User Online: 1 | Timeout: 10:09Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
"Lebensquelle" lässt Stadt abblitzen
Zwischenüberschrift:
Alternative Standorte abgelehnt – Bebauungsplan noch vor den Sommerferien
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Zwischen der Stadt und der " Lebensquelle" gibt es keine Annäherung. Die Freikirche hält am Güterbahnhof fest und lässt die Stadt mit ihren Alternativvorschlägen abblitzen. Ein anderer Standort komme nur infrage, wenn es Zugeständnisse bei der Größe gebe, lässt der Vorstand durchblicken.
Osnabrück. Am Limberg wäre noch Platz für die " Lebensquelle", vielleicht auch im Hasepark oder an der Karlstraße. Mehrere Alternativen zum Güterbahnhof hat die Stadt der Freikirche vorgeschlagen. So wollte es die Ratsmehrheit. Aber die Gemeinde lehnt dankend ab. Das Grundstück an der Hamburger Straße erfülle " alle für uns nötigen Voraussetzungen, um unserem Vorhaben nachzugehen", heißt es in der Absage an Stadtbaurat Frank Otte.
Die Gemeinde habe die von der Stadt vorgeschlagenen Standorte geprüft und damit ihre Kompromissbereitschaft unter Beweis gestellt, betont Pressesprecherin Elena Lenz für die " Lebensquelle", doch die hätten sich als ungeeignet herausgestellt. Teilweise seien die Grundstücke nicht einmal verfügbar gewesen, sagt Waldemar Herdt, der Projektleiter für das geplante Gemeindezentrum. Und die Frage, ob die Freikirche auf den vorgeschlagenen Flächen auf ein Baurecht hoffen dürfe, sei nicht eindeutig beantwortet worden.
Die " Lebensquelle" fühlt sich von der Stadt unfair behandelt. Als die Freikirche das Grundstück mit der ehemaligen Güterabfertigung 2012 kaufte, sah alles nach bestem Einvernehmen aus. Später kippte die Stimmung, als bekannt wurde, welche Haltung die Evangelikalen zum Teufel und zur Homosexualität, zur Evolution und zur Sexualaufklärung einnehmen. Einige Politiker aus dem Rat wollen das Bauvorhaben auf dem Güterbahnhof verhindern. Andere, wie Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, sprechen sich für eine Beschränkung aus.
Die Gemeinde wachse stetig, sagt Pressesprecherin Elena Lenz, aber der Platz in den Räumen am Goethering reiche schon lange nicht mehr aus. Schon jetzt nähmen 650 Gläubige an den Gottesdiensten teil. Wegen des großen Andrangs müssten zwei Andachten nacheinander veranstaltet werden.
Nach den Plänen der " Lebensquelle" soll das neue Gemeindezentrum Platz für 3000 Menschen bieten. Das bedeute aber nicht, eine Kirche für so viele Personen zu bauen, konkretisiert Waldemar Herdt. Die Zahl erkläre sich daraus, dass der Gebetssaal für 1100 Menschen bemessen sei, daneben würden Räume für Kinderbetreuung, Gastronomie und Büros benötigt.
Planer unter Zeitdruck
Was auf dem Güterbahnhof errichtet werden darf, regelt der Bebauungsplan Nr. 370, an dem der Fachbereich Städtebau schon seit Jahren arbeitet. Schon zweimal hat die Stadt eine Veränderungssperre verhängt, um zu verhindern, dass etwas gebaut wird, das nicht zu den Zielsetzungen der Planung passt. Weitere Verlängerungen könnten Schadenersatzansprüche der Grundstückseigentümer nach sich ziehen. Vor diesem Hintergrund will die Stadt das Bebauungsplanverfahren noch vor den Sommerferien zu Ende bringen, mit einem " ambitionierten Zeitplan", wie Stadtbaurat Frank Otte vermerkt.
Nach dem Willen des Rates soll das 22 Hektar große Gelände zumindest überwiegend als Gewerbegebiet ausgewiesen werden. Für die " Lebensquelle" müsste also eine abweichende Festsetzung getroffen werden. Offen ist, welche Beschränkungen in den Plan eingehen. Eine Begrenzung auf eine bestimmte Personenzahl ist in der Bauordnung nicht vorgesehen, ein Limit für die Gebäudemassen schon.
Projektleiter Waldemar Herdt zeigt sich verwundert, " dass man ein Bebauungsplanverfahren macht, aber nicht mit dem Eigentümer spricht". Er ist gespannt, welche Nutzung der Gemeinde am Ende zugebilligt wird. Falls die Stadt den Wünschen der Freikirche nicht nachkomme, bleibe seinen Glaubensbrüdern und - schwestern immer noch ein Plan B: Dann werde es in Osnabrück nicht eine, sondern drei, vier oder fünf " Lebensquellen" geben.

Bildtext:

" Man braucht etwas Fantasie", um sich die neue Nutzung vorzustellen, sagt Pastor Eduard Ochs (im Vordergrund). Das Foto zeigt ihn mit Pastor Jakob Neufeld, Projektleiter Waldemar Herdt und Pressesprecherin Elena Lenz von der " Lebensquelle". Fotos: David Ebener

1100 Gläubige sollen im Gemeindesaal der " Lebensquelle" Platz finden. Die evangelische Freikirche hält am Standort Güterbahnhof fest.

Grafik: Architekturbüro Quiring

Kommentartext:

Unbehagen taugt nicht als Begründung

Welch eine Überraschung: Die " Lebensquelle" will am Güterbahnhof bleiben. Warum sollte sie sich auch die Butter vom Brot nehmen lassen? Als sie 2012 das Grundstück erwarb, hatte die Stadt ihr und der Zion GmbH weitreichende Zugeständnisse gemacht, weil sie mit dem Voreigentümer über Kreuz lag. Und dabei außer Acht gelassen, dass der Güterbahnhof eigentlich ein Gewerbegebiet werden sollte. Diese Naivität rächt sich jetzt.

Was spricht eigentlich gegen die " Lebensquelle"? Dass Menschen an Verschwörungstheorien glauben, die Schöpfungsgeschichte der Bibel wörtlich nehmen oder Homosexualität für sündig halten, wird von der Mehrheitsgesellschaft als verschroben und rückwärtsgewandt empfunden na und? Auch in den staatlich anerkannten Kirchen gibt es Verfechter weltfremder Ansichten, und die Religions- und Meinungsfreiheit schützt alle Gläubigen, solange sie sich nicht gerade auf ein göttliches Spaghettimonster berufen.

Das Unbehagen über die Ausbreitung einer Parallelgesellschaft bestimmt die Diskussion über die " Lebensquelle", aber dieses Unbehagen ist nicht geeignet, die Gemeinde auflaufen zu lassen. Bleibt nur der Einwand, dass eine Kirche nicht ins Gewerbegebiet gehört. Das galt aber schon 2012, und da wollte es niemand hören. Vier Jahre später wird daraus ein Wortbruch.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


Anfang der Liste Ende der Liste