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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Die Hafenbahn rangiert an der Wasserkante
Zwischenüberschrift:
November 1915: Koks kaufen, Fleisch sparen, Puppen reparieren
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Heute würde man es ein " Soft Opening" nennen. Der Magistrat der Stadt ließ im " Osnabrücker Tageblatt" verkünden, dass am 1. November 1915 der Probebetrieb auf dem Zweigkanal von Bramsche nach Osnabrück freigegeben wurde und damit der von der Stadt Osnabrück erbaute Hafen nunmehr an die Wasserstraße angeschlossen und der Betrieb im Hafen eröffnet sei.
Es kam jedoch noch kein Schiff geladen. Das sollte erst ein halbes Jahr später passieren. Am 3. April 1916 landete der Schleppkahn " Minden 52" 475 Tonnen Hafer und Mais für das Heeresproviantdepot an. Dieser Tag gilt als offizieller Eröffnungstermin für den wasserseitigen Umschlag. Die Hafenbahn verkehrt jedoch schon ab November 1915. Über den Gleisabzweig westlich des Hasetors ist sie mit der Fernbahn verbunden. Nicht nur die ersten Hafenanlieger wie die Klöckner AG und die Osnabrücker Lagerhausgesellschaft sind nun in der Lage, Waggonladungen umzuschlagen, sondern auch " interessierte Kreise des nördlichen und westlichen Stadtteils". Dafür ist ein Freiladegleis eingerichtet. Gegen eine Zustellgebühr können auch nicht direkt im Hafen angesiedelte Firmen Ladungen empfangen, " wodurch ihnen der weite Weg nach dem Fledderbahnhof und somit erhebliche Fuhrkosten erspart bleiben", schreibt das " Tageblatt".
Im Hinblick auf die kommende Kälteperiode sieht sich die Stadt zu einer verbilligten Kohlen- und Koksabgabe veranlasst. In den Genuss kommen Kriegerfrauen, soweit sie Kriegsunterstützung erhalten, und " Minderbemittelte", die mit nicht mehr als 52 Mark zur Einkommensteuer veranlagt sind. Für 60 Pfennig erhalten sie entweder ein Scheffel Hausbrandkohlen " Nuß IV" oder einen Zentner " Nußkoks" oder eineinhalb Zentner Perlkoks. Die Kohle gibt es gegen Bezugsschein bei hiesigen Kohlenhändlern, den Koks auf dem städtischen Gaswerk. Der Preis liegt " ganz erheblich" unter den Selbstkosten.
Mädchen am Pranger
Die Preisgestaltung sollte auch dazu führen, dass in den Haushalten vermehrt Koks statt Kohle zum Heizen verwendet wird. " Die Heeresverwaltung hat lebhaftes Interesse an der Koksherstellung, da außer Gas dabei verschiedene Nebenprodukte anfallen, die für die Kriegsbereitschaft wichtig sind", erklärt die Zeitung, " es ist deshalb für jeden Verbraucher von Brennstoffen eine vaterländische Pflicht, die begehrten Kohlensorten zu schonen und Koks zu verbrennen." Das sei in jedem Haushalt möglich, sowohl im Küchenherd als auch im Dauerbrenner. Die Eisenbahnverwaltung gehe mit gutem Beispiel voran, indem sie Koks mit Kohlen mischt.
Der Königliche Landrat gibt im " Iburger Kreisblatt" Folgendes bekannt: " Die Dienstmädchen Maria Meckelhoff (im Dienst beim Hofbesitzer Steinkamp in Hardensetten) und Gertrud Klaus (bei Hofbesitzer Thies in Hardensetten) haben den Kriegsgefangenen Victor Huberty und Theo Perro in Laer eine Ansichtskarte mit folgendem Inhalt gesandt: Ihr Lieben Victor und Theo! Wir kommen heute abend nach Baracken zu schlafen. Bis dann! Wiedersehen! Wegen dieses schamlosen Verhaltens stelle ich die beiden Mädchen hierdurch öffentlich an den Pranger. Die Herren Gemeindevorsteher der Samtgemeinde Laer ersuche ich, Vorstehendes ortsüblich bekannt zu machen."
