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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Klimawandel als Katalysator für Migration
Zwischenüberschrift:
Wissenschaftler rechnen mit bis zu 200 Millionen Flüchtlingen – Neuseeland nimmt Asylbewerber von bedrohter Insel auf
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Der Klimawandel ist nicht mehr aufzuhalten. Für zahlreiche Menschen tickt deshalb die Uhr: Die Folgen der Erderwärmung werden ihre Heimat zerstören. Die Ausmaße könnten gewaltig sein.
" Wir müssen mit 200 Millionen Klimaflüchtlingen rechnen", sagte Entwicklungsminister Gerd Müller im Sommer. Auch einer Studie der Umweltschutzorganisation Greenpeace zufolge werden in den kommenden 30 Jahren rund 200 Millionen Menschen aus ihrer Heimat fliehen müssen.
Einige Wissenschaftler sprechen ebenfalls von Zahlen in dieser Höhe. Es gibt zwar ein paar globale Prognosen, doch laut der Friedens- und Konfliktforscherin Christiane Fröhlich von der Universität Hamburg gehen die Einschätzungen auseinander. " Es gibt einige extreme Sichtweisen, aber letztlich wissen wir nicht, wie sich die Situation genau darstellen wird. Hier spielt auch eine große Rolle, welche Anpassungsfähigkeiten vorhanden sind und entwickelt werden", sagt sie.
Schon heute sind Veränderungen, die der Klimawandel hervorgerufen hat, erkennbar. Wetterkatastrophen wie Stürme, Dürren oder Fluten haben laut dem NGO Internal Displacement Monitoring Centre dazu geführt, dass seit 2008 bereits mehr als 140 Millionen Menschen ihre Heimat verlassen mussten. Bereits 2005 hat die Regierung von Papua Neuguinea aufgrund der steigenden Fluten des Südpazifiks beschlossen, die Einwohner der Carteret-Inseln auf eine 100 Kilometer entfernte Inselgruppe umzusiedeln. Der norwegische Flüchtlingsrat hat errechnet, dass Naturkatastrophen jährlich 26 Millionen Menschen in die Flucht treiben. Welchen Anteil der Klimawandel daran hat, ist schwer zu bestimmen.
In Syrien zwingt die Dürre seit Jahren viele Menschen dazu umzuziehen, wie Fröhlich sagt. " Die Dürrekrise zwischen 2006 und 2010, kurz vor dem Krieg, hat mindestens teilweise mit der globalen Erderwärmung zu tun", sagt sie. Zwar seien die Syrer Dürren gewohnt. Die damalige Häufung sei jedoch ungewöhnlich gewesen. Syrien hat in den vergangenen Jahren als Folge von Wasserknappheit und Verdörrung über 40 Prozent seiner bewohnbaren Fläche verloren, wie Greenpeace-Chef Kumi Naidoo dem Handelsblatt sagte. Laut Fröhlich hat das Assad-Regime es gleichzeitig verpasst, sich darauf einzustellen und die Menschen in den ländlichen Gebieten zu unterstützen. Nach Schätzungen der UN hätten sich etwa 1, 5 Millionen Menschen aus den am stärksten betroffenen Gebieten im Norden Richtung Süden und Südwesten auf den Weg gemacht, um dort eine neue Lebensgrundlage zu finden. Die Mehrheit der Flüchtlinge suche Schutz innerhalb der Staatsgrenzen und gehe nicht ins Ausland. Dazu fehlten den meisten die Mittel.
Der Klimawandel trifft laut Karsten Smid von Greenpeace unter anderem den Mittelmeerraum, große Teile Afrikas sowie niedere Gebiete in Indien und Bangladesch. " Die kleineren Inselstaaten stehen schon heute unter enormem Anpassungsdruck. Bei Springfluten steigt das Wasser so stark, dass Böden versalzen werden und Anbaugebiete nicht mehr vorhanden sind", sagt Smid.
Der Inselstaat Tuvalu zum Beispiel wird wegen des ansteigenden Meeresspiegels zwischen 2050 und 2100 unbewohnbar sein, schätzen Experten. Als erstes Land der Erde hat Neuseeland im vergangenen Jahr eine Familie von dort aufgenommen, die als Asylgrund den Klimawandel angab. Noch gibt es allerdings keine rechtliche Grundlage, die andere Länder verpflichtet, Menschen aus diesem Grund aufzunehmen.
Fröhlich und Smid glauben beide nicht, dass Migration alleine auf den Klimawandel zurückzuführen ist. Einig sind sie sich auch darin, dass sich die Menschen der Herausforderung Klimawandel stellen müssen. " Wir müssen die Betroffenen mit Anpassungsmaßnahmen unterstützen", sagt Smid.
Die Industriestaaten sind die Hauptverursacher des Klimawandels, während die Armen am meisten darunter leiden. " Wir sind noch nicht da, dass die, die den Klimawandel primär verantworten, auch die Verantwortung für diejenigen übernehmen, die davon am stärksten betroffen sind. Das ist eine große Ungerechtigkeit", sagt Fröhlich. Sie wünscht sich, dass in Paris endlich konkrete Vereinbarungen getroffen werden. Angesichts der weltpolitischen Lage sei das aber nicht sehr wahrscheinlich.
Autor:
Nadine Grunewald


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