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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Darum helfen wir Flüchtlingen
 
Die Lehrerin
 
Der Teamplayer
Zwischenüberschrift:
Der Organisator
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Heute ist Freitag, gestern war Donnerstag, morgen ist Samstag. Mechthild Dierks übt mit Kindern im Flüchtlingshaus Osnabrück die Wochentage. Die pensionierte Studienrätin ist eine von etwa 100 Ehrenamtlichen, die dort Sprachunterricht erteilen.
" Ich habe mir vorgenommen, im Ruhestand nur noch das zu machen, was mir Spaß macht", lächelt die Osnabrückerin. Und Spaß macht ihr der Umgang mit den Kindern und Jugendlichen, die wenige Wochen im Flüchtlingshaus leben, ehe sie mit ihren Eltern in eine niedersächsische Kommune weiterziehen. " Bereichernd" empfindet sie den Kontakt mit den jungen Flüchtlingen, die nach ihren Erfahrungen " sehr lernbegierig" sind. Dabei sind es längst nicht allein erste Sprachkenntnisse, die sie ihren Schülern vermittelt.
Auch auf Dinge wie Höflichkeit und Pünktlichkeit legt sie bei ihrem Unterricht wert. " Um 11 Uhr geht es weiter", sagt sie vor der Pause, " nicht zehn Minuten vor 11, aber auch nicht 15 Minuten später", sagt sie. Die Uhrzeit bringt sie den 14 Jungen und Mädchen auch bei. Dafür hat sie eine Uhr gebastelt, auf der die Zeiger nach Belieben eingestellt werden können.
Gymnasiasten hat Mechthild Dierks während ihres Berufslebens Mathematik und Deutsch beigebracht. Im Flüchtlingshaus hat sie eine quirlige Runde zwischen 6 und 16 Jahren vor sich, auch zwei Mütter sind an diesem Morgen mitgekommen. " Eigentlich ist der Unterricht nur für Kinder, aber ich will sie nicht rauswerfen", zuckt Dierks mit den Schultern. Nach ihrer Einschätzung sind die beiden Frauen Analphabetinnen und können ein wenig Elementarunterricht durchaus brauchen.
Deutsch für den Alltag
Die Studienrätin kann das einschätzen. An der Volkshochschule Osnabrück hat sie Analphabeten unterrichtet. Material aus dieser Zeit kann sie für die Migranten nutzen. " Es geht ja nur da rum, dass sie sich ein wenig verständlich machen, wenn sie in ihre neue Kommune kommen", sagt sie bescheiden. Dazu lernen sie die Zahlen bis 100, die Uhrzeit, die Wochentage und etwas Deutsch für den Alltag.
Die Zusammensetzung ihrer Gruppe schwankt ständig. Die Kinder, die die vergangenen zwei Wochen bei ihr waren, haben die Erstaufnahmeeinrichtung verlassen. Heute ist eine neue Schülerin da, Joudi aus Syrien. Offensichtlich ist sie ganz neu, mutmaßt Dierks. Jedenfalls kannte sie nicht das tägliche Morgenritual, mit dem sich alle begrüßen. " Ich heiße Mechthild, und wie heißt du?", geht die Frage reihum. Die Jugendliche mit dem schwarzen Kopftuch lauscht aufmerksam. Anderthalb Stunden später schreibt sie " Vorgestern war Mittwoch" fehlerfrei auf ein Flipchart, das die Tafel ersetzt.
Mechthild Dierks hat sich wenige Tage nach der Eröffnung des Flüchtlingshauses bei der Diakonie zum Unterricht gemeldet. Seit Januar ist sie dabei und koordiniert inzwischen auch die vielen Ehrenamtlichen, die dort Sprachunterricht geben. Seit einigen Wochen gibt es abends Unterricht für Erwachsene, die die Zeit im Flüchtlingshaus sinnvoll nutzen.
Die Pause ist vorbei, die meisten Schüler kommen pünktlich. Heute, morgen, gestern wird wiederholt. Bei ihren Fragen sieht Mechthild Dierks oft über die etwas vorlauten Jungen hinweg und nimmt die Mädchen dran. Manchmal denkt sie an frühere Schüler wie das Geschwisterpaar aus dem Kosovo, das so schnell Deutsch lernte, dass sie mit ihm Ausflüge in die Stadt machte. Tolle Schüler, tolle Jugendliche, aber ohne Chance auf ein Leben in Deutschland.

