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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Nachwuchs-Reporter aus Bad Iburg auf der Spur der Straßenköter in Istanbul
 
Istanbul ist auf den Hund gekommen
 
Engagement fehlt einfach
 
PET-Flaschen gegen Hundefutter
Zwischenüberschrift:
DBU-Projekt "Umwelt baut Brücken": Deutsche Schüler recherchieren in der Türkei
 
Wie Streuner in der Türkei privat und kommunal unterstützt werden
 
Istanbuls ungewöhnlicher Erfinder des Hundefutterautomaten "Pugedon"
Artikel:
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Originaltext:
Instanbul. Eine Schülergruppe des Gymnasiums Bad Iburg hat sich im Rahmen des interkulturellen und medienorientierten " Umwelt baut Brücken" der DBU auf den Weg in die Türkei gemacht und sich dort mit einem schon lange bestehenden Problem befasst. Seit Jahren hat die türkische Stadt Istanbul mit herrenlosen Straßentieren zu kämpfen. Osman Demirel, der Leiter der Forstwirtschaft in Istanbul, gibt zu bedenken, dass knapp 150 000 herrenlose Katzen und Hunde Tag und Nacht durch die Straßen Istanbuls streunen. Die Einstellungen der Bürger zu den Straßentieren seien jedoch gespalten. Viele Bürger stehen Projekten zur Verbesserung der Lebenslage der Tiere positiv gegenüber, anderen jedoch erscheinen diese als nicht sinnvoll. Einigen Stadtbewohnern der Millionenmetropole stört vor allem eines dass sich die Hunde und Katzen ständig bei den Bewohnern auf der Straße aufhalten und sie belästigen. Viele Bürger sehen die Straßentiere als einen Störfaktor im Stadtbild und wollen sie beseitigen lassen. Anderen hingegen ist das Wohlergehen der Tiere wichtig, sodass Lösungsansätze entwickelt wurden, um das Überleben der Tiere zu sichern.
Der türkische Erfinder Engin Girgin machte diesbezüglich einen großen Schritt nach vorne. Er entwickelte gemeinsam mit der Firma " Yücesan" unter seinem Projekt " Pugedon" eine Maschine, die bei Einwurf einer Plastikflasche oder einer Metalldose eine bestimmte Menge Hundefutter in einen Futternapf wirft. Ein Sensor im Inneren erkennt, ob es sich um eine Flasche handelt, und schüttet dementsprechend das Futter aus. Oberhalb befindet sich zudem eine Öffnung, in die Frischwasser aus Flaschen eingefüllt werden kann, welches anschließend in einen weiteren Napf fließt. Betrieben wird Girgins Erfindung mithilfe von Solarkollektoren. Das Futter für diese etwa 125 Kilogramm schweren Metallboxen wird entweder gespendet oder aus einem Etat der Stadtverwaltung finanziert. Diese ist auch für weitere Unterhaltung und Wartung verantwortlich. Girgins Erfindung kommt nicht nur in Istanbul gut an. Es erreichten ihn Anfragen aus 61 Ländern.

Kommentar
Mehr Geld!

Istanbuls Streuner brauchen mehr Geld von der Stadt! Zu wenig Helfer kümmern sich um die 150 000 Straßentiere. Dabei würde es schon genügen, wenn sich sechs hilfsbereite Menschen für das Wohl der Tiere einsetzen so wie es in dem Tierheim der Fall ist, das Schüler vom Gymnasium Bad Iburg in Istanbul besucht haben. Ideen wie die, auf einer ehemaligen Müllhalde ein Tierheim mit viel Auslauf zu errichten, sollte es viel häufiger geben.

Die Finanzierung wird inzwischen von dem englischen Tierliebhaber Robert Smith übernommen, weil die Stadtverwaltung die Kosten nicht mehr trägt. Ein Tierheim müsse sich mehr auf die Versorgung der Tiere als auf den Auslauf konzentrieren, so die Stadt. Der im Tierheim beschäftigte Tierarzt Bekhan sieht das anders: " Tiere dürfen nicht in kleinen, abgeschotteten Räumen leben", sagt er mit Recht.

Doch selbst wenn die Stadt nicht in jedem Punkt mit dem Tierheim übereinstimmt, hat sich ihre Einstellung zu Streunern grundsätzlich verbessert. Ein Glück! Schließlich war sie 1998 noch dafür, die Straßenhunde einzuschläfern. Sicher braucht Istanbul Wohltäter und ehrenamtliche Helfer, um den vielen streunenden Tieren gerecht zu werden. Ohne die Stadt selbst aber geht es nicht! Sie muss sich den Tierschützern immer mehr anpassen, bis ein gerechter Lösungsvorschlag vorliegt, unter dem weder Stadt noch Tiere leiden müssen.

