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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Große Freude über Erdkabel-Beschluss
Zwischenüberschrift:
Politiker und Bürgerinitiativen feiern Erfolg
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück/ Melle. Die Hochspannungsleitung Osnabrück–Gütersloh kann zum Teil unterirdisch verlegt werden. Der entsprechende Beschluss des Bundestages vom Donnerstag löst im Südkreis und in Osnabrück Genugtuung und reges Schulterklopfen aus.

Der Bundestag hat die Trasse 16 von Wehrendorf über Osnabrück-Lüstringen bis Gütersloh insgesamt als Erdkabel-Pilotprojekt in das Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) aufgenommen. Das bedeutet, dass besonders kritische Teile der künftigen 380-kV-Leitung in die Erde gelegt werden können. Einen Vorrang für das Erdkabel gibt es aber nicht. Die unterirdische Verlegung müsse für jeden Abschnitt " dezidiert begründet werden", erklärt der Osnabrücker Grünen-Landtagsabgeordnete Volker Bajus. Bislang galt die Erdkabel-Option nur für das Umfeld des Umspannwerkes in Lüstringen. " Da in der Regel in einem Teilabschnitt aus technisch-wirtschaftlichen Gründen mindestens drei Kilometer Erdkabel verlegt werden müssen und dies in beide Richtungen für das Umspannwerk Lüstringen gilt, dürfte die Stadt komplett von dieser Gesetzesreform profitieren", sagte Bajus.

Der Landtagsabgeordnete sparte nicht mit Lob: für die Politikerkollegen aller Parteien aus der Region auf Landes- und Bundesebene, für Bundeswirtschaftsminister Siegmar Gabriel und vor allem für die Bürgerinitiativen entlang der Trasse. Deren Sprecher Frank Vornholt habe ebenso sachlich wie beharrlich für das Projekt Erdkabel geworben, " und zwar immer konstruktiv", betonte Bajus.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete André Berghegger aus Melle bewertete die Entscheidung des Bundestages als einen " großen Schritt für die Region und eine hervorragende Gemeinschaftsleistung aller, die an dem Projekt mitgearbeitet haben". Wo und in welchem Umfang Erdkabel gelegt werde, müsse in einem zweiten Schritt nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten untersucht werden, erklärte der CDU-Abgeordnete.

Freude und Erleichterung auch bei Frank Vornholt: Als die Bürgerinitiative vor zweieinhalb Jahren mit ihrer Arbeit begonnen habe, sei die fehlende Rechtsgrundlage für die Verlegung von Erdkabeln das Grundproblem gewesen. Mit der Entscheidung des Bundestages seien nun die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen, um die von den BIs geforderte Teilverkabelung zu ermöglichen: " Das ist der wichtigste Schritt überhaupt", betonte der Initiativensprecher. Es sei zwar nicht davon auszugehen, dass das Erdkabel durchgängig auf der gesamten Strecke verlegt werde, wohl aber in den Konfliktbereichen. Insofern sei es als Erfolg zu werten, dass eine für Mensch und Natur verträgliche Lösung gefunden werde: " Wir freuen uns riesig darüber", sagte Vornholt. Sein Dank galt allen Entscheidungsträgern von " unten nach oben", die sich für die gleichen Ziele eingesetzt und dafür gekämpft hätten. Jetzt gelte es, die Forderungen gegenüber dem Netzbetreiber Amprion zu forcieren, um eine möglichst naturverträgliche Lösung zu finden.

In all die Freude über den Erfolg mischte sich aber auch Kritik, die der Sprecher in Richtung Rainer Spiering äußerte. Der SPD-Bundestagsabgeordnete hatte die bevorstehende Entscheidung bekannt gegeben und als Erfolg der Lobbyarbeit vor Ort gewertet. Nach Meinung von Vornholt werde dadurch der Eindruck vermittelt, Spiering habe daran mitgewirkt, was aber nicht stimme. Ganz im Gegenteil: Noch vor einem Jahr habe Spiering die Möglichkeit der Erdverkabelung als nicht durchsetzbar bewertet und sich defensiv verhalten, während er sich heute mit fremden Federn schmücke. Demgegenüber lobte Vornholt insbesondere das Engagement von Landrat Michael Lübbersmann und Kreisrat Winfried Wilkens.

Am Freitag trafen sich Berghegger, die Sprecher der Bürgerinitiativen und die Bürgermeister von Melle und Hilter, um den Erfolg zu feiern. Berghegger hatte als Trophäe den ausgedruckten Bundestagsbeschluss mitgebracht. " Es war keine Spur von Gegenwind zu spüren. Sie haben etwas versucht, was eigentlich aussichtslos ist, und haben Erfolg gehabt, dafür gilt ein Riesenlob," sagte Melles Bürgermeister Reinhold Scholz. Ähnlich äußerte sich Marc Schewski aus Hilter, der es als bemerkenswert bewertete, dass der Bundestag der vom Landkreis Osnabrück eingebrachten Entschließung gefolgt sei, den gesamten Leitungsverlauf als Pilotvorhaben aufzunehmen.

Die Erdkabel-Option gilt au ch für die Trasse Conneforde Cloppenburg/ Ost Merzen im nördlichen Osnabrücker Land. Für die Trasse 18, die von Lüstringen über Voxtrup, Nahne, Hellern nach Westerkappeln führt und etwa 8000 Bewohner von Osnabrück betrifft, steht eine Erdverkabelung nicht zur Diskussion. Zurzeit tragen die Masten dort eine 220-kV-Leitung. Für diese Verbindung liegt seit 1982 eine Genehmigung zur Aufrüstung auf 380 kV vor. Netzbetreiber Amprion lässt zurzeit in einem neuen Planfeststellungsverfahren prüfen, ob die 32 Jahre alte Genehmigung noch zeitgemäß ist. Die Stadt hat gefordert, Alternativen zu der aktuellen Trasse zu suchen.

Bildtext:

Erdkabel für die Trasse 16 von Wehrendorf nach Gütersloh. Den Erfolg feiern (von links) Martin Odoy (BI Borgloh), Melles Bürgermeister Reinhard Scholz, Werner Altemöller und Frank Fornholt (BI Wellingholzhausen), Andreas Halbbrügge (BI Borgloh). Bundestagabgeordneter Andre Berghegger und Marc Schwenski, Bürgermeister von Hilter.

Foto:

Simone Grawe
Autor:
Simone Grawe, Wilfried Hinrichs


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