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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Blüht der Rosenplatz auf?
Zwischenüberschrift:
Neue Bar, neues Café, mehr Sicherheit
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Lange Zeit galt der Rosenplatz als Osnabrücker Problemviertel. Doch inzwischen ist die Gegend offenbar im Aufwind. Im Zentrum der positiven Entwicklung: das einstige " Skandalhaus" mit der Adresse Rosenplatz 1.
Osnabrück. Gut sechs Jahre ist es her, da war dieses Haus auf seinem Tiefpunkt angelangt: Das Eckhaus Rosenplatz 1 musste zwangsgeräumt werden, da akute Brandgefahr bestand. Stadtbekannt ist die Geschichte von dem Todesfall in diesem Haus: Ein offenbar betrunkener Mann war 2005 in einen ungesicherten Fahrstuhlschacht gestürzt.
Doch seither hat sich viel getan: Der Eigentümer ließ das Haus sanieren, mittlerweile wohnen vorwiegend Studenten am Rosenplatz 1. Mit dem Pizzalieferanten Joey′s wurde für das Erdgeschoss im April vergangenen Jahres ein Mieter gefunden, der etwas Kontinuität mit sich bringt. Auch die Orthopädie-Praxis eine Tür weiter wird gut angenommen.
Zudem hat vor gut drei Monaten die Lounge " Projekt 36" in den ehemaligen Räumen des " Schlecker"- Drogeriemarkts aufgemacht.
Es ist Montagmorgen, als Anna Martin uns zum Gespräch im " Projekt 36" trifft. Eigentlich hat sie frei. " Na ja, seit ich selbstständig bin, habe ich eigentlich gar nicht mehr frei", sagt sie und lacht. Gemeinsam mit Barchefin Nadine Venhaus betreibt sie seit November die Lounge, die mit vielen Sofas und Sesseln gemütlich eingerichtet ist. Obwohl die beiden Frauen kaum Werbung gemacht haben, läuft es bislang gut.
Viele Gäste kommen aus dem Rosenhof, um vor oder nach Konzerten gemütlich ein Bier zu trinken. Warum sie ausgerechnet an dieser Ecke eine Bar aufgemacht haben? " Ich kenne den Eigentümer des Hauses privat", sagt Anna Martin. Lange habe die Fläche des ehemaligen " Schlecker" leer gestanden, nun sei der Wunsch da gewesen, die Räume dauerhaft zu vermieten.
Gefühl von Sicherheit
Aber jetzt mal Butter bei die Fische: Der Rosenplatz hat doch einen gewissen Ruf! Nämlich den, dass hier mit Drogen gedealt wird. Den, dass es hier gefährlich ist. Nie irgendwelche Probleme gehabt? Anna Martin schüttelt den Kopf. Nein, unangenehme Gäste hatte sie noch nicht in der Lounge. Security leisten sich die beiden Frauen auch nicht. " Ich bin mit 18 das erste Mal hinter dem Tresen gestanden", sagt die 36-Jährige. Sie habe im Ratskeller, später im Steigenberger gearbeitet. Wer so lange in der Gastro tätig gewesen sei, der wisse, wie er mit gewissen Situationen umzugehen habe zu denen es aber im Projekt 36 noch nicht gekommen sei. Stattdessen veranstaltet die Tanzschule " Mambolatinjazz" hier jeden Dienstag Salsa-Abende, der große Saal hinter der eigentlichen Lounge kann als Partyraum gemietet werden mit 245 Quadratmetern ist die Bar tatsächlich riesig.
" Das ist ein ziemliches Problem." Mit von der Kälte geröteten Fingern schließt Sonja Finkmann das " Rosenplatzquartier"- Büro an der Iburger Straße/ Ecke Wörthstraße auf. Seit 2001 nimmt das " Quartier Rosenplatz" am Stadtteilentwicklungsprogramm " Soziale Stadt" teil. Es gilt als Sanierungsgebiet, für dessen Aufwertung Bund, Land und Kommune Geld bereitstellen. Doch in diesem Jahr läuft die Förderung aus. Ende Mai wird das Büro hier geschlossen, Sonja Finkmann verabschiedet sich in die Elternzeit. Und dann? Mal sehen. " Die Läden, die hier leer stehen, sind alle ziemlich groß. Das wirkt von außen nicht immer so, aber die Räume sind oft sehr tief", sagt die Quartiersentwicklerin.