Der Missionsverein für den Regierungsbezirk Osnabrück beklagt, dass der Weltkrieg der Missionsarbeit unter den Heiden einen schweren Schaden zufüge. " Besonders in Afrika, wo die Schwarzen sehen mußten, wie sich christliche Völker gegenseitig zerfleischen, hat die christliche Religion einen argen Stoß erhalten", wird ein Redner zitiert. Aber nicht das Christentum habe versagt, sondern England. " England, das so reich missionierende und für die deutsche Missionsarbeit in mancher Hinsicht vorbildliche Land, kann diese schwere Schuld vor Gott und den Menschen nie mehr tilgen", führt der Redner weiter aus. Pastor Goudefroy, Eversburg, wird neu in den Missionsvorstand gewählt.
Mit der Heimbeförderung von Leichen gefallener Kriegsteilnehmer sind sowohl für die militärischen Stellen wie für die Eisenbahnen namentlich in den besetzten feindlichen Gebieten erhebliche Schwierigkeiten verbunden. Diese würden vermieden, wenn die Leichenüberführungen bis nach Beendigung des Krieges zurückgestellt würden. Um den Hinterbliebenen hierzu einen Anreiz zu bieten, werden die Bahnfrachttarife für solche Leichensendungen, die erst nach dem Kriege zur Aufgabe und Beförderung gelangen, um 50 Prozent ermäßigt.
Die jüdische Schule an der Rolandstraße ist im Rohbau fertiggestellt. " Sie macht, von den Baugerüsten befreit, einen recht vorteilhaften Eindruck und trägt nicht unwesentlich zur Verschönerung des Bildes der Rolandstraße bei", meint das " Tageblatt". Die Schule sei im Stile der Synagoge selbst erbaut, der sie sich westlich eng anschließt.
Hoflieferant Carl Schäffer inseriert: " Damit es zum Fest fertig ist: Bitte mir schon jetzt die Puppen-Reparaturen zuzustellen, da später dieselben kaum zu bewältigen sind. Einzelne Teile wie Köpfe, Arme und Beine werden ohne besondere Kosten eingesetzt."
Fleischverzehr verboten
Das Große Moor bei Damme wird urbar gemacht. Das " Tageblatt" schreibt: " Es ist an der Zeit, auf äußerst billige Weise unter Mithilfe von Kriegsgefangenen das hochwertigste Moor des Oldenburger Landes zu entwässern und zu kultivieren." Der Landwirtschaftliche Verein unternahm einen Ausflug ins Welplager Moor unter sachkundiger Führung des Kreiswiesenbaumeisters Bütting des Kreises Wittlage. " Es sind dort bei Voßberg 1000 Kriegsgefangene tätig, meist Belgier, einige Franzosen und Engländer. Sie liefern gute Arbeit, obwohl lange nicht alle der Landwirtschaft entstammen. Die Gefangenen sahen recht gut aus, und es gefiel ihnen auch nach eigener Aussage die Arbeit im Freien sehr. Alle Borwinghäuser Moorbesitzer sind für schleunigste Ausführung, auch die Rüschendorfer und Osterdammer." Zur Einschränkung des Fett- und Fleischverbrauchs ist eine neue Verordnung in Kraft getreten. Montags und donnerstags ist es in Gastwirtschaften verboten, Fleisch, Fisch oder sonstige Speisen zu braten, zu backen oder zu schmoren. Grund: Ersparnis von Fett. Erlaubt ist die Abgabe in gekochtem Zustand und als Aufschnitt auf Brot. Dienstags und Freitags ist in Gastwirtschaften sowie bei Schlachtern und Kaufleuten die Abgabe von Fleisch und Fleischwaren verboten. Grund: Fleischersparnis. Erlaubt ist die Abgabe von Fisch. Mittwochs gibt es keine Beschränkungen.

Bildtext:

Die Hafenbahn fährt seit dem 1.November 1915. Zunächst kamen geliehene Dampfloks der Staatsbahn zum Einsatz, die aber für den Rangierbetrieb nicht sonderlich geeignet waren. 1918 schaffte die Hafenverwaltung die erste eigene Lok an, eine AEG-Akku-Lok. Das Foto zeigt sie beim Rangieren auf der östlichenchen Kaimauer. Im Hintergrund die Lagerhalle und das Transformatorenhäuschen der Osnabrücker Lagerhaus-Gesellschaft.

Foto:

Archiv/ Museum Industriekultur
Autor:
Joachim Dierks


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