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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
450 Menschen gegen "Abgleiten nach rechts"
Zwischenüberschrift:
Kundgebung und Demonstration in Osnabrück – Gegen rassistisches Gedankengut
Artikel:
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Originaltext:
Rund 450 Menschen haben sich nach Polizeiangaben am Donnerstagabend zu einer Kundgebung und Demonstration gegen ein " Abgleiten nach rechts" am Osnabrücker Nikolaiort versammelt. Unter den Versammlungsrednern befand sich auch ein 23-jähriger Flüchtling aus Syrien.
Osnabrück. " Natürlich steht Deutschland nicht, liebe Freunde, vor einem neuen Faschismus", sagte Harald Klausing, einer der Demo-Initiatoren, in seiner Eröffnungsrede. Gleichzeitig betonte er jedoch Sorge darüber, wie tief rechtes und rassistisches Gedankengut in Deutschland doch unter einer " firnishaften Decke der Demokratie" verborgen sei. Dabei nahm er in seiner Rede insbesondere Bezug auf die jüngsten Ereignisse in Clausnitz, Bautzen und in der Silvesternacht in Köln.
Offener Rechtsradikalismus und Rassismus könnten immer nur so stark sein, wie die Mitte der Gesellschaft und die demokratischen Institutionen dies zuließen, sagte Klausing weiter. " Die Demokratie muss von den Demokraten selbst und der gesamten Bürgergesellschaft verteidigt werden", so Klausing. Dennoch sollten wir ebenjene Institutionen und den Rechtsstaat dabei nicht prinzipiell angreifen.
Adnan Matini ist 23 Jahre alt und syrischer Flüchtling. Seit zwei Jahren und drei Monaten lebt er mittlerweile in Osnabrück. Er habe eine der ersten Demonstrationen in Syrien mitorganisiert und anschließend fliehen müssen, berichtete er. Viele seiner Freunde seien gefangen genommen worden und hätten unter Druck der Polizei seinen Namen verraten.
" Ich bin sehr froh, dass ich in dieser schönen Stadt wohne", sagte er. Er sei gut aufgenommen und begleitet worden.
Regelmäßige Besuche der Sozialarbeiter hätten seinen Einstieg erleichtert. Er sei legal hier, habe ein Visum und plane, demnächst ein Studium zu beginnen. Er komme aus einem Land, in dem es viele Probleme gebe. Damit er dorthin zurückkehren könne, müssten zwei Bedingungen erfüllt werden: " Keine Diktatur hat Platz in Syrien", benannte er die erste und erntete Applaus. Zudem dürften Brüder keine Angst vor Brüdern haben, sagte er weiter. Damit bezog er sich auf die Verhaftungen und Folterungen durch die Polizei. Die Freiheit, sich kritisch gegen die Regierung zu äußern, sei nicht gegeben. Mit dieser Angst könne er nicht zurück in seine Heimat gehen. Nach Köln sei er durch seine Mitmenschen nicht anders behandelt worden. Er habe das Vertrauen, dass die meisten Menschen die Täter beschuldigen würden und nicht alle Flüchtlinge pauschalisieren.
Unter dem Titel " Nach Köln: Nicht abducken Gegen Hysterie, zurück zur Sachlichkeit" war die Demonstration ausgerufen worden. Direkt zu den Kölner Ereignissen äußerte sich Martina Niermann, Vertreterin der Frauenschutzorganisation Solvodi. Die Respektlosigkeit und Verachtung von Frauen sei kein Ausländerproblem, sagte Niermann deutlich.
Neben Klausing berichtete Lioba Meyer über das zivile Projekt SOS Méditerranée zur Rettung von Schiffbrüchigen. Seit heute fahre die " Aquarius" unter Kapitän Klaus Vogel im Mittelmeer vor Lampedusa.
Der Zug durch die Altstadt verlief genau umgekehrt wie zunächst angekündigt: Vom Nikolaiort über Domhof, Markt, Krahnstraße, Lorzingstraße ging es zurück zum Nikolaiort.
Die Demonstration verlief friedlich und ohne jeglichen Zwischenfall, so Polizeieinsatzleiter Gerhard Schratz.

Bildtext:

Der Flüchtling Adnan Matini erzählte von seiner Flucht aus Syrien und seinem Leben in Osnabrück. Foto: Egmont Seiler

Gegen ein " Abgleiten nach rechts" hatten sich am Donnerstag rund 450 Demonstranten am Osnabrücker Nikolaiort versammelt, um anschließend gemeinsam durch die Altstadt zu ziehen.

Foto:

Egmont Seiler

Kommentartext:

Immer und immer wieder

Nach den Vorfällen in Clausnitz hatte Veranstalter Harald Klausing bereits im Vorfeld die hohe Aktualität der Demo betont. Recht hat er. Von Pegida über Clausnitz bis nach Bautzen gehen schon lange nicht mehr nur " besorgte Bürger" auf die Straßen. Stattdessen begegnen wir einer irrgeleiteten, gewaltbereiten Masse, die den Tod von Menschen schweigend in Kauf nimmt. Umso wichtiger, dass wir uns klar gegen die positionieren, die sich gegen die Schwächsten der Schwachen stellen. Gegen rechte Deppen, die Brandsätze in Wohnräume werfen. Gegen Menschen, die der verschleierten NS-Rhetorik von Rechtspopulisten und ihrer Parteien auf den Leim gehen und nicht erkennen. Ganz besonders gegen die, die beanspruchen, damit für eine Mehrheit zu sprechen. Die Verantwortung liegt jedoch nicht bei der " Friedensstadt" Osnabrück, sondern bei jedem Einzelnen. Nicht nur auf einer Demo, sondern jeden Tag aufs Neue, bei jeder Gelegenheit. Immer und immer wieder.
Autor:
David Hausfeld


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