Bildtext:

Ruhig, geduldig und mit Freude unterrichtet Mechthild Dierks im Flüchtlingshaus Kinder, Jugendliche und manchmal auch Mütter.

Foto:

Michael Gründe

Die Kinder sind eifrig dabei, wenn Mechthild Dierks Deutschunterricht erteilt.

Foto:

Michael Gründel

Osnabrück. Wenn Sportstudent Daniel Wangler, umringt von Flüchtlingskindern, auf dem Fußballplatz steht, sind Spielregeln relativ egal. Wichtig ist nur, dass sich zwei Teams finden, die gegeneinander spielen. Ansonsten zählen Laufen und Toreschießen. Und vielleicht noch der Eckstoß. Viel mehr lässt das Sprachengewirr der unterschiedlichen Nationalitäten sowieso nicht zu.
Zusammen mit weiteren Sportstudenten organisiert Daniel Wangler seit knapp einem Jahr Sport- und Spielenachmittage für Flüchtlingskinder an der Erstaufnahmeeinrichtung am Natruper Holz.
Ein gutes Gefühl
Die Kinder kennen den Ablauf schon, wenn die Sportler kommen. Die Kleinen stürmen zur Garage, wo die Materialien eingelagert sind. Mit den anderen Betreuern schaut Wangler zu Beginn eines Nachmittags, worauf die Kinder reagieren: " In der Regel fahren sie sofort auf die Seile ab, schnappen sich Reifen, spielen Hula-Hoop oder greifen zu den Boulekugeln, um zu sehen, was das überhaupt ist."
Das Lachen der Kinder bringt oft andere Bewohner auf die Beine. Sie schauen aus dem Fenster, was sich da draußen tut. Häufig kommen die Eltern oder ältere Geschwister dazu, erzählt Daniel Wangler.
Der 29-Jährige sagt, er wolle einen Beitrag leisten: " Deutschland ist ein wunderbares und wohlhabendes Land. Uns geht es überdurchschnittlich gut. Aber wir haben auch Menschen hier, denen es unterdurchschnittlich gut geht. Und dazu gehören vor allem Geflüchtete."
Auch aus wissenschaftlicher Sicht könne gerade Sport bei den Kindern etwas bewirken, glaubt Wangler. " Viele, die hier sind, haben Traumatisches erlebt." Sport biete eine Möglichkeit, auf andere Gedanken zu kommen. " Auch wir selbst gehen immer mit einem guten Gefühl von unserem Spiel- und Sportnachmittag weg."
Und auch wenn die Verständigung hauptsächlich mit Händen und Füßen geschieht, verstehen die Helfer am Ende eines jeden Sportnachmittages sehr gut, was ihnen die Kinder sagen wollen: " Bitte noch nicht aufhören!"
Kontakt: " Sport mit Osnabrücker Flüchtlingskindern", Projektgruppe des Instituts für Sport- und Bewegungswissenschaften der Universität Osnabrück, Arbeitsbereich Sport und Erziehung, Ines Weiden & Daniel Wangler, E-Mail: smof@ uos. de, Telefon 05 41/ 969-64 10 (Di. 11–12 Uhr, Do. 16–17 Uhr

Bildtext:

Selbst strömender Regen kann Daniel Wangler und die Kinder nicht davon abhalten, draußen vor dem Flüchtlingshaus zu spielen.

Foto:

David Ebener

Mit einfachen Mitteln werden Spiel- und Sportmöglichkeiten für die Kinder geschaffen.

