zur als " Sommermärchen" in die bundesdeutsche Fußballgeschichte eingegangenen WM 2006 hatte sich die OMT mit dem Alando zusammengetan und für die Weltmeisterschaft im eigenen Land einen Public-Viewing-Hotspot in dem Tanzpalast am Pottgraben geschaffen. Alando-Chef Frederic Heede hatte seinerzeit einiges Geld in die Hand genommen und sein Alando in eine sehenswerte WM-Arena umgestaltet. 100 000 Fans kamen, um an 25 Spieltagen, das deutsche Team auf seinem Weg zur Vizeweltmeisterschaft zu begleiten. Aber auch anderenorts ist das Public Viewing regelmäßig Thema: Das Büdchen am Westerberg, der Grüne Jäger und die Lagerhalle seien hier nur als einige der vielen Orte genannt, an denen der geneigte Freund der gepflegten Balltreterei seinen kollektiven Sehinteressen frönen kann. Durch die CDU-Initiative bekommt das Rudelgucken in Osnabrück aber eine neue Dimension. Denn im öffentlichen Raum, also nicht in direktem Kontext einer gastronomischen Einrichtung, hat es das Public Viewing bislang nur einmal gegeben: Am 30. Juni 2002 verfolgten etwa 10 000 Zuschauer auf dem Platz vor dem Theater heute Platz der Deutschen Einheit genannt das Final-Spiel der damals noch von " Es-gibt-nur-einen-Rudi-Völler" trainierten Bundes-Elf. Das Spiel endete mit einer 2: 0-Niederlage gegen Brasilien. Randnotiz: Die Scharte ist seit 2014 siebenfach ausgewetzt.
Und jetzt also auf dem Markt? " Ja", meint die CDU. " Der Marktplatz bietet hier hervorragende Möglichkeiten für das Aufstellen einer großen Leinwand und bietet reichlich Platz für Zuschauer und Verkaufsstände." Das Public Viewing sei ein gesamtgesellschaftlicher Integrations- und Identifikationsfaktor, der die Menschen zusammenführe, um dieses sportliche Highlight gemeinsam zu feiern. Und auch Thomas Fillep kommt in der Begründung mit ins Spiel nicht als Fußballfan oder potenzieller Sportmoderator, sondern in seiner Eigenschaft als städtischer Kämmerer. " Ein gelungenes Geschäftskonzept mit Buden für Essen und Trinken bietet zusätzlich die Möglichkeit, Einnahmen für die Stadt zu generieren", wirbt die CDU mit pekuniärem Argument für ihre Public-Viewing-Idee.

Bildtext:

Das Finale der Fußball-WM 2002 sahen Tausende Fans auf einer Großleinwand vor dem Theater.

Foto:

Archiv/ Michael Hehmann

Kommentartext:

Tolle Idee

Ein Public Viewing zur Fußballeuropameisterschaft auf dem Markt schwebt der CDU vor. Warum auch nicht? Einen Versuch ist es wert.

Bis Juni ist es nicht mehr " allzu lange hin", wie der Osnabrücker sagt. Es dürfte also durchaus Eile geboten sein, wenn der Plan der CDU, ein Public Viewing vor historischer Kulisse auf dem Markt zu organisieren, umgesetzt werden soll. Die Initiative ist auf jeden Fall unterstützenswert.

Wie allerdings die anderen Rudelguck-Veranstalter auf den CDU-Vorschlag reagieren, bleibt abzuwarten. Die Größe eines EM-Events auf dem Markt könnte da schon als ernst zu nehmende Konkurrenz aufgefasst werden. Denn eines ist und bleibt das Public Viewing eine finanzielle Risikoveranstaltung. Ob top oder Flop hängt unmittelbar vom Können oder Nichtkönnen der Yogi-Jungs ab. Scheiden sie früh aus, erlischt das Interesse der Fans schneller, als der Franzose " au re voir" sagen kann. Und dann ist da noch das Wetter. Regnet es in Strömen, gewinnt das kuschelige Sportsofa daheim schlagartig an Attraktivität, und selbst Hardcore-Fans bleiben in den heimischen Kabinen.

Aber: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
Autor:
Dietmar Kröger


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