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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Als die Verbraucher Angst vor Dioxin hatten
Zwischenüberschrift:
Vor fünf Jahren verunsicherte ein Lebensmittelskandal die Osnabrücker
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Anfang 2011 verging vielen Osnabrückern der Appetit auf Eier und Schweinefleisch. Dioxin im Tierfutter diese Giftmischerei empörte die Verbraucher. Eine Fettsäure, die nur für technische Zwecke bestimmt war, hatte Lebensmittel ungenießbar gemacht.
Osnabrück. Später stellte sich heraus: Es waren Frittenfett und andere Vorstoffe für die Herstellung von Biodiesel. Mehrere Wochen lang beherrschte das Thema die Nachrichten. Viele Bauernhöfe wurden gesperrt.
Dioxine entstehen bei unvollkommener Verbrennung. Befinden sie sich in Lebensmitteln, lagern sie sich im Fettgewebe ab und können Krebs auslösen. Diese Erkenntnis verunsicherte die Kunden Anfang 2011: Macht uns unser Essen krank?
Bauern fürchteten um ihre Existenz. Ohne es auch nur zu ahnen, hatten einige von ihnen ihren Tieren verseuchtes Futter gegeben. Es stammte von einem schleswig-holsteinischen Hersteller, der es bei einem Händler aus den Niederlanden gekauft hatte. Von dort führte die Spur weiter zu einer Biodiesel-Anlage in Emden und zu weiteren Futtermittelherstellern. Das gefundene Altspeisefett war ausschließlich für technische Verwendungen bestimmt gewesen und dennoch auf Umwegen ins Futter geraten. Die Grenzwerte wurden um das Zigfache überschritten. Die Folge: Das Land sperrte Bauernhöfe, auch im Osnabrücker Land.
Dass dieses Gift aus Versehen ins Futter gelangt war, zweifelte der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) an: Der Kostendruck in der Lebensmittelbranche begünstige solche Missstände, argumentierten die Naturschützer. Auch das Landwirtschaftsministerium in Hannover nahm an, dass es sich zumindest nicht um ein außergewöhnliches Versehen handeln dürfte. Staatsanwälte nahmen Ermittlungen auf.
Vielen verging der Appetit auf Eier und Fleisch. Dem damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister jedoch nicht, wie er sagte: Er esse auch weiterhin gerne Frühstückseier. Auf dem Osnabrücker Wochenmarkt standen Kunden vor einigen Eier- und Fleischhändlern Schlange. Ihnen war klar: Es kommt darauf an, wo die Ware herkommt. Einkauf als Vertrauenssache.
Noch im Januar zog die Europäische Union Konsequenzen: Seither müssen Hersteller die Fettproduktion für Industrie und Lebensmittel konsequent trennen. Schließlich gab das Bundesinstitut für Risikobewertung Entwarnung: Es habe für die Verbraucher keine gesundheitliche Gefahr durch dioxinbelastete Lebensmittel gegeben. Am Ende des Jahres 2011 bemängelte der Verein " Foodwatch", es gebe nach wie vor nicht genügend Kon trollen.
Gerichte sollten sich noch vier Jahre später mit einigen der Fälle beschäftigen. Schadenersatzforderungen häuften sich auf Millionenhöhe. So musste 2014 ein Futtermittelhersteller aus Vechta einem Landwirt mehr als 40 000 Euro zahlen. Da hatten viele den Skandal längst vergessen.

Bildtext:

Die Lust auf das Frühstücksei war vielen Verbrauchern Anfang 2011 gehörig vergangen.

Foto: Archiv/ dpa
Autor:
Jann Weber


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