Foto:

David Ebener

Osnabrück. 700 Kubikmeter Kleider, Koffer und Kuscheltiere sind nach Schätzung von Michael Beckmann in den ersten elf Monaten in der Kleiderkammer des Osnabrücker Flüchtlingshauses sortiert und ausgegeben worden. " Etwa 40 Kubikmeter passen auf einen Lkw", macht der ehrenamtliche Mitarbeiter die Menge etwas besser vorstellbar.
Michael Beckmann und seine Frau gehören zu den Ehrenamtlichen der ersten Stunde im Flüchtlingshaus. Weihnachten 2014 lasen die beiden in der NOZ, dass Ehrenamtliche gesucht wurden. Wenig später traten sie den Freiwilligendienst an und sind bis heute mindestens zweimal wöchentlich dabei.
Der frühere Karmann- und VW-Mitarbeiter ist ein Macher. Seine rechte Hand ist durch einen Unfall zwar nicht mehr voll einsatzfähig, Beckmann packt trotzdem mit an. In den ersten Wochen galt es, Grund in die ganze Sache zu bringen. Die ehemaligen Umkleideräume des Bundeswehrkrankenhauses und Klinikums wurden entrümpelt, die Spinde beseitigt, Regale aufgebaut für die Kleiderkammer. Lagerflächen fanden sich in einer Halle abseits des Haupthauses. Als dort die Fahrradwerkstatt eingerichtet wurde, mussten die ganzen Regale wieder abgebaut und alles umgeräumt werden.
Kuscheltiere für alle
Dabei halfen auch viele Flüchtlinge, erzählt der Diplom-Ingenieur. Sie können durch Arbeit wie andere Ein-Euro-Jobber etwas dazuverdienen. Manche machten es aber einfach, um etwas zu tun zu haben. " Einige waren dabei, die hatten handwerklich wirklich was drauf", erzählt Backmann, " die wussten auch ohne Erklärungen sofort, was zu tun war. Ich hätte die sofort eingestellt." Aber auch sie sind inzwischen weg, verteilt auf verschiedene Kommunen Niedersachsens.
Unter den Ehrenamtlichen sind viele ehemalige Lehrer und Angestellte, erzählt Beckmann: " Die wollen mit ihrem Freiwilligendienst bewusst etwas anderes machen als früher." Sie sortieren die Kleiderspenden, räumen die Herren-, Damen- und Kindersachen nach Größen in die Regale und auf die Kleiderständer und helfen bei der Ausgabe. Auch eine Schulklasse hat als Projektarbeit schon beim Sortieren geholfen, berichtet Beckmann. Ehrenamtliche in der Kleiderkammer sind immer nötig.
Das Flüchtlingshaus ist eine Erstaufnahmeeinrichtung des Landes. Hier leben die Asylsuchenden einige Wochen, bis sie an niedersächsische Kommunen weitergeleitet werden. Die Neuankömmlinge erhalten einen Berechtigungsschein, mit dem sie sich zu bestimmten Zeiten in der Kleiderkammer das aussuchen können, was ihnen fehlt. Jetzt sind das vor allem warme Wintersachen. Steht der Transfer in eine Gemeinde bevor, erhalten die Gäste aus der Kleiderkammer einen Koffer für die Weiterreise.
Damit die ganze Arbeit mit den ständig wechselnden Ehrenamtlichen unter den gleichen Bedingungen abläuft, hat Beckmann " Spielregeln" aufgeschrieben, die an den Türen heften. Dann ist er ganz der Organisator, der darauf achtet, dass alles wie am Schürchen klappt.
Er ist aber auch der Ehrenamtliche, der sich freut, wenn die Flüchtlinge im Haus " ein Stück Normalität erleben", wenn die Frauen etwas Hübsches für sich und ihre Kinder gefunden haben. An den Ausgabetagen stellt er auch immer zwei Kisten mit Kuscheltieren hin. " Mir ist aufgefallen, dass nicht nur die Kinder etwas mitnehmen", erzählt er, " auch einige Männer haben sich etwas zum Kuscheln mitgenommen."
Die ehrenamtliche Hilfe im Flüchtlingshaus wird zentral durch das Diakonische Werk gesteuert. Interessierte wenden sich per E-Mail an Monika Förster: Info@ fluechtlingshaus-osnabrueck. de.

Bildtext:

Große Größen werden kaum gebraucht. Michael Beckmann, Organisator der Kleiderkammer im Flüchtlingshaus.

Foto:

Gert Westdörp
Autor:
Ulrike Schmidt
 
Stefanie Witte
 
Ulrike Schmidt


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