Istanbul. Durch die Gassen Istanbuls laufen Tausende Straßenhunde. Während früher viele Tiere getötet wurden, gibt es inzwischen Bemühungen, den Streunern zu helfen. Besuch in einem privaten Tierheim mit Platz für 1500 Straßenhunde unter freiem Himmel. Ein Anfang, noch lange nicht das Ende.

Chaos. Ein unangenehmer Geruch liegt in der Luft. Das Kläffen der Hunde übertönt jegliche Geräusche. Die Tiere stürmen über den Feldweg auf jeden potenziellen Besitzer zu, in der Hoffnung, ein besseres Zuhause finden zu können. Springend betteln die Vierbeiner um die Zuneigung der Besucher des Tierheims, das auf einer ehemaligen Müllhalde am Rande der Stadt Istanbul liegt. Die ahnungslosen Besucher sind erschrocken über die Reaktion der Hunde, die auch keinen Halt vor sauberer Kleidung machen, sodass am Ende des Tages selbst auf zuvor schneeweißen Klamotten zahlreiche braune Flecken sind. Begleitet werden die stürmischen Tiere von dem aufgeschlossenen Tierarzt Murat Bekhan, der seine Besucher im privaten Tierheim in gebrochenem Englisch herzlich begrüßt.

Die Straßenhunde, die man täglich und überall durch die Gassen Istanbuls trotten sieht, finden hier Unterschlupf. Nach dem Grundsatz: " Sterilisieren, pflegen und leben lassen" wird ihnen so weit geholfen, dass sie ohne fremde Hilfe in der Millionen-Metropole überleben können. Damit ihr Revier nicht von anderen, kranken Rudeln eingenommen wird, setzt man die gesunden Vierbeiner wieder an ihrem Fundort aus.

Allerdings ist deutlich zu sehen, dass fast keines der winselnden Tiere einen optimalen gesundheitlichen Zustand erreicht hat oder je erreichen wird. Den Hunden fehlen Beine, ihr Fell ist gerissen Spuren vom Leben auf der Straße. Durch diese Verletzungen sind viele Tiere ein Leben lang auf Pflege angewiesen. Neue Streuner können nicht aufgenommen werden. Mit 1500 Vierbeinern ist die Kapazität dieses Heimes vollkommen ausgeschöpft.

Bekhan ist einer der sechs Pfleger des Tierheims und arbeitet als Arzt für die Sahipsiz Hayvanlari Koruma Dernegi-Organisation (SHKD-Organisation), ein Verein für den Schutz der Tiere ohne ein Zuhause. Durch seine jahrzehntelange Arbeit im Veterinärwesen hat er die Entwicklung Istanbuls hinsichtlich der streunenden Hunde miterlebt.

" Die Unterstützung der Stadtverwaltung hat sich zwar verbessert, ist aber immer noch mangelhaft", kritisiert Bekhan. Tierheime wie das der SHKD-Organisation werden nicht von der Stadt, sondern privat finanziert. Für deutsche Betrachter wirken Größe und Zustand dieses Tierheims zunächst fremd. Die Rudeltiere leben hier in Gruppen, auf einem 70 000 Quadratmeter großen Gelände, unter freiem Himmel und nicht in engen Käfigen. Trotzdem drängen sich einige an die Zäune und bellen die vorbeigehenden Menschen an. Andere liegen in den Ecken, scheinen tot vor Erschöpfung. Wo viele Menschen wegschauen, spenden zum Beispiel Geschäftsleute auch aus anderen Ländern das dringend benötigte Geld für die Pflege der Straßenhunde.

Trotzdem kann man bei einem Aufenthalt in Istanbul die Bemühungen der Stadtverwaltung wahrnehmen. Sie richtet Tierheime ein, in denen die Hunde jedoch weniger frei gehalten werden. Durch sogenannte " Futterspendeboxen" des Projektes " Pugedon" versuchen sie die Streuner vor dem Verhungern zu bewahren. Die großen Plastikflaschen schluckenden Kästen stehen an verschiedenen Orten in der Stadt verteilt, insbesondere im Stadtteil Sariyer. Die Pugedon-Boxen können nicht nur die Plastikflaschen der Bürger verschlingen, sie können auch Futter ausgeben. Sobald jemand eine Flasche in den Automaten wirft, klappert es im Trog. Eine Handvoll Futter landet dann im hungrigen Maul der Hunde, die hier vermehrt ausgesetzt werden.

Noch vor zwanzig Jahren, als das Töten der Straßenhunde die Regel darstellte, wäre dies nicht denkbar gewesen. Daher ist das Engagement, mit dem die Stadt die Hunde vor dem Tod rettet, im Vergleich zu früher bemerkenswert. Das unterstützt auch die stetig sinkende Anzahl von Straßenhunden.

