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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
"Gebt den Neumarkt wieder frei"
Zwischenüberschrift:
Facebookgruppe von Michael Wiese wächst schnell – Mehr als 2700 Fans
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Ein Bürgerbegehren über den Neumarkt? In der Facebookgruppe " Gebt den Neumarkt wieder frei" sammeln sich die Gegner der Sperrung und machen für freie Fahrt über den Neumarkt mobil.

Michael Wiese steht in seinem Büro ganz oben im Hasehaus und schaut auf den Neumarkt: " Die Sperrung hat null Nutzen!" Ginge es nach ihm, dann würden bald wieder Autos über den Neumarkt rollen. Und den Wall nach seiner Überzeugung so deutlich entlasten. Jetzt hat der Geschäftsführer der Wiese Marketing GmbH eine Facebookgruppe ins Leben gerufen. Der Name ist Programm: " Gebt den Neumarkt wieder frei." Folgt am Ende ein Bürgerbegehren über den Neumarkt?

Wiese scheint damit einen Nerv getroffen zu haben: Über 2700 Menschen haben in den ersten sieben Tagen auf den " Gefällt mir"- Knopf gedrückt. " Mehr als auf die Seiten aller Ratsfraktionen zusammen", freut sich Wiese. Schließlich scheiden sich an der Tunnelrückbau-bedingten Sperrung des Neumarkts die Geister: Während die einen darin einen klaren Gewinn für die Innenstadt sehen, vermuten andere einen gesinnungsgetriebenen Anschlag auf die individuelle Mobilität in Osnabrück. Die Schlacht um den Neumarkt wird eben nicht nur im Rat oder an Stammtischen, sondern auch in den Netzwerken wie Facebook geschlagen.

" Eigentlich müsste ich mit einem Büro in dieser Lage ja sogar für die Sperrung sein", erzählt Wiese beim Blick auf den Neumarkt. Dann kommt das Aber: " Das ist weder bürger- noch umweltfreundlich." Die Hutschnur sei ihm angesichts der Klagen über die zu hohen Schadstoffwerte geplatzt. Auch die Fraktionen im Rat hätten gejammert, die mit der Sperrung Staus und Schadstoffausstoß provoziert hätten. Das sei " ein Wahnsinn". Viele seiner Bekannten und Geschäftsfreunde sähen das ähnlich. Sein Fazit: " Jetzt müssen wir mal was machen." Gesagt, getan: Am 2. Dezember ging seine Facebookgruppe " Gebt den Neumarkt wieder frei" unter www.facebook.com/ neumarkt.auf online.

Keine Frage: Wiese gehört zu denen, die in der Neumarktsperrung die Ursache für die Verkehrsinfarkte auf den Wällen sehen. Dementsprechend positioniert er auch seine Facebook-Gruppe: Hier postet die Autofahrer-Lobby, die Leute, die auf das Auto angewiesen sind oder es zumindest zu sein meinen. Und Wiese stößt auf Zustimmung: " Die Resonanz ist überwältigend."

Schließlich ist das Ziel klar definiert: " Wir machen weiter, bis die Radfahrer im Rat uns Autofahrer ernst nehmen", schlägt Wiese in seinen Posts sprachlich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: " Wir Autofahrer" sorgt für Gemeinschaftsgefühl gegen die anderen: die ratsunterwandernden " Radfahrer". Bis die so Geschassten endlich ein Einsehen haben, soll in der Gruppe " die schaurige Stau-Schau" gepostet werden. Die Zahl der Schauerbilder ist aber bislang noch überschaubar.

Haben Sie etwas gegen Radfahrer, Herr Wiese? " Nein, ich fahre selber gerne Fahrrad, bin aber beruflich auf das Auto angewiesen. Und so geht es vielen." Autofahrer seien nun mal nicht immer die bösen Buben. Und Radfahrer nicht immer nur die guten Jungs. Solche Fronten müssten aufgeweicht werden. Ob das bei einer so klar definierten Stoßrichtung und der geduldeten oder auch selbst gestreuten Polemik gegen Radfahrer und Rat gelingen wird, bleibt abzuwarten.

Sicher ist dagegen, dass Widerspruch nicht ausbleibt: " Wo kann ich hier einen Dis like unterbringen? Ich habe nichts gegen einen gesperrten Neumarkt", fragt zum Beispiel ein Besucher. Er bleibt in der Gruppe ungehört. Die Befürworter einer Sperrung sammeln sich ohnehin unter www.facebook.com/ Neumarktsperrung in der Gruppe " Lasst den Neumarkt für Autos gesperrt". Oder versuchen es zumindest: Mit weniger als 150 Fans ist die Gruppe derzeit noch relativ überschaubar.

Wie soll es weitergehen? " Wie wäre es mit einem Bürgerbegehren gegen die Rats-Radfahrer?", hat Wiese in der Gruppe schon eine Option ins Gespräch gebracht. Er könne sich aber auch die Gründung einer Bürgerinitiative vorstellen.

Ein Bürgerbegehren über den Neumarkt? Ganz so einfach, wie mache Befürworter sich das vorstellen, macht die Kommunalverfassung das aber nicht. Die Pendler aus dem Landkreis, die sich über Staus beklagen, wären zum Beispiel gar nicht stimmberechtigt . . .

Bildtext:

Michael Wiese hat die Facebook-Gruppe " Gebt den Neumarkt wieder frei" ins Leben gerufen. Foto: Jörn Martens
Autor:
Frank Wiebrock


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