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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Als die Hansestadt Hafenstadt wurde
Zwischenüberschrift:
Die vor 100 Jahren gebaute Hafenverwaltung ist so alt wie der Hafen selbst
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Was macht der Klettermaxe auf dem Laternenmast? Der Fotograf dieser stimmungsvollen Abendszene an der städtischen Hafenverwaltung, Georg Bosselmann, kann es uns nicht mehr verraten, er starb 1983. Auch Museumsdirektor Rolf Spilker, der 2008 den fotografischen Nachlass des Industriefotografen für das Museum Industriekultur erwarb, kann nur Vermutungen äußern.

Vielleicht hat einer von den Dachdeckern aus Jux und Dollerei einen Laternenanzünder alter Tage gemimt. Vielleicht hat Bosselmann ihn auch gebeten, die Gaslaterne vorübergehend auszuschalten, damit sie die hier jetzt eingefangene gleichmäßige, indirekte Fassadenausleuchtung nicht stört. Anlass der Aufnahme dürfte die Neueindeckung des Dachs im Jahr 1955 gewesen sein.

Das zur Erst-Infrastruktur des Hafens gehörende Gebäude von 1914 war im letzten Krieg beschädigt worden. Das markante Doppelwalmdach fiel den Bomben zum Opfer und wurde zunächst nur notdürftig geschlossen. 1955 war der Zeitpunkt gekommen, der Hafenverwaltung einen neuen, wenn auch wesentlich schlichteren Dachstuhl zu spendieren. Die übrige Gebäudezier blieb genauso erhalten wie die fili grane Sprossenteilung der Fenster. Erst in späteren Jahren verschwanden im Zuge einer Generalsanierung alle architektonischen Schmankerln. Dachgauben und Dachfenster kamen nachträglich hinzu und verbesserten die Nutzungsmöglichkeiten im obersten Geschoss. Immerhin soll der brombeerrote Anstrich der ursprünglichen Farbgebung sehr nahe- kommen, weiß Eisenbahnbetriebsleiter Jürgen Werner, der hier heute seinen Arbeitsplatz hat.

Seit 100 Jahren beherbergt das Gebäude die Büros, in denen der Hafen- und der Hafenbahnbetrieb gesteuert und verwaltet werden. Sie waren eine Dienststelle der städtischen Bauverwaltung, bis Anfang 1958 die Stadtwerke Osnabrück übernahmen.

Der Anschluss an das Wasserstraßennetz war von Anfang an ein städtisches Infrastrukturprojekt als Mittel der Wirtschaftsförderung. So- lange wie es Pläne gibt, die Flüsse Rhein, Ems, Weser und Elbe durch einen in Ost-West-Richtung verlaufenden Kanal zu verbinden, so lange haben Osnabrücks Stadtväter ihre Stimme erhoben und gefordert, die Trasse dicht an Osnabrück vorbeizuführen und der aufblühenden Industriestadt einen Zugang zu dem günstigen Transportweg für Massengüter zu erschließen. Die erste Eingabe stammt aus dem Jahr 1882, eine Projektskizze folgte 1891. Bald war klar, dass der Mittellandkanal nördlich der Mittelgebirge verlaufen müsste, um den gesamten westlichen Abschnitt von Bergeshövede bis Anderten auf 174 Kilometer Länge schleusenfrei auf einem Niveau halten zu können.

Für die südlich dieser Ideal-Trasse gelegenen Orte Hildesheim, Salzgitter, Hannover-Linden und eben auch Osnabrück blieb da nur die Lösung einer Anbindung über Stichkanäle. Osnabrück setzte sich für eine Verlängerung seines Stichkanals bis zur Georgsmarienhütte ein, um den Erztransport zu vereinfachen. Die Weiterführung durch das Hügelland wäre aber sehr aufwendig gewesen. Als 1906 mit dem Bau des damals noch so genannten Ems-Weser-Kanals begonnen wurde, hatte die preußische Wasserstraßenverwaltung bereits festgelegt, dass die Haseniederung am nordwestlichen Stadtrand Osnabrücks in Höhe der Wachsbleiche Endpunkt des Stichkanals sein würde. Für das sumpfige Gelände zwischen der Bahnlinie nach Rheine/ Oldenburg und der Bramscher Straße gab es keine bessere Lösung, als hier den Hafen mit großzügigen Gewerbeflächen anzulegen.

Zunächst musste die in vielen Windungen durch das projektierte Hafengebiet verlaufende Hase verlegt werden. Man baggerte ihr ein neues Bett direkt neben dem Bahndamm, der Lauf der Nette wurde entsprechend verlängert und im Düker unter dem Kanalbett hergeführt.

1912 begannen die Aushebung des Hafenbeckens und die Aufhöhung der Uferbereiche. 1913 und 1914 wurden die Verträge mit den wichtigsten Hafenanliegern unterzeichnet, mit der Klöckner AG und der Osnabrücker Lagerhausgesellschaft. Am 1. November 1915, also vor ziemlich genau 100 Jahren nahm die Hafenbahn den Betrieb auf, zunächst mit geliehenen Rangierloks der Preußischen Staatsbahn. Die wasserseitige Eröffnung des Hafens wird auf den 3. April 1916 datiert, als der erste Schleppzug anlegte. Der Schleppkahn " Minden 52" lieferte, von Bremen über Minden kommend, 475 Tonnen Hafer und Mais für das Heeresproviantdepot an.

In den letzten Jahrzehnten stagniert der Schiffsgüterumschlag unter anderem deshalb, weil die zeitgemäßen " Großmotorgüterschiffe" (GMS) mit 2300 Tonnen Tragfähigkeit und 110 Meter Länge nicht durch die zu kleinen Schleusen in Hollage und Haste passen.

Das Projekt eines konkurrierenden Neubauhafens direkt am Mittellandkanal in Bohmte-Oelingen wurde zum Zankapfel zwischen Stadt, Stadtwerken und Landkreis. Mit der Gründung der Eisenbahn- und Hafenbetriebsgesellschaft Region Osnabrück (EHB) im Jahr 2011, die ein " Sowohl als auch" der beiden Häfen gestalten soll, wurde zunächst ein befriedender Kompromiss gefunden. Die Stadtwerke haben ihre Hafen- und Bahnaktivitäten komplett in die EHB eingebracht. Sitz des Unternehmens: Hafenstraße 5, in unserer guten alten Hafenverwaltung.

Bildtext:

Aller architektonische Zierrat am Gebäude ist seit der letzten Fassadensanierung verschwunden. Foto: Joachim Dierks

In den ersten 30 Jahren seiner Geschichte, von 1914 bis 1944, gab das Doppelwalmdach dem Gebäude ein heimatverbundenes Aussehen. Foto: Archiv Stadtwerke
Autor:
Joachim Dierks


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