User Online: 1 | Timeout: 09:59Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Anwohner sollen Verhalten ändern
Zwischenüberschrift:
Bürgerforum diskutiert Verkehrskonzept Westerberg
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Das Verkehrskonzept Westerberg, ein Ergebnis von vier Sitzungen des " Runden Tisches Verkehr Westerberg" und planerischem Rat eines externen Fachbüros, hat Ende November die Zustimmung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt erhalten. Die spannende Frage war nun, wie das Bürgerforum Westerberg/ Weststadt das Konzept aufnehmen würde. Auf einen kurzen Nenner gebracht: überwiegend positiv. Fundamentalkritik wurde nur ganz vereinzelt geäußert. Die meisten Wortmeldungen bezogen sich auf Details wie etwa Bustakt und Busauslastung.

Das Verkehrskonzept stellt die Antwort von Rat und Verwaltung auf die Anlieger-Forderung nach einem " Plan B" dar, also nach einer Lösung der Verkehrsprobleme am Westerberg nach Ablehnung einer Entlastungsstraße West im Ergebnis der Bürgerbefragung 2014. Befürworter und Gegner der Entlastungsstraße hatten sich mit Vertretern von Rat, Verwaltung und Großanliegern wie Kliniken und Hochschulen zu einem " Runden Tisch" zusammengefunden und um Kompromisse gerungen.

Heike Stumberg vom Fachbereich Städtebau stellte Vorgehensweise und Ergebnisse vor. In den Handlungsfeldern Straßen, ÖPNV, Rad- und Fußverkehr und innovative Mobilität wurden jeweils vier " Härtegrade" der Eingriffe in die bestehenden Verhältnisse abgewogen, von " Planfall 1" mit nur behutsamen Veränderungen bis hin zu " Planfall 4" mit radikalen Sperrungen für den individuellen Autoverkehr und entsprechend starken Verkehrsverlagerungen in andere Stadtteile. Der " Runde Tisch" habe sich auf den " Planfall 2" mit mäßigen Eingriffen geeinigt. Der könne zu den gewünschten Entlastungen führen, wenn gleichzeitig die Anwohner ihr Verkehrsverhalten ändern, das Auto häufiger stehen lassen und mehr auf Rad, Bus und die eigenen Füße setzen. Denn, das war ein wichtiges Ergebnis der Erhebungen, mehr als 50 Prozent des Autoverkehrs auf der " heimlichen Westumgehung" Mozartstraße–Lien eschweg–Händelstraße– Gluckstraße–Am Natruper Holz ist Ziel- oder Quellverkehr. Im Gegensatz zum Durchgangsverkehr, so die Mehrheitsmeinung des " Runden Tisches", lasse sich bei den Anliegerverkehren am ehesten ein Umstieg auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel erreichen.

Die wichtigsten Elemente des Verkehrskonzepts sind der Bau einer Erschließungsstraße im Wohn- und Wissenschaftspark zwischen Natruper und Sedanstraße, die Sperrung der Straße " Am Natruper Holz" für Autos, die Geschwindigkeitsdrosselung durch Aufpflasterungen (" Berliner Kissen") und die Umwidmung der Artilleriestraße zur Einbahnstraße. Weiterhin soll der Stadtteil durch erhöhte Taktung, Erweiterung des Liniennetzes um eine Hochschullinie und eine neue Quartierslinie besser durch Busse erschlossen werden. Für Radfahrer und Fußgänger soll ein Nord-Süd-Radweg parallel zur Gluckstraße entstehen und die Wilhelmstraße zur Fahrradstraße werden. Mit Mittelinseln, mehr Abstellanlagen und einem stadtweiten Fahrradmarketing kann nach Meinung des " Runden Tisches" das Fahrrad als Verkehrsmittel attraktiver gemacht werden. Zudem sollen das Carsharing ausgeweitet und ein betriebliches Mobilitätsmanagement verstärkt werden.

Grundsätzliche Kritik äußerte ein Bürger, der dem Konzept eine " Überfrachtung mit gesellschaftspolitischen Zielvorgaben" vorwarf. Es sei utopisch, am Westerberg einen neuen Menschentypus schaffen und mit ihm eine " bessere Parallelgesellschaft" als in anderen Stadtteilen begründen zu wollen. Ein anderer zweifelte die jetzt genannten Fahrzeug-Frequenzzahlen an, die stark von älteren Erhebungen abweichen würden. Kritik kam auch an den " Berliner Kissen": " Das bedeutet 30-mal bremsen, 30-mal beschleunigen, mehr Lärm, mehr Abgase, mehr Stau."

Dem hielt Stumberg entgegen, dass die Aufpflasterungen so dicht aufeinanderfolgen sollten, dass sich ein Beschleunigen zwischendurch nicht lohne. Insgesamt solle das Befahren so unattraktiv werden, dass man eher geneigt sei, eine andere Strecke oder ein anderes Verkehrsmittel zu wählen. Ein Mitglied des " Runden Tisches" verteidigte das Konzept ganz entschieden: " Wir sind der Eier legenden Wollmilchsau so nah wie möglich gekommen. Alle Sichtweisen, alle Meinungen waren in unserer Runde vertreten. Dies ist ein mühsam erreichter Kompromiss. Bitte zerschießen Sie uns jetzt nicht einzelne Details, die Bestandteile des Kompromisses sind. Dann können wir wieder von vorne anfangen."

Bildtext:

Eine gute Taktung des Nahverkehrs ist den Bewohnern wichtig.

Foto:

Michael Gründel
Autor:
Joachim Dierks


Anfang der Liste Ende der Liste