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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Teriums Traum
Zwischenüberschrift:
Der Energiekonzern RWE will wieder angreifen – Vorstandschef sieht Wendepunkt erreicht
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück/ Dubai. Der gebeutelte Stromkonzern RWE will wieder angreifen. Sein Vorstandschef Peter Terium sieht den Wendepunkt erreicht. Auf der Agenda des stillen Machers steht auch wieder internationale Expansion.

Es lief nicht gut in letzter Zeit für RWE. Da waren Liberalisierung und Atomausstieg, Strompreisverfall und Russlandsanktionen. Dazu kamen Braunkohle-Ausstieg, Streit um Kraftwerksreserven und Endlagerkosten und nicht zuletzt die gravierenden Folgen eigener Fehler. Doch Vorstandschef Peter Terium gibt sich unverzagt. Mit Blick auf die Lage klingt es geradezu kühn, wenn er sagt: " Wir schalten wieder auf Angriff um." Das nächste Jahr könnte die Wende bringen, ist der Niederländer überzeugt und er hat einige Argumente dafür, dass das auch stimmt.

Einen dreistufigen Plan hatte sich Terium gemacht, als er 2012 den Chefposten des zweitgrößten deutschen Versorgers übernahm. Punkt eins war zu sparen, Punkt zwei einen Kulturwandel im Unternehmen hin zu Markt- und Kundenorientiertheit herbeizuführen, Punkt drei die strategische Neuausrichtung.

Ein Plan der kleinen Schritte, der auch der Aktionärsstruktur geschuldet war: Die Kommunen halten ein Viertel, die Gewerkschaften sind stark im Unternehmen. Einen rasanten Wandel hätte weder die eine noch die andere Seite mitgemacht. Aber: " Das laufende Kostensenkungsprogramm ist fast abgearbeitet, wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Effizienzsteigerung bleibt aber Daueraufgabe", sagte Terium unserer Redaktion nun in Dubai. Zuvor hatte er jahrelang den Reformbedarf betont und das eigene Haus mit Kritik nicht verschont.

Joint Venture in Dubai

Heute sei die Verschuldung wieder im grünen Bereich, sagt Terium: " Liquidität ist kein Problem." Die direkten Verbindlichkeiten betrügen vergleichsweise geringe 6, 6 Milliarden Euro. Der Rest zur gesamten Nettoverschuldung von knapp 26 Milliarden Euro folge aus Rückstellungen für Kernenergie, Bergbau und Pensionen.

Geradezu heimlich, um die Eigner nicht mit neuen Auslandsabenteuern zu verschrecken, machte sich Terium auch wieder an eine internationale Expansion. Ein paar Top-Berater schickte er in den Mittleren Osten. Sie sondierten das Feld, knüpften Kontakte, holten erste Verträge herein. Inzwischen führen sie ein Joint Venture mit der Dubai Electricity and Water Authority, dem zentralen Versorger. Quasi nebenbei warb Terium zudem Paul van Son an, Desertec-Visionär und Geschäftsführer des zuvor zusammengeschrumpften Wüstenstrom-Konsortiums Dii.

Vergangene Woche erfolgte der Startschuss für eine Neuauflage von Desertec, diesmal aber nicht von oben nach unten, sondern von unten nach oben gedacht: Diesmal steht ausschließlich der immense Energiebedarf in der Region selbst im Fokus.

Das langfristige Ziel der RWE im Mittleren Osten: einen milliardenschweren Auftrag zu erhalten für einen der gigantischen Solarparks, die die Scheichs planen. Die ersten Ausschreibungen laufen: In der sogenannten Mena-Region (Naher und Mittlerer Osten plus Nordafrika) besteht nach RWE-Schätzungen kurzfristiger Bedarf für neue Stromerzeugungskapazitäten von 54 Gigawatt das entspricht rund 60 Großkraftwerken, die teilweise durch Kohle und Kernkraft, im Wesentlichen aber durch erneuerbare Quellen gewonnen werden sollen.

Stiller Macher

Sonnenenergie wird inzwischen ernst genommen in der Region. Während beispielsweise in Dubai der Energiebedarf pro Kopf doppelt bis dreifach so hoch wie in Deutschland ist und Klimatisierung und Meerwasserentsalzung den Verbrauch nach oben treiben, hat das Emirat bereits seit geraumer Zeit keine Vorkommen mehr an Öl und Gas. Über Wasser hält es sich noch dank Transfers aus Abu Dhabi, aber auch von dort fließt das Geld spärlicher, seit der Ölpreis um die 50 Dollar pendelt. Die Alternative heißt: Solarkraft.

Ähnlich still, wie Terium dieses Pflänzchen in der Wüste platzierte, arbeitete er in den vergangenen Jahren auch in Essen komplett anders als sein barocker Vorgänger Jürgen Großmann. Wer Terium trifft, denkt zunächst an einen zerstreuten Professor, mag kaum glauben, dass dieser Mann einen Milliardenkonzern beherrschen könnte und schon gar keine Bühne. Ein Eindruck, der täuscht. Das " Handelsblatt" kürte den früheren Steuerprüfer zum besten Redner unter den Dax-30-Chefs. Verständlich, prägnant und perfekt strukturiert: So spricht der Vater zweier Kinder, der im Alltag doch so unscheinbar wirkt.

Unterschätzt worden war er schon einmal. An die RWE-Spitze schoss Terium aus dem Hintergrund, bootete als gesetzt geltende Anwärter nach einem Machtkampf aus. Im jüngsten Ranking der Finanzagentur Extel Thomson lag er auf Platz 1, was die Pflege der Beziehungen zu den Investoren angeht. Nicht schlecht für einen Vorstandschef, von dem der " Spiegel" kritisch fragte, ob ein " Management-Nobody" wie er der Richtige sei, um den taumelnden Riesen aus der Krise zu führen.

Das hat er geschafft, glaubt Terium fest. " Wir haben das Vertrauen des Kapitalmarkts zurückgewonnen", sagt er. Der weiterhin dümpelnde Aktienkurs habe übergeordnete Gründe und beruhe nicht auf den Zahlen und Perspektiven von RWE.

Schwieriger sei ohnehin der Kulturwandel gewesen. " Mir war klar, dass eine neue Strategie ohne ein Umdenken, ohne eine veränderte Einstellung unserer Mitarbeiter ins Leere laufen würde", sagt Terium das Dasein als Monopolist hatte die RWE-Kultur geprägt. Ein Viertel seiner Arbeitszeit habe er auf den Wandel in den Köpfen verwandt.

Und den Rest? Etwa darauf, ein kleines Geschäft im Mittleren Osten aufzubauen oder Visionen nicht mehr wie weiland das Internet-Projekt Powerline an den Kunden vorbei zu entwickeln. Mit seinen Produkten zum sogenannten Smart Home zum Beispiel, ist sich Terium sicher, bedient RWE die Bedürfnisse der Kunden, nicht mehr die seiner Ingenieure.

Bildtext:

Oft unterschätzt: Peter Terium, RWE-Vorstandsvorsitzender.Foto: dpa
Autor:
Burkhard Ewert


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