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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Gehörlos? Na und! Der Mann arbeitet gut
Zwischenüberschrift:
Seit 25 Jahren bringt der Integrationsfachdienst Menschen mit Behinderung in Arbeit
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Thomas Tietjen ist gehörlos. Das ist an seinem Arbeitsplatz nicht von Bedeutung. Im Gegenteil: In der Industrie-Buchbinderei herrscht manchmal ein solcher Lärm, dass sich alle Kollegen ohnehin nur mit den Händen oder Blicken verständigen können.
Bei der Osnabrücker Firma " ibos" ist Tietjen nicht der einzige Gehörlose. Die beiden Geschäftsführer Bernhard Haunert und Bernd Vossik geben in ihrem 1992 gegründeten Betrieb immer wieder Menschen mit Vermittlungshemmnissen eine Chance. Dabei haben sie festgestellt, dass diese Mitarbeiter ebenso gut sind wie die anderen auch.
Das hat auch Jürgen Vogelsang erfahren. Der Malermeister hatte eine Stelle ausgeschrieben, auf die sich Alexander Renn mit Unterstützung des Integrationsfachdienstes vom Verein Hilfe für Hörgeschädigte bewarb. " Ich war am Anfang skeptisch", gibt Vogelsang offen zu. " Aber ich hatte Arbeitsdruck, also hab ich ihn einen Tag lang mitgenommen." Danach war er überzeugt.
" Herr Renn hat eine schnelle Auffassungsgabe, arbeitet gründlich und sauber." Bliebe noch das Verständigungsproblem. " Er ist sehr nachsichtig mit mir, wenn ich ihn nicht verstehe", lacht Vogelsang. Er ist auch ein besonderer Chef, weil er jetzt an der Volkshochschule selbst die Gebärdensprache lernt, auf die er neugierig geworden ist.
Mit seinem direkten Kollegen Dieter Poppe hat Renn eine eigene Sprache, erzählt der Chef. Ansonsten werden der Arbeitszettel aufgeschrieben und der Einsatzplan auf dem Handy verbreitet. Auch über Skype und Whatsapp-Filme läuft schon mal die Verständigung. Vor allem ältere Kunden seien ganz begeistert über seinen Mitarbeiter. " Er ist ein Gentleman-Handwerker", sagt Vogelsang. Zudem hat sein Mitarbeiter ein Hobby, das seinem Malerbetrieb gut zu Gesicht steht: Stuckprofile.
Und Alexander Renn? Der gelernte Malerfacharbeiter ist rundum glücklich, dass er nach Osnabrück gezogen ist: Hier hat der 34-Jährige seine Frau geheiratet, diesen Job gefunden und nun auch eine Familie gegründet.
Nicht weniger zufrieden ist Martin Krönke, der über den Integrationsfachdienst des Caritasverbandes den Sprung aus der Vollrente in die Vollbeschäftigung geschafft. Gesundheitliche Probleme hatten den gelernten Industriemechaniker aus dem Erwerbsleben geworfen.
Gut, dass die Osnabrücker Werbemittelagentur Wilker einen Mitarbeiter für die Produktion suchte. Das Familienunternehmen wolle in erster Linie langfristige Mitarbeiter anwerben, sagt Geschäftsführer Andreas Schewtzuck. Er hat seinen Zivildienst in Bethel abgeleistet und seither Interesse an der Förderung von Menschen mit Behinderung.
Deshalb ging in diesem Fall die Initiative vom Arbeitgeber aus, der sich an den Integrationsfachdienst wandte. Nicht von ungefähr, wie Schewtzuck betont: Krönke ist nicht der erste Mitarbeiter mit Behinderung, der in der Werbeagentur eine Anstellung gefunden hat. " Zuverlässig, lern- und teamfähig", beschreibt er seinen Mitarbeiter an der Druckmaschine. " Mit ihm können wir jetzt wieder alles bedrucken. Die Maschine läuft jeden Tag."
Der Gelobte ist kein Mann der vielen Worte, während er an der Maschine Tröten für einen Marathonlauf bedruckt. In zwei Wochen Praktikum habe er sich bewähren können und sei ohne Vorurteile im Kreis der zwölf Mitarbeiter aufgenommen worden. Macht ihm seine Gesundheit einmal wieder zu schaffen, sei die Firma ebenso flexibel wie er.
Der Integrationsfachdienst ist auch zur Stelle, wenn der Arbeitsplatz eines Menschen mit Behinderung gefährdet ist. Er ist der Mittler zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern vor, während und nach der Einstellung.
Thomas Tietjen packt unterdessen unverdrossen Kataloge ein, die wie so oft in der Buchbinderei auf den letzten Drücker für eine Messe bestellt werden. Als Lagerarbeiter, Maschinenhelfer und in der Qualitätskontrolle macht er nach Auskunft seiner Geschäftsführer einen guten Job. Als einer von drei Hörgeschädigten bei " ibos" sind alle Kollegen an etwas andere Verständigungsmethoden gewöhnt.
Kontakt: IFD Hilfe für hörgeschädigte Menschen, Knollstr. 96, Telefon 05 41/ 1 80 09-73, E-Mail: kenke@
sozialdienst-hfh.de; IFD Caritasverband, Johannisstr. 91, Telefon 05 41/ 341-476,
E-Mail: ameyer@ caritas-os.de

Bildtext:

Alexander Renn ist gehörlos und hat im Malerbetrieb Vogelsang eine Anstellung bekommen. Hier streicht er gerade die Außenfassade des Hotels Advena. Foto: Michael Gründel

Jürgen Vogelsang ist Renns Chef und war schnell überzeugt von dessen Arbeitsqualitäten. Foto: Michael Gründel

An der Maschine werden an diesem Tag Tröten zur Anfeuerung von Marathonläufern bedruckt. Foto: Swaantje Hehmann

Markus Krönke in der Produktion der Werbemittelagentur Wilker. Nach gesundheitlichen Problemen schaffte er es aus der Vollzeitrente in die Vollbeschäftigung. Foto: Swaantje Hehmann

Thomas Tietjen war früher in der Werkstatt für Hörgeschädigte tätig. Inzwischen hat er wie zwei andere Hörgeschädigte eine Anstellung bei " ibos". Foto: Gert Westdörp

Kommentartext:

Fachdienst hilft

Menschen mit Behinderung haben es auf dem Arbeitsmarkt besonders schwer. Um ihre Chancen zu erhöhen, wurde vor 25 Jahren der Integrationsfachdienst (IFD) gegründet. In Osnabrück wird er vom Caritasverband und dem Verein Hilfe für Hörgeschädigte in Niedersachsen in Zusammenarbeit mit dem Integrationsfachdienst angeboten. Für die Arbeitgeber gibt es verschiedene Formen der finanziellen Förderung, wenn sie einen behinderten Arbeitnehmer einstellen. Bei Hörgeschädigten Menschen gibt es zusätzlich ein Budget für Dolmetscherkosten. Die Fachdienste helfen beim Beantragen von Fördermitteln und der Einrichtung des Arbeitsplatzes. Bei Schwierigkeiten vermitteln die Mitarbeiter zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Das Programm wird finanziert aus der Ausgleichsabgabe. Arbeitgeber müssen sie zahlen, wenn nicht mindestens fünf Prozent der Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Menschen besetzt sind.


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