Viele Leerstände
Der Ladenleerstand ist eines der vielen Probleme des Sanierungsgebiets, das den Bereich entlang der Iburger Straße, Meller Straße, Kommenderiestraße zwischen Wörthstraße beziehungsweise Miquelstraße und dem Petersburger Wall umfasst der Rosenplatz selbst ist also nur ein kleiner Teil des Quartiers. Dass es in der Johannisstraße immer weniger Läden gibt, fällt wohl jedem Osnabrücker auf etwas dagegen unternehmen kann die Quartiersentwicklerin nicht. " Das ist ja alles Privateigentum, darauf haben wir keinen Einfluss."
Umso mehr freut sie sich über die Entwicklung am Rosenplatz 1: Zwischen der Lounge und Joey′s wird das Diakonische Werk am 1. März das Café Mandela eröffnen, das Flüchtlingen und Anwohnern eine Anlaufstelle bieten soll. Sonja Finkmann hofft, dass die Diakonie damit ein Stück weit die Aufgaben übernehmen wird, die das Rosenplatzquartier nach dem Ende des Förderprogramms nicht mehr bieten kann: die Koordinierung ehrenamtlicher Arbeit, die Beratung von Flüchtlingen aber auch Bewohnern. Denn: " Nach wie vor muss ein besonderes Augenmerk auf das Quartier gelegt werden. Wir haben hier die Leerstände und eine Bevölkerungsstruktur, die von Armut bedroht ist."
Besonders gefährlich sei es rund um den Rosenplatz allerdings nicht, sagt Finkmann. " Wir haben einmal die Polizei zu unserem runden Tisch eingeladen, die berichtete, dass hier nicht mehr passiere als in anderen Gegenden auch." Das, was bei vielen hängen bleibe die Schießerei in einem Supermarkt an der Iburger Straße oder der erstochene 22-Jährige unweit der Lutherkirche geschah jenseits des Sanierungsgebiets.
" Die Lage am Rosenplatz hat sich deutlich entspannt", sagt auch Polizei-Pressesprecher Georg Linke. " Das ist mit den früheren Zeiten nicht mehr zu vergleichen." Die früheren Zeiten sind dabei gar nicht so lange her vielleicht fünf Jahre. Und auch Linke führt diese positive Entwicklung auf die Neugestaltung des Rosenplatzes und des Eckhauses zurück.
Die Sonne geht unter hinter dem roten Beton des Rosenplatzes, an dem sich die Geister scheiden. Das Projekt 36 leuchtet blau, denn " jeden Monat gibt es eine bestimmte Farbe. Alle Getränke in dieser Farbe oder mit entsprechendem Etikett sind dann im Angebot", sagt Anna Martin. Auf den Schiefertafeln auf der Toilette dürfen die Gäste sich mit Kreide kreativ austoben. Lieber so, als ständig Edding-Gekritzel wegzuschrubben.
Vor der Lounge schiebt sich der Feierabendverkehr Richtung Iburger Straße. Vorbei an dem Büro von Sonja Finkmann, das es bald nicht mehr geben wird. Was dann aus den Räumen des Büros werden wird? Das ist noch nicht bekannt. Vermutlich stehen sie erst einmal leer.

Bildtext:

Der blaue Monat im " Projekt 36". Neben blauem Licht gibt es Rabatt auf alle Alkoholika mit blauem Etikett.

Anna Martin betreibt seit November am Rosenplatz die Lounge " Projekt 36."

Einst galt das Eckhaus am Rosenplatz 1 als einer der schlimmsten Schandflecke Osnabrücks. Doch in den vergangenen Jahren hat sich hier viel getan.

Fotos:

Gert Westdörp
Autor:
Cornelia Achenbach


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