Tierarzt Bekhan ist überzeugt: " Istanbul ist auf Heime wie dieses sowie städtische Hilfseinrichtungen angewiesen, auch wenn Tierheime für Hunde lediglich eine bessere Notlösung darstellen, da auch das beste Tierheim nichts anderes als ein offenes Gefängnis ist."
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Straßenhunde werden inzwischen in Istanbul gepäppelt. Aber die Tierheime laufen über.
Foto:
Lina Brinkmann

Istanbul. Befragt man die Istanbuler Bevölkerung zu dem Thema Straßentiere, fallen schnell Sätze wie " Man muss mehr für die Tiere tun". Aber wer ist dieser " man"? Immerhin sind die Straßentiere ein Problem, das von der Gesellschaft selbst kommt. Doch auch hier gilt: Sich zu beschweren ist einfach, tatsächlich zu handeln dagegen wird " den Politikern", " der Stadt" oder einfach dem " man" überlassen. Doch dass die Straßentiere vor allem Haustiere sind, an denen ihre Besitzer das Interesse verloren haben, wird gerne vergessen. Immerhin, viele geben den hungernden Tieren Wasser oder etwas zu essen, und diejenigen, die das Pugedon-Projekt kennen, bemühen sich, es zu unterstützen. Die Listen mit Ideen, was die Tiere brauchen, sind lang. Was fehlt, ist das Engagement und der Wille, sich des Problems anzunehmen. Was bleibt, ist das Mitleid, Sätze wie " es gibt ja Organisationen, die sich kümmern".
Bildtext:
Ein Straßenhund am Zaun in Istanbul.
Foto:
Lina Brinkmann

Istanbul. Er ist der Erfinder von " Pugedon", welches das Leben so vieler Straßentiere verändert: Engin Girgin, 33-jähriger Istanbuler, kennt das Problem der streunenden Hunde und Katzen nur zu gut. Seine Idee, den Straßentieren zu helfen, die besonders im Sommer stark unter der Hitze und dem Futtermangel leiden, hat er selbst entwickelt.
Die Freude an seinen Erfindungen ist ihm bei der Vorstellung von " Pugedon" anzusehen, besonders als sich ein streunender Hund den Futterboxen nähert, welche von der Firma " Yücesan" produziert werden.
Engin Girgin selbst habe sechs eigene Hunde, drei davon mit Krankheiten oder Behinderungen. Für ihn liegt es nahe, den Tieren auf der Straße zu helfen. Dass ihm die Straßentiere ein echtes Anliegen sind, lässt sich auch daran erkennen, dass weder er noch die Firma einen Gewinn an " Pugedon" machen. Zwar verdienen sie durch das Recyceln der PET-Flaschen Geld, doch den Gewinn möchte Girgin spenden und hat auch schon viele Ideen, zum Beispiel für gehbehinderte Menschen Rollstühle bauen, die sich selbst keine leisten können.
Über seine Arbeit gibt er sich bescheiden und erklärt, dass er, obwohl er einen einfachen Schulabschuss hat, nun in der Firma " Yücesan" im Bereich der Forschung arbeitet: " Ohne Yücesan wäre Pugedon nicht möglich gewesen." Die Firma, die ursprünglich Eisenbahnwaggons herstellt, hilft ihm bei der Umsetzung seiner Ideen. Das Entwickeln von Projekten wie " Pugedon" liegt ihm seiner Meinung nach in den Genen: " Ich komme aus einer Erfinderfamilie."
Und tatsächlich ist " Pugedon" nicht das einzige Projekt, die Liste seiner Ideen und Entwicklungen ist lang. Einige davon wurden bereits umgesetzt, wie Sammelstellen für altes Brot, welche ebenfalls zur Fütterung der Tiere dient. Insgesamt 20 Recycling- und Sammelkonzepte hat er entworfen, darunter wiederverwendbare Buntstifte für Grundschüler oder Kleidersammlungen für Obdachlose. Teilweise klingen seine Planungen beinahe futuristisch, so auch das Warnsystem für die erdbebengefährdete Stadt Istanbul. Drei Hunde werden trainiert, Menschen frühzeitig vor Erdbeben zu warnen. Er erzählt gerne von seinen Ideen und wirkt dabei in keinem Moment prahlerisch. Stattdessen freut er sich über die große positive Resonanz der Istanbuler Bevölkerung für das " Pugedon"- Projekt und hofft, auch andere seiner Ideen in Zukunft umsetzen zu können.
Bildtext:
Und so geht′s: Oben kommt die Flasche rein und unten das Futter raus.
Foto:
Lina Brinkmann
Autor:
Markus Kirkesler, Erik Wenner, Benjamin Rieger, Lina Brinkmann, Lennart Holzmann, Luisa Dallmöller, Chiara Mielenbrink, Dorian Mosquera Suarez, Jebgin Leon Tran, Linda Heuer


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