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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Der Domhof in den Zwanzigerjahren
Zwischenüberschrift:
Die Bratwurst gab es beim Weihnachtsbaumverkauf auch schon dazu
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Die Zeiten, als unterschiedliche Ansichten über Wuchs und Form eines Weihnachtsbaums Ehekrisen auslösen konnten, scheinen vorbei. Wahrscheinlich wirkt befriedend, dass der Käufer eines Baums heute meistens eine Bratwurst und/ oder eine Tasse Glühwein verabreicht bekommt. Auswahl und Kauf werden damit zum Event, das die Vorfreude auf das kommende Fest erhöht.

So ganz viel anders scheint das im Osnabrück der 1920er-Jahre aber auch nicht gewesen zu sein. Auf dem historischen Bild sehen wir hinter dem Wald von eingeschlagenen Weihnachtsbäumen eine fahnengeschmückte Wurstbude. " W. Lohmann′s Rostbraterei" bittet die Passanten vor oder nach dem Baumkauf auf ein Würstchen an ihren Stand. Das Ganze spielt sich vor der Kulisse der neuromanischen Domanbauten ab.

Die waren zu der Zeit gerade erst 30 Jahre alt. Dombaumeister Alexander Behnes ließ in den Jahren 1891 bis 1894 die alten, halb verfallenen Kurienhäuser und das Gefängnis " Pottschapp" abreißen und gestaltete den südlichen Dombezirk grundlegend neu. Er umhüllte den alten Kreuzgang mit einem neuromanischen Gebäudeensemble für Michaelskapelle, Margarethenkapelle, Domschatzkammer und Domarchiv. 1944 zerstörten Sprengbomben Teile des Kreuzgangs und der Nebengebäude, die äußeren Umfassungsmauern blieben aber stehen. Bis 1955. Dann wurde, was heute kaum verständlich erscheint, der Westflügel durch einen einfachen Standardbau ersetzt, der seit 2008, weiß verputzt, als " Forum am Dom" den neuen Zugang zum Diözesanmuseum bildet. Die Ruine des dreigeschossigen Eckbaus riss man ab und setzte stattdessen ein baustilistisch aus dem Rahmen fallendes Klassizismus-Gebäude dorthin. Es gehörte der Fabrikantenfamilie Hammersen und stand zuvor an der Johannisstraße 19/ 20, wo es der Straßenverbreiterung weichen musste.

Was erkennt der geübte Zeitreisende noch auf dem historischen Foto, das vermutlich aus dem Obergeschoss des 1975 abgerissenen Schöningh′schen Hauses am Domhof 5 aufgenommen wurde? Da sind die verzierten gusseisernen Masten, die die Gaslaternen und den horizontal durchs Bild laufenden Fahrdraht der Straßenbahn tragen. Rechts neben dem Domanbau geht der Blick über den Theatervorplatz der heute offiziell und von den meisten Osnabrückern unbemerkt Platz der Deutschen Einheit heißt zu dem barocken Haus Kleine Domsfreiheit Nummer 3, das dem Domkapitel gehört. Es hat den Krieg überstanden und ist Wohnsitz von Domkapitularen und - vikaren.

Der Domhof hat genau wie die Große Domsfreiheit eine lange Tradition als Ort öffentlicher Veranstaltungen. Heute wird er im Advent regelmäßig für den historischen Weihnachtsmarkt genutzt.

Das bunte Treiben mit Fressalien- und Glühweinbuden knüpft an die Zeiten an, als hier Frühjahrs- und Herbstjahrmärkte stattfanden. Der erste Jahrmarkt nach dem Krieg im März 1948 war noch recht armselig. Würstchen gab es nicht, wohl aber, gegen Brotmarken, harte Brezeln und Brötchen zu einer Art Heringssalat. Junge Männer schossen mit Flitzebogen auf buntes Papier, das die Umrisse von Blumen hatte. " In jedem Marktbesucher hätte ja immer noch ein verkappter unverbesserlicher Militarist stecken können", schrieb Wido Spratte in seinem Buch " Osnabrück 1945–1955", deshalb habe der britische Stadtkommandant keine scharfen Waffen erlaubt. In den Folgejahren war zunächst die Armbrust, danach wieder das Luftgewehr zugelassen.

Bildtext:

Der Weihnachtsmarkt belegt den Domhof seit mehr als vier Jahrzehnten in der Adventszeit mit Beschlag. Foto: David Ebener

Leider zu hoch für die Sozialwohnung: Kunden begutachten eine schön gewachsene Tanne beim Weihnachtsbaumverkauf vor dem Dom im Jahr 1954. Im Hintergrund rechts die Domanbauten mit trotz Bombentreffern standsicherer Fassade, die dennoch später abgerissen wurde. Foto: Archiv/ Kurt Löckmann

Weihnachtsbaumverkauf in dern 1920er-Jahren auf dem Domhof vor der Kulisse der neuromanischen Domanbauten, Das Foto entstammt dem Aufruf an unsere Leser, Privatfotos für den kürzlich erschienenen Band " Unser Osnabrück - die Stadt im Wandel der Zeit" zur Verfügung zu stellen.

Foto: Privatarchiv Glüsenkamp
Autor:
Joachim Dierks


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