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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Als die Region im Schnee versank
Zwischenüberschrift:
25. November 2005: Vor zehn Jahren gab es in Osnabrück einen Wintereinbruch mit chaotischen Zuständen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Der November 2005 war mild fast genauso wie in diesem Jahr. Deshalb rechnete kaum jemand mit einem so heftigen Wintereinbruch. Er bescherte der Region einen halben Meter Neuschnee, ein beispielloses Verkehrschaos und den längsten Stromausfall seit Kriegsende. Nächsten Mittwoch vor zehn Jahren versanken Stadt und Landkreis Osnabrück im Schnee. Der 25. November 2005 war der Tag, als aus Schneefall Schneesturm wurde mit noch heute unvergessenen Auswirkungen.

Wir blicken zurück: Als morgens die ersten Schneeflocken am Himmel tanzen, passt das zum bevorstehenden ersten Adventswochenende. Niemand rechnet damit, dass Kerzen in den nächsten 48 Stunden anderweitig benötigt werden als auf dem Adventskranz.

Eine außergewöhnliche Wetterlage verursacht das Schneechaos. Eine fehlende Luftströmung in fünf Kilometern Höhe führt dazu, dass das Sturmtief " Thorsten" nur sehr langsam vorankommt und sich bei Temperaturen um den Gefrierpunkt nasse Meeresluft über Norddeutschland staut. Im Laufe des Freitags gehen lang anhaltende, ergiebige Schneefälle über dem Münsterland, dem Osnabrücker Land und Teilen der Niederlande nieder.

Am Boden sieht das so aus: " Eine Großstadt im Dunkeln" schreibt die Neue OZ in ihrer Ausgabe vom Samstag, 26. November 2005. Die letzten Zeitungen werden am Samstagmorgen um 7.30 Uhr gedruckt und bis in die Mittagsstunden ausgeliefert. Die Leser haben einen Freitag erlebt, den sie nicht vergessen werden.

So wenig wie Hunderte Reisende, die in der Nacht zu Samstag am Osnabrücker Hauptbahnhof stranden. Das Steigenberger Hotel Remarque bringt die Hilfesuchenden sogar in der Sauna und im Kofferdepotraum unter. Um Mitternacht finden fast 300 Menschen in der Gesamtschule Schinkel immerhin ein Feldbett. Die Schneeflocken tanzen schon lange nicht mehr. Sie fallen dicht an dicht. Schneemassen, überall.

Im Osnabrücker Stadtzentrum bricht am Freitagnachmittag ein Baum unter der Schneelast zusammen und begräbt ein Auto unter sich. Zum Glück wird niemand verletzt. Auf der Kreisstraße 223 zwischen Melle und Bad Essen werden vier Autofahrer von umstürzenden Bäumen eingeschlossen. Der Busverkehr im Umland wird am Nachmittag größtenteils eingestellt, ab 21 Uhr rollt auch in Osnabrück kein Bus mehr. Stille legt sich über die Stadt.

Die A 1, A 33 und A 30 verwandeln sich in einen gigantischen Parkplatz. Auf der A 1 holen Lastwagenfahrer Familien mit Kindern in die beheizten Fahrerkabinen. Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Deutsches Rotes Kreuz sind im Dauereinsatz. Die Rettungsleitstelle des Landkreises Osnabrück koordiniert bis Sonntagmittag 850 Einsätze.

Forscher kennen über 80 Schneeflocken-Typen. Die, die vor zehn Jahren herunterkommen, sind extrem nass, dadurch sehr schwer und haften gut. Genau das wird nicht nur den Bäumen, sondern auch den Strommasten zum Verhängnis. Wie ein Panzer umhüllen Schnee und Eis die Kabel. Ab 16 Uhr fällt an diesem Freitag in Osnabrück und im Landkreis immer wieder der Strom aus.

In Spelle im südlichen Emsland bleibt es am Samstagmorgen komplett dunkel. 9000 Bürger stehen ohne Strom da. Im Münsterland harren 50 000 Menschen auch nach drei Tagen noch ohne Heizung und Licht aus. Sie zünden Kerzen an. So wie es das Klinikum am Finkenhügel noch in der Sturmnacht am Freitag macht. Denn Babys halten sich nicht an Ausnahmezustände. Drei werden in dieser historischen Nacht geboren. Für alle drei ist das Licht der Welt der warme Schein der Kerzen.

Mitte Dezember räumt der regionale Stromversorger RWE ein, dass ein Großteil der 44 000 Strommasten seines Hoch- und Höchstspannungsnetzes seit mehr als 65 Jahren genutzt wird. Allerdings fällt in der Schneenacht im Bereich Osnabrück, anders als zum Beispiel im Katastrophengebiet Steinfurt, kein Mast um. Die Stadt und die Region haben " nur" mit temporären Stromausfällen zu kämpfen. Zehn Jahre später sind im Osnabrücker Land über 90 Prozent der Kabel im Nieder- und Mittelspannungsbereich unterirdisch verlegt. " Wir investieren hier jährlich 50 Millionen Euro in die Versorgungssicherheit des Netzes", betont Ruth Brand, Sprecherin des verantwortlichen Bereiches Westnetz.

Die Bilanz vor zehn Jahren: 2000 Unfälle, 140 Verletzte, Millionenschäden und 250 000 Menschen ohne Strom. Es ist der größte Stromausfall in Deutschland seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Im Vergleich zum Münsterland kommt der Raum Osnabrück noch glimpflich davon. Die Neue OZ allerdings beklagt eine Tote: Eine 44-jährige Auslieferungsfahrerin stirbt bei einem Unfall im Emsland. Die Mutter zweier Kinder war angesichts der chaotischen Wetterlage kurzfristig als Verstärkung eingesprungen.

Bildtext:

Stromausfall in Osnabrück. Der Berliner Platz war am 25. November 2005 stundenlang in Dunkelheit getaucht. Die Autofahrer tasteten sich langsam voran. Fotos: Archiv/ Michael Hehmann

45 Zentimeter Neuschnee in einer Nacht, gemessen in Hagen. Foto: Archiv/ Gert Westdörp

Winteridylle zum 1. Advent.

Foto: Archiv/ Michael Hehmann

In Westerkappeln blockierten herabhängende Äste den Straßenverkehr. Foto: Archiv/ WT

Schneeverwehungen: Am Osnabrücker Stadtrand drohten Autos in der weißen Landschaft zu verschwinden. Foto: Archiv/ Michael Hehmann

Viele Weihnachtsmärkte blieben geschlossen auch der Nussknackermarkt in Hagen. Foto: Archiv/ Gert Westdörp

An der Bergkirche in Osnabrück stürzte ein Baum auf einen Volvo. Foto: Archiv/ Gert Westdörp

Abgeknickte Strommasten in der Nähe von Laer im Münsterland. Foto: Archiv/ dpa

Schneemassen: Am 25. November 2005 wird am Abend der Busverkehr eingestellt. Foto: Archiv/ Michael Hehmann
Autor:
Claudia Ix


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