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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Anonyme Briefe stoppen Erfolgself
Zwischenüberschrift:
Fußballgeschichte zum Anfassen: "Fußlümmel und Lila-Weiße" von Heiko Schulze
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Der erste Skandal des Osnabrücker Fußballs datiert aus dem Jahr 1912: Anonyme Briefe stoppten den Erfolgsweg des FC Olympia einen Schritt vor dem Einzug ins Endspiel um die Westdeutsche Meisterschaft.
In der Olympia-Elf standen etliche angehende Lehrer. An den Schulen und in den Lehrerseminaren war der Fußball als " Fußlümmelei" geächtet; viele Pädagogen kickten heimlich. In den anonymen Briefen wurde nun einigen der Besten angedroht, sie an höherer Stelle zu denunzieren und damit ihre Berufslaufbahn zu gefährden. Die meisten sagten schweren Herzens für das Halbfinale in Elberfeld ab, sodass am 7. April 1912 eine Rumpfmannschaft gegen den VfB Ruhrort 1: 6 verlor.
" Wäre eine solche Niedertracht nicht geschehen, so hätte Osnabrück vielleicht schon damals schon den Meister eines offiziell abgegrenzten großen deutschen Fußballgaues in seinen Mauern gehabt", entrüstete sich Stadtchronist Karl Kühling.
Das ist eines der vielen Kapitel des neuen VfL-Buches, das hautnah und lebendig aus den frühen, wilden Jahren der Lila-Weißen erzählt. Heiko Schulze hat mit der Akribie des Historikers und der Leidenschaft des VfL-Fans ein Buch geschaffen, das ein Standardwerk der Osnabrücker Fußball- und Stadtgeschichte werden kann.
Es spannt den Bogen vom ausgehenden 19. Jahrhundert, als die " englische Krankheit" Fußball sich in Osnabrück ausbreitete, bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs, als nicht nur die Bremer Brücke ein Trümmerfeld war. Mehr als 120 historische Fotos und Reproduktionen von Dokumenten, Briefen, Spielerpässen und Anstecknadel die meisten davon bislang unveröffentlicht illustrieren die übersichtlichen Kapitel.
Das ist die eine Stärke des Buches, und sie resultiert aus der Beharrlichkeit, mit der Bernhard Lanfer und Freddy Fenkes seit sieben Jahren Ausstellungsstücke aller Art für das VfL-Museum zusammentragen. Aus dem wohl letzten noch vorhandenen Exemplar des Albums, das der Verein aus Anlass seines bis dahin größten Sieges 1939 allen beteiligten Spielern schenkte, stammt die beeindruckende Serie mit Fotos vom legendären 3: 0 am 26. Februar 1939 gegen den deutschen Meister Hannover 96 auf dem Platz in der Gartlage.
Die andere hervorstechende Tugend des Buches ist das Geschick des Autors, der immer wieder Menschen aus der VfL-Geschichte ein Gesicht gibt. Das Schicksal von Jüttken Dallmeyer wird lebendig: Der Stürmer des FC Olympia war der erste Star ein Begriff, den es damals natürlich noch nicht gab des Osnabrücker Fußballs. Als er 1914 an die Kriegsfront eingezogen wurde, wollte er sich von seinen Vereinsfreunden noch verabschieden, traf aber im Clublokal Petersburger Hof niemanden an. Mit Kreide schrieb er an die Vereinstafel: " Auf Wiedersehen! Jüttken." Er kam nie wieder.
Viel neues Material entstammt den persönlichen Aufzeichnungen von Friedel Hunecke. Der Fußballpionier hielt seine Erlebnisse als Lehrer, Fußballer und Trainer in einem Buch fest, das auf Umwegen nach Hagen gelangte und letztlich den Anstoß für das ambitionierte Buchprojekt lieferte. An einer Stelle hat Hunecke einen Zeitungsausschnitt verwahrt, in dem es über ihn als Mittelläufer heißt: " Hunecke ist der Kämpe und zeigt ebenfalls durch sein lückenloses Erscheinen auf dem Kampffelde, dass er mit dem Fußball passionabel verwachsen ist."
Warum und wann sich die diversen Vereine zusammenfanden und trennten, ehe sich 1924 der VfL Osnabrück gründete, wird gut begründet. Dabei ist der Lauf des Balles in Osnabrück typisch für die Fußball-Historie in ganz Deutschland: vom ideologischen Streit mit den Turnern, über den politischen Zerfall des deutschen Sports bis zur Übernahme durch den Nationalsozialismus.
Hier spart Schulze auch die unangenehmen Seiten nicht aus, hält sich an gesicherte Fakten und bemüht sich um eine differenzierte Darstellung. Und mit besonderer Akribie klärte er die Frage, warum der VfL in Lila-Weiß spielt
Fußlümmel und Lila-Weiße. Zur Frühgeschichte des Osnabrücker Fußballs. Von Heiko Schulze. 160 Seiten, über 120 Fotos und Reproduktionen. Statistikteil mit allen Tabellen 1906 bis 1944. 18, 99 Euro. Vertrieb: Fanshops des VfL, Buchhandlung Wenner, Tourist-Info der Stadt (Krahnstraße) sowie auf dem Versandweg (b.lanfer@ vfl.de).
Autor:
Harald Pistorius


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