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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Tötung Unschuldiger als Machtmittel
Zwischenüberschrift:
Neues Buch zur Geschichte der Hexenverfolgung in Osnabrück erschienen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Zu Beginn der Frühen Neuzeit schaute Deutschland auf Osnabrück, das als Hochburg der Hexenverfolgungen galt. Wie nirgendwo sonst im Reich schien man hier vermeintlichen bösen Zauberinnen den Prozess zu machen. Ein neues Buch untersucht die Verfolgungen.
Anna von Goer war eine der ersten von insgesamt wohl 120 " Zauberschen", die die Henker allein im Jahr 1583 vor den Stadttoren an eine Leiter banden. Bevor sie Goer als Hexe auf einen brennenden Scheiterhaufen warfen, banden sie ihr noch ein Schwarzpulversäckchen um den Hals wohl, um möglichst schnell ihren Tod herbeizuführen.
Zu erfahren ist das in dem Buch " Die Hexenverfolgung in der Stadt Osnabrück". Vorgelegt hat es jetzt Nicolas Rügge aus Hannover. Der Historiker arbeitete bis 2013 am Osnabrücker Standort des Niedersächsischen Landesarchivs. In seiner fast zehnjährigen Tätigkeit dort erreichten ihn immer wieder Anfragen zu den hiesigen Hexenprozessen. Doch Antworten zu geben fiel Rügge nicht immer leicht. Zwar befand sich die aktenmäßige Überlieferung größtenteils im Archiv. Aber die Quellen waren so unübersichtlich formiert, dass die Ermittlung einzelner Belege übermäßig viel Aufwand erforderte, erinnert er sich.
So durchforstete Rügge die Quellen, ordnete sie und sichtete relevante Literatur zum Thema. Dadurch gelang dem Historiker, schon für das Jahr 1490 eine erste Hexenverbrennung in den Zusammenhang der Osnabrücker Verfolgungen zu stellen. " Und ich konnte die Zahl und die Namen der Opfer exakt ermitteln, soweit sie in den Quellen greifbar waren", erwähnt Rügge. 260 sogenannte Hexen hat man demnach zwischen 1490 und 1639 in Osnabrück getötet. Der traurige Höhepunkt war das Jahr 1583, als 120 Frauen umgebracht wurden was im damaligen Deutschland Beachtung und teilweise Erschütterung hervorrief.
Viele Gründe konnten in der Frühen Neuzeit solche Verfolgungswellen auslösen: Zum einen glaubten die damaligen Menschen tatsächlich an Hexerei und erklärten sich mit ihr rätselhafte Todesfälle, Pestepidemien und Missernten. Ebenso verbreitete sich im 16. Jahrhundert innerhalb der juristischen und theologischen Fakultäten der sogenannte " Hexenhammer", also das Buch " Malleus Maleficarum", in dem der Inquisitor Heinrich Kramer die Wirkung des angeblichen Schadenszaubers penibel ausbreitet.
Entscheidend für die furchtbare Dynamik, die eine Welle von Hexenverfolgungen annehmen konnte, waren aber vor allem lokale Akteure in Osnabrück beispielsweise die Bürgermeister. Diese Erkenntnis konnte Rügge in seinem Buch bestätigen und in neuen Nuancen ausleuchten. Den Stadtoberen dienten die Prozesse und Hinrichtungen unter anderem zur Festigung ihrer Macht, hat der Historiker ermittelt. So ging es etwa Rudolf Hammacher, der von 1565–87 das städtische Spitzenamt ausübte, darum, nach den stürmischen Zeiten der Reformation ein einheitliches lutherisches Bekenntnis durchzusetzen. Das bedeutete auch, " als erfolgreicher Glaubenswächter für das Seelenheil der Bürgerschaft aufzutreten", so der Historiker.
Im zweiten Teil des Buches hat Nicolas Rügge 100 Quellen veröffentlicht und übersetzt, die er für das Verständnis der Osnabrücker Hexenverfolgungen besonders wichtig findet. Geschrieben hat er sein Buch zum einen für interessierte Osnabrücker, Stadtführer und Lehrer, die das Thema beschäftigt. " Und natürlich für Wissenschaftler, damit Osnabrück auch außerhalb als eine wirkliche Hochburg der Hexenverfolgung im späten 16. Jahrhundert wahrgenommen wird."
Nicolas Rügge: " Die Hexenverfolgung in der Stadt Osnabrück: Überblick Deutungen Quellen (Osnabrücker Geschichtsquellen und Forschungen, Band 56)", Verein für Geschichte und Landeskunde Osnabrück, 304 Seiten, 36 Euro.

Bildtext:

" Man brauchte Sündenböcke und diffamierte Frauen als Hexen" diese Erkenntnis zieht die Vorsitzende des Historischen Vereins, Birgit Kehne, aus dem neuen Buch über Hexenverfolgungen in Osnabrück. Foto: Stefan Buchholz
Autor:
Stefan Buchholz


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