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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Einkaufen statt Schwimmen
Zwischenüberschrift:
Das Niedersachsenbad eröffnete vor 50 Jahren – 2005 wurde der Stöpsel gezogen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Am Anfang war das Pottgrabenbad. Dann eröffnete, vor ziemlich genau 50 Jahren, das Niedersachsenbad als zweites Hallenbad in Osnabrück. Heute gibt es beide nicht mehr. Denn Bäderkonzepte und Schwimmbadtechnik haben eine kurze Halbwertzeit.
Osnabrück. Der Schwarze Platz an der Natruper Straße hat schon viel erlebt. Zu Kaisers Zeiten diente er als Exerzierplatz des Infanterieregiments 78. Er lag günstig zwischen der Infanteriekaserne an der Natruper Straße (heute Altbau der BBS) und der Kaserne der Maschinengewehr-Compagnie an der Nobbenburger Straße (heute Alt-Gebäude der Feuerwache). Nach dem letzten Krieg ging es rund auf dem Schwarzen Platz: Zwischen 1955 und 1961 fand hier der Jahrmarkt statt.
1961 bestimmte ihn der Rat als Standort für ein dringend benötigtes zweites Hallenbad. Das Pottgrabenbad lag im Süden, da war nun ein Platz in der nördlichen Stadthälfte gesucht und gefunden worden. Im Februar 1962 machte der Entwurf des Bremer Architekten Gustav Wessels das Rennen, am 31. Juli 1963 war Baubeginn und am 31. August 1964 Richtfest. Es zeichnete sich ab, dass die veranschlagten fünf Millionen DM nicht zu halten sein würden, der Kämmerer ging nun von 6, 9 Millionen aus aus heutigem Blickwinkel immer noch ein Schnäppchen-Preis.
Stadt und Tageszeitungen riefen einen Wettbewerb zur Namensfindung aus, denn " II. Osnabrücker Hallenbad" sei ja nicht mehr als ein Arbeitstitel. Der Kreissportbund schlug " Bad am Rißmüllerplatz" vor. Senator Engel war wenig überzeugt: " Das trifft′s eigentlich nicht", ließ er sich vernehmen. " Bad am Schwarzen Platz" fiel auch durch, es sollte ja keine Reinigungsanstalt für schwarze Füße werden, und schließlich war Schwarzer Platz ja auch nur ein inoffizieller, volkstümlicher Name, der in keinem Stadtplan verzeichnet war. Es siegte dann " Niedersachsenbad" nicht besonders originell und insofern unzutreffend, als das Land an der Finanzierung nicht beteiligt war. Gleichwohl bürgerte sich der Name rasch ein.
Am 26. Februar 1966 weihten Stadt und Stadtwerke " das modernste Bad in der Bundesrepublik" ein, wie die Presse stolz schrieb. Das Jugendblasorchester unter Gustl Huuck lockerte mit Melodien aus " My Fair Lady" die Abfolge der Reden auf. Oberbürgermeister Willi Kelch sprach von einer " Stätte zur Pflege der Gesundheit" Spaßbad, Rutschen-Park, Wellness und Events waren noch in weiter Ferne. Die großzügige Fensterfront zur Natruper Straße wurde gelobt, hinter der das Lehrschwimmbecken von 16, 66 mal 8 Metern und das Sportbecken von 16, 66 mal 25 Metern angeordnet waren. Sechs Wettkampfbahnen waren jetzt möglich, eine mehr als im Pottgrabenbad. Die zunächst geplante Breite von 15 Metern war noch kurzfristig auf 16, 66 Meter erhöht worden, um den Wasserballern ihr offizielles Spielfeldmaß zu gewähren.
Die unter den Wasserbecken liegende Eingangshalle war durch eine Glaswand getrennt: rechts der Kassenbereich, links der " Erfrischungsraum mit Milchbar". Die Zuschauertribüne umfasste 230 Klappsitze in fünf Reihen und 230 Stehplätze, war also für 460 Personen zugelassen. Eine gläserne Kabine " für die Sportberichter und Fernsehsprecher" sorgte für besten Überblick auf das Geschehen im Becken. Und auch, was sich unter Wasser tat, ließ sich gut beobachten: Kameramänner und Trainer sprachen begeistert vom Unterwasserfenster, das vom Technikraum aus zugänglich war.
Im Laufe der Jahre wurden die Energiekosten drückender. 1987 war eigentlich eine neue Heizungsanlage fällig. Ein Tüftler hatte der Stadt einen Ausweg aufgezeigt, um die Millionen-Investition zu umgehen: " Hitze in Containern", nämlich Abwärme aus Produktionsprozessen der Firma Kabelmetal, eingefangen in einem wärmespeichernden Granulat, funktionierte nach einigen Kinderkrankheiten tatsächlich, war aber letztlich doch nur eine Zwischenlösung. 1993 wurde ein Blockheizkraftwerk installiert, das BBS und Feuerwehr mitversorgte.
Die Besucherzahl erreichte ihren Höhepunkt 1972 mit 490 000. Danach wurden es von Jahr zu Jahr weniger, weil ab 1973 das Nettebad und ab 1976 auch das Schinkelbad Besucher abzogen. 1990 kamen nur noch 160 000 ins Niedersachsenbad, überwiegend aus Schulen und Vereinen.
Das neue Bäderkonzept der Stadtwerke sah zunächst die Schließung des Freibads Wellmannsbrücke und der Hallenbäder Gretesch und am Pottgraben vor, " aus 7 mach 4". An Rettungsversuchen und Bürgerinitiativen gegen die Schließungen mangelte es nicht, sie blieben jedoch erfolglos. 1999 rückte auch die Schließung des Niedersachsenbades in den Fokus, weil eine energetische Grundsanierung und Attraktivitätssteigerung durch Spaßelemente unwirtschaftlich wäre, wie die Fachleute ausgerechnet hatten. Die Dom-Schulelternräte protestierten, konnten aber nicht verhindern, dass das " Bäderkonzept 2000 plus" beschlossen wurde. Demnach flossen 30 Millionen DM in den Umbau des Nettebades zu einem multifunktionalen Sport- und Freizeitbad. Das Niedersachsenbad hatte den Kürzeren gezogen.
Im Februar 2005 endete der Betrieb, im Sommer 2006 folgte der Abriss. Nach einer Zwischennutzung als Parkplatz hat im Juni 2015 ein Supermarkt der Bünting-Gruppe auf dem Schwarzen Platz eröffnet.

Bildtext:

Seit Juni 2015 betreibt an gleicher Stelle die Bünting-Gruppe einen Combi-Supermarkt. Foto: Jörn Martens

Honoratioren und Fachpublikum bei der Eröffnung des Bades am 26. Februar 1966. Foto: Archiv/ Kurt Löckmann

Im Frühling 1966 war das Niedersachsenbad eröffnet, aber Außenbepflanzung und das Kunst-Relief über dem Eingang fehlten noch. Dafür erheischte eine bunte " Kasten-Ente", ein Citroen 2 CV, Aufmerksamkeit auf dem Parkplatz.

Foto: Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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