User Online: 1 | Timeout: 10:38Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wo lebt es sich besser?
Zwischenüberschrift:
Stadtleben – Landleben: Eine Gegenüberstellung
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Unser Autor hat beide Seiten erlebt und muss sich unweigerlich fragen: Was ist denn nun eigentlich besser, um irgendwann einmal sesshaft zu werden? In der Hoffnung auf eine aussagekräftige Antwort hat er zwei Menschen gesprochen, die viele Gemeinsamkeiten haben, aber doch unterschiedlich leben. Zwei Personen, zwei Welten. Stadtleben versus Landleben.

Osnabrück. Abwechslung, Unterhaltung und brodelndes Leben in bunter Nachbarschaft? Oder doch eingepfercht leben in kleinen Wohnungen, bei tosendem Lärm im abgasverseuchten grauen Betonwald?
Helge Lewandowsky ist selber eigentlich waschechtes Dorfkind. Aufgewachsen in Bramsche-Achmer, verbrachte er seine Jugend zwischen Punkrock, Jugendtreff und später " irgendeiner Kneipe", sagt der heute 44-Jährige. Viele Möglichkeiten, sich einer drohenden Verödung zu entziehen, bot das beschauliche Dorf im Osnabrücker Nordkreis dem Heranwachsenden auf der Suche nach Spannung und Unterhaltung damals nicht. Mit der Ausbildung an der Osnabrücker Fachoberschule Gestaltung 1996 habe er dann aber schließlich " reingeschnuppert, ins Stadtleben". Endlich genug Geld für ein WG-Zimmer zusammen, bezog er sein erstes städtisches Bett am Schölerberg. Später zog Lewandowsky in den Stadtteil Wüste, wo er nun seit 15 Jahren lebt. Er könne sich keinen besseren Ort in der Hasestadt vorstellen, sagt er.
" Hier gehöre ich halt hin"
Der Wüstenbewohner schätzt die bunte Vielfalt seiner Nachbarschaft, junge Familien leben hier neben dem Rentnerpaar. Zu Freunden und Bekannten ist es nur einen Steinwurf entfernt, bei einigen könne er " quasi vom Balkon ins Wohnzimmer gucken". Bekannte Gesichter und spontane, nette Gespräche gibt es zuhauf, und auch er selbst ist kein unbeschriebenes Blatt in seinem Quartier: " Meinen geliebten kleinen Edeka-Markt an der Kaufmannstraße, den kannst du ruhig mit aufnehmen, hier werde ich sogar mit Namen begrüßt", sagt er lachend. Einmal hatte er seine EC-Karte dort im Zahlapparat vergessen, seitdem schallt bei
seinem Betreten ein freundliches " Guten Tag, Herr Lewandowsky!" der Kassiererin durch den Laden. In der Nachbarschaft hielt seine damalige Katze Marlene, eine besonders zutrauliche Vertreterin ihrer Art, auf der Mauer vor seinem Haus regelmäßige Spiel-
und Streichelevents für die Nachbarskinder ab. Lewandowsky ist zwar nicht Veranstalter, aber dennoch das bekannte und selbst erstaunte Herrchen unter den Anwohnern.
" Ich bin ja bekennender Radfahrer", sagt der gelernte Grafikdesigner. Sieben Minuten braucht er mit der Fietze ins Büro, das sei " fast schon ein bisschen zu kurz". Bei gutem Wetter kam es schon mal vor, dass er einen extra Schlenker durch die Stadt machte, um die Fahrt etwas zu verlängern. Ein Privileg ist es, einen so kurzen Arbeitsweg zu haben, findet er.
Nicht nur im Beruflichen ermöglicht ihm die Stadt, aus einem reichen Netzwerk an kreativen Köpfen zu schöpfen, auch für sein Hobby, die Musik, hat ihn Osnabrück mit vielen Gleichgesinnten zusammengeführt. Zahlreiche Bands und Musiker hat er als Keyboarder seit seinem Umzug in die Stadt begleitet. In seinen Augen eine Stärke der Stadt, insbesondere Osnabrücks. " Es gibt viele Schnittpunkte mit anderen, eine größere Stadt wäre mir da zu anonym", erklärt er. Jobangebote habe es auch schon in Berlin gegeben, dennoch entschied er sich für seinen Platz in der Wüste: " Hier gehöre ich halt hin".
Viel getan in Osnabrück
Einer der schönsten Orte der Stadt ist für ihn die Gegend um den Bürgerpark. Hier gebe es ein paar schöne Ecken mit tollem Ausblick auf die Stadt. " Ansonsten natürlich die Wüste", lacht er. Flohmärkte, das Moskaubad und selbstredend seine Stammkneipe, das Grand Hotel, in der er gelegentlich mit einem Freund zusammen auflegt alles in greifbarer Nähe. " Und natürlich mein Zuhause, auf dem großen Balkon kann man es sich auch gut gehen lassen", betont der Städter. Darüber hinaus hat sich aus seiner Sicht viel getan in der Hasestadt, auch und gerade in Hinblick auf die Subkultur. Der Verein Petersburg am alten Güterbahnhof etwa, wo er hofft, " dass es da irgendwie weitergeht", trotz Dauerärger mit der Zion GmbH. Im Großen und Ganzen sei Osnabrück " schön gewachsen" und in vielen Dingen moderat im Vergleich zu Großstädten.
Verbesserung sbedarf sieht der leidenschaftliche Radfahrer noch in der Fahrradfreundlichkeit der Stadt. Die Radfahrer seien deutlich mehr geworden, die Autofahrer allerdings auch. Vor zehn Jahren habe es in seiner Gegend noch keine Probleme bei der Parkplatzsuche gegeben, das sei jetzt definitiv anders. Die Fronten zwischen Rad- und Autofahrern erlebt er als verhärtet, dabei seien doch schließlich alle gleichermaßen Verkehrsteilnehmer.
Ansonsten vermisst der Ex-Bramscher aber nichts in der Stadt. Ob der Lärm oder die vielen Menschen, " ich habe mich mit allem arrangiert", sagt er, " das ist halt die Stadt, und ich bin selber dafür verantwortlich. Wenn es mich stört, muss ich wegziehen."
Die Ruhe der Heimat
Allerdings ist auch er der Typ, " den es hin und wieder in die Natur zieht", um etwa die Ruhe zu suchen. Gerne fährt er dafür in seine alte Heimat. Bei Gelegenheit mit seinem Vater auf der Terrasse auf dem Bramscher Berg zu sitzen der Städter genießt diese Zeit, allerdings freut er sich dann doch darauf, wenn sich im Auto auf der B 68 wieder sein " kleines Osnabrück" vor ihm erstreckt.

