User Online: 1 | Timeout: 08:50Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Stadt will Wochenmärkte beleben
Zwischenüberschrift:
Neue Gebührensatzung regt zum Nachdenken an: Wo sind die Beschicker?
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Die Stadt will den Wochenmärkten neues Leben einhauchen. " Es sind zu wenig Beschicker", sagte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert im Finanzausschuss. Aber woher sollen neue kommen?

Ja, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Osnabrücker Wochenmarktbeschicker, Clemens Wessel, stimmt der Feststellung des Oberbürgermisters zu: Die Zahl der Anbieter ist vor allem auf den Wochenmärkten in den Stadtteilen seit Jahren rückläufig. Seine Erklärung: " Es gibt die Berufe nicht mehr. Es gibt weniger Bauern, Fleischer, Bäcker und Gärtner." Sie sind es, die mit ihren eigenen Produkten einen Markt attraktiv machen. Aber daran lasse sich wenig ändern, sagt Wessel. Der Trend zur industriellen Lebensmittelproduktion sei halt kaum aufzuhalten.

Doch Stadt und Marktbeschicker hätten andere Möglichkeiten, die Märkte zu beleben, sagt Wessel: andere Öffnungszeiten. Den Markt am Ledenhof, wo wir Wessel am Donnerstag zum Gespräch trafen, würde der Fleischer mindestens von 8 bis 14 Uhr öffnen, damit die Menschen ihre Mittagspause zum Einkaufen und Bummeln nutzen können. Aktuell schließen die Buden um 13 Uhr. Noch besser wäre ein ganztägiger Verkauf von 8 bis 18 Uhr. Wessel weiß, dass nicht alle Beschicker damit einverstanden wären, weil sie am Nachmittag andere Märkte im Umkreis ansteuern.

Wenig Nachfolger

Der 70-jährige Fleischermeister aus Vehrte, der seit 1978 auf den Osnabrücker Wochenmärkten unterwegs ist, hat die Nachfolge in seinem Haus geregelt. Seine Tochter will den Marktbetrieb weiterführen. Andere haben da größere Probleme, denn das Marktgeschäft ist mit hohem Aufwand verbunden. " Ich bin heute Morgen um viertel nach drei aufgestanden, um sechs Uhr war ich am Ledenhof", sagt Wessel. Nachher abbauen, nach Hause fahren, sauber machen – " dann sind wir schon bei 15.30 Uhr".

Die geplante Erhöhung der Standgebühren um knapp 15 Prozent (2, 77 Euro pro Meter Verkaufstand statt 2, 41 Euro) wirft Wessel nicht um. Wahrscheinlich würden die Preise steigen, " aber da können wir mit den Supermärkten sowieso nicht mithalten". Ein Markt lebe von der Individualität, der Qualität, von Angeboten aus artgerechter Tierhaltung und biologischem Anbau. Auf diesen Feldern könnten die Märkte noch stärker werden und die Beschicker mit besserem Service punkten, meint Wessel. Und er könnte sich auch vorstellen, den Zugang für private Anbieter zu erleichtern, die Produkte aus ihrem Kleingarten verkaufen wollen. Wessel: " Es muss ja nicht gleich ein Flohmarkt daraus werden."

Der Betrieb der Wochenmärkte kostet die Stadt im Jahr grob gerechnet 180 000 Euro. Der Rat hat 2014 beschlossen, dass die Gebühren die Kosten zu 95, 89 Prozent abdecken sollen. Nur der samstägliche Markt am Dom schreibt mit einem Kostendeckungsgrad von 113 Prozent schwarze Zahlen. Den niedrigsten Deckungsgrad mit 60 Prozent weist der Markt am Riedenbach auf.

CDU-Chef Fritz Brickwedde gab in der Sitzung des Finanzausschusses zu bedenken, dass eine Erhöhung der Standgebühren den Beschickern der Stadtteil-Märkte das Geschäft zusätzlich erschweren könnte. Er regte an, sich vom Gebührensystem zu lösen und mittels einer anderen Abrechnung flexibler reagieren und vielleicht an anderer Stelle auch Mehreinnahmen generieren zu können.

Beispiel Weihnachtsmarkt: Die Stadt rechnet über das Gebührenrecht die Kosten ab, verdient aber nichts an dem hoch lukrativen Markt. Ein Vermarktungssystem wie bei der Maiwoche könnte der Stadt ein Mittel in die Hand geben, an den Gewinnen zu partizipieren.

Der Finanzausschuss gab der Verwaltung einen Doppelauftrag: mit den Wochenmarktbeschickern über eine Belebung der Stadtteilmärkte sprechen und Ideen für eine profitable Vermarktung des Weihnachtsmarktes entwickeln.

Reden Sie mit: www. noz.de/ lokales
Bildtext:
So leer ist der Wochenmarkt zwischen Katharinenkirche und dem Ledenhof nicht immer. Das Bild entstand gestern Vormittag. Aber in den Stadtteilen leiden die Märkte unter der sinkenden Zahl von Anbietern.
Foto:
Stefanie Hiekmann

Kommentar
Kulturgut

Allen Pessimisten sei gesagt: Der Wochenmarkt ist ein Kulturgut und wird städtisches Leben auch in Zukunft bereichern. Diesen Ort der Genüsse und der Kommunikation kann das Internet nicht ersetzen. Allerdings: Es wird eine Konzentration auf wenige Hotspots geben.

Der Rückgang der Beschickerzahl ist unübersehbar. An der Ebertallee beispielsweise ist deren Zahl binnen eines Jahres von 36 auf 30 zurückgegangen. Irgendwann wird sich die Spirale weiter in Bewegung setzen: weniger Buden, weniger Kunden. Darüber hinaus haben die Wochenmärkte ein Zeitproblem. Sie sind geöffnet, wenn die Kundschaft arbeitet. Warum ist samstags der Domhof wohl so voll? Na klar, weil die Menschen Zeit haben. Die Konzentration auf weniger Märkte mit größerem Angebot und längeren Öffnungszeiten wäre kein Drama, sondern eine Stärkung des Kulturguts.
Autor:
Wilfried Hinrichs


Anfang der Liste Ende der Liste