Alfhausen. Quelle der Ruhe und Entspannung, familiäre Nachbarschaft und die Natur direkt vor der Haustür. Oder doch leben in Kleinkariertheit, nicht endender Langeweile mit langen Strecken in der lebendigen Vorstadt-Hölle?
Marcus " Bruni" Bruns ist ein Thiener Urgestein und schon zu Jugendzeiten der umgangssprachliche Hans Dampf in allen Gassen. Zwischen Schützenverein, Mofa- und später Motorradclub sowie Tanzmusik auf dem Jäger-/ Schützen-/ Anglerball vom Jugendalter an, wuchs er in dem idyllischen Alfhausener Ortsteil auf. " Ein Stück heile Welt", in der Buden gebaut und Fische geangelt wurden, erzählt er. Hier, wo der kleine Mühlenbach friedlich vor sich hinplätschert, lebt Bruns noch heute. Beim Blick aus dem Fenster der Wohnung im ersten Stock seines Elternhauses erstrecken sich Wiesen und Felder, ein eigener kleiner Obstgarten befindet sich direkt hinter dem Haus. Hin und wieder fährt ein Auto oder auch mal ein Traktor über die etwas abseits gelegene Landstraße, die schnurgerade bis zur Bundesstraße führt.
Todsünde Mais
An diesem Herbstnachmittag scheint die Sonne, die Luft ist frisch, fast keine Wolke ist zu sehen, und am Horizont ragen die Flügel der Windkraftanlagen in den Himmel. Für den 41-Jährigen ist es die Ruhe, die dieses Zuhause ausmacht, ganz anders als in der Stadt, wo " immer Bewegung ist". Lediglich ein Nachbar hat sein Haus direkt nebenan, alle anderen Häuser stehen in fast regelmäßigen Abständen jeweils einige Hundert Meter entfernt, Verkehr gibt es kaum. Auch von Lärm kann hier keine Rede sein. Lediglich die Vögel, die in den ringsum stehenden Bäumen verweilen, machen sich lauthals bemerkbar: " Wenn ich hier morgens mit meinem Kaffee auf dem Balkon stehe, du glaubst gar nicht, was hier los ist", sagt Bruns. Störche, Eulen und zahlreiche Insekten dass die Fauna hier so ausgeprägt ist, liege mit an den vielen Wiesen, die auch sein Haus einrahmen.
" Wir haben großes Glück, dass wir hier nicht in so einem Maisbunker stehen", betont er. Thiene liegt im Wassereinzugsgebiet, dass hier gelegene Wasserwerk versorgt Osnabrücker Stadtteile mit Wasser. Viele Felder werden hier deshalb nicht beackert, sondern als sogenannte Grünbrachflächen an Bauern verpachtet, erzählt er weiter. Die Landwirte mähen diese wiederum und erhalten so Heu für ihre Tiere. Das verhindere die Bepflanzung mit der " Todsünde" Mais, die auf vielen Äckern der Region als Monokultur Einzug gefunden hat und so den Lebensraum vieler Tierarten zerstört. Früher hielt die Familie des Thieners selber noch Schweine. Heute ist der alte Schweinestall umgebaut zu einem urigen Proberaum, in dem auch schon Lewandowsky in die Tasten seines Keyboards haute, denn auch Bruns ist leidenschaftlicher Musiker und spielte mit dem Osnabrücker in einer gemeinsamen Band.
Lautstärke keine Problem
Der einzig wirkliche Lärm der Gegend kommt von Bruns selbst. Nicht nur aus dem Proberaum schallt seit Jahren die Musik verschiedener Bands regelmäßig in die Natur, auch in seinem Wohnzimmer steht neben unterschiedlichen Akustik- und E-Gitarren auch ein entsprechender Verstärker. " Ich kann den 150 Watt Amp dorthin stellen und in voller Lautstärke dorthin pusten", sagt der Gitarrist und deutet auf das Fenster mit dem Blick auf die Wiesen. Ein weiterer Punkt, den er nicht missen möchte: Die Freiheiten der Landidylle. " Wenn du hier im Outback wohnst, kannst du halt laut sein", sagt er. Für diese Freiheit und den enormen Platz des großen Hauses zahlt er aber auch buchstäblich einen hohen Preis.
" Ob du 80 Quadratmeter heizen musst oder 300, das ist aber ein Unterschied", sagt Bruns. Darüber hinaus bräuchte er in der Stadt kein Auto oder zumindest kein großes. Die weiten Wege, der große Nachteil am Landleben. Sei es zur Arbeit oder für die kleinste Besorgung aus dem Supermarkt, " du brauchst hier einfach ein Auto". Schon früher ein leidiges Thema: " Wenn du ins Dorf wolltest, musstest du halt erst mal vier Kilometer Fahrrad fahren." Und auch für den gelernten Maschinenbauer ist der Arbeitsweg nach Bramsche gerade in dieser Jahreszeit am besten mit dem Pkw zu bestreiten. Darüber hinaus bringen großer Garten und großer Wohnraum eine weitere Tücke mit sich: " Du musst das alles belaufen, alles pflegen und dabei aufpassen, dass es dich nicht überläuft."
Osnabrück ist schön
Dennoch zieht es Bruns beizeiten ebenfalls in die benachbarte Hasestadt. " Osnabrück ist schön, keine Frage", findet er, auch wenn er hier manch eine Bausünde feststellt. Die Bauten rings um den Hauptbahnhof etwa: ein schönes altes Gebäude, eingekesselt von einem " Beton-Silo", wie er sagt. Aber Osnabrück sei ja schließlich noch moderat, anders als die Großstädte mit ihren " Arbeiterschließfächern". Egal ob bei einem Eis oder einem Bier, Leute beobachten ist seine liebste Beschäftigung in der City. Die äußeren Einflüsse auf die Stadt, das Bunte, die unterschiedlichen Menschen und ihre Vielfalt – " das fehlt mir hier", gibt der Thiener zu. Doch auch er ist froh, wenn er nach einem Tag in der Stadt wieder in sein ruhiges Thiene am beschaulichen Mühlenbach zurückkehren kann.

Bildtext:

Sein Zuhause ist die Stadt, und insbesondere aus Osnabrück kann sich Helge Lewandowsky nicht mehr wegdenken. Der leidenschaftliche Radfahrer findet hier alles, was er zum Leben braucht. Fotos: Swaantje Hehmann

Der Stadtteil Wüste ist für den Städter der beste Ort zum Leben in Osnabrück. Auch seine Haustiere lassen es sich hier gut gehen.

dyllisch erstrecken sich Felder und Wiesen hinter dem Haus des Thieners Marcus Bruns. Er liebt das Landleben und könnte sich keinen besseren Ort zum Leben vorstellen.

Beschwerden von den Nachbarn braucht der leidenschaftliche Musiker bei zu hoher Lautstärke in seinem Zuhause nicht so schnell zu erwarten.


Anfang der Liste Ende der Liste